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Deutscher diesmal mit dabei? Nächster Schritt auf dem Mond steht bevor

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Im Jahr 2023 will das Unternehmen SpaceX Touristen zum Mond befördern. Aussteigen sollen sie dort allerdings nicht.

(Foto: Space Exploration Technologies Corp.)

50 Jahre nach der ersten Landung gerät der Mond wieder in den Fokus. Die USA drücken aufs Tempo - 2024 soll wieder ein Mensch den Erdtrabanten betreten. Aber auch China treibt eine eigene Landung voran. Europa wiederum träumt von einem internationalen "Monddorf".

Wenn man davon spricht, dass Dinge vor einem halben Jahrhundert geschehen sind, gelten diese in der Regel als überholt. Anders bei Mondlandungen - zwar betraten schon vor 50 Jahren, am 20. Juli 1969, die ersten Menschen den Erdtrabanten. Das könnte sich aber bald wiederholen - denn der Mond ist wieder in den Fokus einer ganzen Reihe von Staaten und auch privaten Unternehmen gerückt.

Mond-Pläne anderer Länder

  • Indien: Als erste indische Mondmission soll "Chandrayaan-2" Ende 2019 am Südpol des Erdtrabanten landen.
  • Russland: Die ersten Kosmonauten sollen Anfang der 2030er-Jahre auf dem Mond landen. 14 Tage sollen sie bleiben.
  • Japan: Die Hightech-Nation will sich am Bau der Nasa-Raumstation in der Umlaufbahn des Mondes ab Mitte der 2020er-Jahre beteiligen
  • Südkorea: Bis Ende 2020 soll die Sonde "Korea Pathfinder Lunar Orbiter" (KPLO) mit einer SpaceX-Rakete zum Mond fliegen.

Und die USA - bisher einzige Nation mit Astronauten auf dem Mond - machen bei der Neuauflage am meisten Tempo. Der ursprüngliche Zeitplan des Mondprogramms wurde überarbeitet, bereits im Jahr 2024 - statt wie bisher geplant 2028 - sollen die ersten Menschen nun wieder einen Fuß in den Mondstaub setzen. Natürlich sollen es US-Amerikaner sein, so die "offizielle Politik" der Trump-Regierung - darunter auch die erste Frau auf dem Mond.

Laut einem internen Nasa-Plan, über den das Onlineportal "Ars Technica" im Mai berichtete, soll es dann Schritt für Schritt in Richtung einer dauerhaft bewohnten Mondstation gehen. Mit fast 40 Flügen sollen bis zum Jahr 2028 Gerät, Behausungen und Menschen zum Erdtrabanten transportiert werden. Eine möglicherweise dauerhaft bewohnte Raumstation im Mondorbit, das "Lunar Gateway", ist geplant, der eine wichtige Doppelfunktion zukommt: zum einen als bemanntes Forschungslabor, zum anderen als Ausgangspunkt für die Landemissionen.

Auch China will den Mond erobern

Warum die USA derzeit so aufs Tempo drücken, ist nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass die von der US-Regierung als Konkurrenz identifizierte Volksrepublik China ihrerseits Pläne für eine Mondlandung vorantreibt. Erst Anfang des Jahres hatte China seine Ambitionen - und vor allem: seine Fähigkeiten - in Sachen Mond-Landungen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit "Chang'e 4" setzte im Januar bereits die zweite chinesische Sonde erfolgreich auf dem Mond auf - und zwar auf dessen Rückseite, was bisher weder die USA noch Russland vollbracht hatten.

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Aber die Chinesen wollen noch mehr. Das Mondprogramm der Volksrepublik sieht eine schnelle Steigerung der Fähigkeiten vor. Noch in diesem Jahr soll eine weitere Sonde gestartet werden, die Bodenproben zurück zur Erde bringt. Bei weiteren Missionen in den 2020ern sollen systematisch Technologien für den Aufbau einer Station am Südpol des Mondes erprobt werden. In den 2030ern soll der erste Chinese den Mond betreten, verlautete aus offiziellen Kreisen.

Aber nicht nur die Weltraumnationen, auch private Unternehmen arbeiten an bemannten Flügen zum Erdtrabanten. Die weit fortgeschrittene Raketentechnik der Firma SpaceX des genauso exzentrischen wie visionären Elon Musk soll bereits im Jahr 2023 den japanischen Unternehmer Yusaku Maezawa einmal um den Mond herum schießen. Den Schub liefern soll eine von SpaceX entwickelte eigene Super-Rakete, die "BFR" ("Big Falcon Rocket"). Bereits 2020 soll sie zum ersten Mal fliegen - obwohl auch SpaceX seine Zeitpläne oft nicht eingehalten hat.

Sogar von einer Mondlandung träumt ein anderer US-Milliardär: Amazon-Chef Jeff Bezos. Im Mai präsentierte er seine Mondlandefähre "Blue Moon". Für das Jahr 2024 ist eine Landung am Mond-Südpol geplant, so das ambitionierte Ziel. Als Rakete könnte die "New Glenn" von Bezos' eigenem Raumfahrtunternehmen "Blue Origin" dienen. Allerdings ist auch die noch nicht startklar - erst im kommenden Jahr soll sie ihren Erstflug absolvieren.

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Auch der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus nimmt den Mond ins Visier und hat gemeinsam mit Bezos im vergangenen Jahr den internationalen Wettbewerb "The Moon Race" ins Leben gerufen. Im Zentrum stehen dabei Techniken, mit denen auf dem Mond später Energie, Wasser und Nahrung produziert werden können.

Vision von europäischem "Monddorf"

Denn auch in Europa träumt man von der Rückkehr zum Mond. Der Chef der europäischen Raumfahrtorganisation Esa, Jan Wörner, sorgte mit seiner Vision eines "Monddorfes" für Furore. Auf einer permanenten Mondbasis sollen verschiedene Nationen gemeinsam forschen und den Mond kommerziell erschließen - sei es als Rohstoffquelle oder für den Tourismus. Auch China soll mit eingebunden werden, betonte Wörner.

Allerdings ist Europa mangels eigener leistungsfähiger Trägerraketen und Raumschiffe bei seinen Mondplänen bisher auf die USA angewiesen. Gemeinsam baut man bereits das Mond-Raumschiff "Orion", für das die Esa ein Servicemodul entwickelt hat - ohne dieses Antriebsmodul könnte "Orion" nicht fliegen.

Dank der engen Zusammenarbeit könnte Europa vom hohen Tempo der USA profitieren. Schon im Jahr 2023, wenn ein bemanntes "Orion"-Raumschiff erstmals wieder den Mond umrunden soll, ist womöglich auch ein Europäer mit an Bord. Vielleicht sogar ein Deutscher - Astronaut Alexander Gerst jedenfalls hat bereits seine Bereitschaft dazu erklärt. Infrage kommt auch sein Kollege Matthias Maurer, der wie Gerst zum Esa-Astronautenkorps gehört. Der 49-Jährige wurde in der Vergangenheit bereits als "der erste Deutsche auf dem Mond" gehandelt.

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Quelle: n-tv.de

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