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"Zu viel Ruhe um den Lärm" Deutschland ist zu laut

In Deutschland ist es viel zu laut. Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge sind etwa 13 Millionen Bundesbürger mit Geräuschpegeln belastet, die Gesundheitsrisiken und Schlafstörungen verursachen. "Wir müssen mehr gegen die Lärmbelastung unserer Bevölkerung tun. Noch herrscht zu viel Ruhe um den Lärm", sagte der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, am Montag vor dem internationalen "Tag gegen Lärm" (25.4.). Es sei höchste Zeit für eine Trendwende. "Lärm ist nicht nur lästig, er kann auch krank machen", sagte er unter Hinweis auf Risiken wie Schlafstörungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen infolge Verkehrslärms.

So bestehe zwischen Fluglärm und erhöhtem Arzneimittelverbrauch ein direkter Zusammenhang, sagte Troge mit Blick auf eine Studie. Das Umweltbundesamt hatte im Umfeld eines deutschen Flughafens mit Nachtflugbetrieb Daten von mehr als 800.000 Menschen analysiert. Demnach führt Fluglärm dazu, dass die Betroffenen häufiger den Arzt aufsuchen und die Ärzte diesen mehr Medikamente verschreiben. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse spiegeln sich auch in Umfragen zur erlebten Lärmbelästigung der Bevölkerung im Wohnumfeld wider: Die Befragten stufen den Straßenverkehrslärm regelmäßig als größte Störung ein - vor anderen Faktoren wie Autoabgasen und Abwässern von Fabriken.

Trotz dieser bekannten negativen Auswirkungen des Verkehrs gab es laut Troge keine Trendwende. "Die Lärmpegel liegen unverändert auf einem hohen Niveau", sagte er. "Eine Ursache hierfür dürfte darin liegen, dass EU, Bund, Länder und Gemeinden die Wirkungen des Lärms bei ihren planerischen Entscheidungen bislang nicht ausreichend berücksichtigen, vor allem bei der Verkehrs- und städtebaulichen Planung." Mit der so genannten Europäischen Umgebungslärmrichtlinie werde dieses Thema jedoch künftig stärker in die kommunale Planung eingebunden.

Diese sehe zunächst vor, die Lärmbelastung in großen Ballungsräumen und an Hauptverkehrswegen bis zum 30. Juni 2007 zu erfassen. Unter Beteiligung der Öffentlichkeit sollen dann bis zum 18. Juli 2008 nationale Aktionspläne gegen den Lärm entstehen.

Quelle: n-tv.de