Wissen

Auslöser wohl LokalspezialitätHepatitis-Ausbruch erschüttert beliebte Urlaubsregion in Italien

25.03.2026, 17:35 Uhr
Der-Hafen-von-Neapel-ist-heute-einer-der-am-meisten-ueberfuellt-in-Italien-ein-Stopp-auf-mehreren-Touren-von-jedem-Ort-in-Europa-Sobald-wir-am-Hafen-ankommen-werden-wir-von-einem-majestaetischen-Blick-begruesst-mit-dem-Vomero-Huegel-der-von-Castel-SantElmo-und-dem-Maschio-Angioino-die-uns-umrahmt-Sie-koennen-schnell-einige-der-schoensten-Staedte-besuchen
Nach Angaben der Stadt Neapel wurden zwischen Januar und März 2026 insgesamt 65 Hepatitis-A-Fälle erfasst. Allein im März kamen 43 neue Infektionen hinzu. (Foto: picture alliance / Zoonar)

In Neapel und Umgebung grassiert das Hepatitis-A-Virus. Behörden verzeichnen bereits Dutzende Fälle - und es werden immer mehr. Als Reaktion ist der Verzehr einer lokalen Spezialität nun bei hohen Strafen untersagt. Die Infektionsquelle ist aber noch nicht abschließend identifiziert.

Die Osterferien stehen vor der Tür. Doch wer in diesem Jahr nach Süditalien reist, muss sich auf Einschränkungen einstellen. In der Region Kampanien rund um Neapel gibt es derzeit einen großen Hepatitis-A-Ausbruch. Behörden reagieren mit teils drastischen Maßnahmen - und verbieten eine der beliebtesten lokalen Spezialitäten.

Hepatitis A wird meist über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser übertragen. Die Infektion kann zu Leberentzündungen führen und geht häufig mit Symptomen wie Fieber, Übelkeit und Gelbsucht einher. Besonders riskant sind unzureichend erhitzte Lebensmittel - darunter rohe Muscheln oder andere Meeresfrüchte.

Nach offiziellen Angaben der Stadt Neapel wurden zwischen Januar und März 2026 insgesamt 65 Hepatitis-A-Fälle erfasst. Allein im März kamen demnach 43 neue Infektionen hinzu. Auch das Reiseportal tropeninstitut.de meldet diese Zahlen in einer aktuellen Mitteilung und verweist auf einen möglichen Zusammenhang mit kontaminierten Meeresfrüchten.

Übeltäter Meeresfrüchte?

Die Lage könnte jedoch ernster sein als zunächst angenommen. Die italienische Nachrichtenseite RaiNews berichtet nämlich, dass sich inzwischen rund 70 Infizierte im Colli-Krankenhaus in Neapel in stationärer Behandlung befinden, acht weitere Patienten würden zudem in der Notaufnahme versorgt. Noch wenige Tage zuvor war von Behördenseite von deutlich weniger Infizierten die Rede. Inzwischen sind auch außerhalb Kampaniens erste Fälle registriert worden. In der Provinz Latina südöstlich von Rom sei das Virus bei 24 Menschen nachgewiesen worden, berichtet RaiNews. Die Region ist ebenfalls ein beliebtes Reiseziel.

Als Reaktion haben die Behörden in Neapel strenge Maßnahmen ergriffen. In einer Mitteilung der Kommune heißt es, Gastronomiebetrieben sei das Servieren von rohen Meeresfrüchten bis auf Weiteres untersagt. Das Verbot gilt auch für Imbissstände. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 20.000 Euro. Zudem wird der Bevölkerung empfohlen, auch im privaten Umfeld auf den Verzehr roher Meeresfrüchte zu verzichten.

Garnelen-und-Krabben-zum-Verkauf-auf-einem-Markt-in-Rom-Italien
Wer in Neapel rohe Meeresfrüchte serviert, muss mit hohen Geldstrafen rechnen. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Für Urlauber bedeutet das: Neben möglichen Einschränkungen in der Gastronomie sollten grundlegende Hygieneregeln beachtet werden. Dazu gehört vor allem, auf den Verzehr roher oder nicht ausreichend gegarter Speisen zu verzichten. Die Behörden versuchen derweil, die Quelle der Infektionen eindeutig zu identifizieren. Noch ist nicht abschließend geklärt, ob tatsächlich ausschließlich Meeresfrüchte für den Ausbruch verantwortlich sind.

Verheerender Ausbruch in Tschechien

Auch Deutschlands Nachbar Tschechien verzeichnete zuletzt eine außergewöhnlich heftige Hepatitis-A-Welle. Gesundheitsbehörden sprachen um Weihnachten herum von der größten Epidemie seit 46 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr gab es zwanzigmal so viele Fälle. Mehr als 3000 Hepatitis-A-Infektionen wurden 2025 registriert, 36 Menschen starben. Besonders betroffen waren die Hauptstadt Prag sowie die Regionen Mittelböhmen und Karlsbad, also auch beliebte Reiseziele für deutsche Touristen. Besonders Weihnachtsmärkte galten als Orte mit erhöhtem Risiko.

In Deutschland tritt Hepatitis A vergleichsweise selten auf, meist handelt es sich laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) um durch Reisen in Risikogebiete importierte Fälle. Jährlich werden im Schnitt etwa 600 bis 700 Infektionen (Stand 2022) gemeldet, wovon etwa 40 Prozent im Ausland erworben werden. 

Eine Impfung empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Personen mit erhöhtem Risiko, zum Beispiel Beschäftigten in Kitas und Krankenhäusern, Männern, die Sex mit Männern haben oder Reisenden mit schwachem Immunsystem. Ansonsten ist der beste Schutz die Einhaltung von Hygienemaßnahmen bei Lebensmitteln, wie die Deutsche Leberhilfe schreibt. Dabei gibt es einen wichtigen Merksatz: "Cook it, peel it or forget it." (Koch es, schäle es oder lass es.)

Quelle: ntv.de, hny

EpidemienUrlaubItalienInfektionskrankheitenHepatitisTschechienGesundheitGastronomieLebensmittel