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Rinder-Erreger auf dem VormarschShamonda-Virus breitet sich weiter in Deutschland aus - neue Variante entdeckt

02.09.2026, 17:33 Uhr imageVon Hedviga Nyarsik
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Seit mehreren Monaten sorgt das Shamonda-Virus in deutschen Ställen für zahlreiche Erkrankungen. (Symbolbild) (Foto: picture alliance/dpa)

Fieber, Durchfall und weniger Milch: Immer mehr Rinderbetriebe melden Infektionen mit dem Shamonda-Virus. Nun entdecken Forschende eine zweite Variante - ein Hinweis darauf, dass die Erreger unabhängig voneinander mehrfach eingeschleppt wurden. Wie gefährlich ist das Virus für Tier und Mensch?

Das Shamonda-Virus befällt in Süddeutschland immer mehr Rinder und breitet sich zunehmend weiter Richtung Norden und Osten aus. Die betroffenen Tiere leiden an Fieber und Durchfall, Milchkühe geben weniger Milch. Neue Untersuchungen zeigen nun: Offenbar ist nicht nur eine Variante des Erregers unterwegs. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat eine zweite, genetisch deutlich unterschiedliche Form des Virus nachgewiesen. Für die Fachleute ist das ein Hinweis darauf, dass es mindestens zwei unabhängige Einschleppungen gegeben haben muss.

Die zuerst entdeckte Variante war seit Juli vor allem in Süddeutschland sowie in der Schweiz und Frankreich aufgetreten. Sie trägt nun den Namen Shamonda-Virus Europe 1, kurz SHAV-EU1. Die neu gefundene Variante heißt SHAV-EU2. Nachgewiesen wurde sie bislang bei Rindern aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Thüringen. In einigen Regionen kommen inzwischen sogar beide Varianten vor.

Varianten unterscheiden sich deutlich

Die neue Variante ist offenbar nicht einfach aus der bereits bekannten hervorgegangen. Das Erbgut dieser Viren ist in drei Abschnitte, sogenannte Genomsegmente, aufgeteilt. Untersuchungen des FLI zeigen, dass sich alle drei Erbgutabschnitte von SHAV-EU2 von denen der ersten Variante unterscheiden. Woher die neue Variante stammt und wie eng sie mit anderen bekannten Viren verwandt ist, wird derzeit noch untersucht. Offen ist auch, welche Tierarten sich mit SHAV-EU2 anstecken können. Alle bisher bekannten Fälle dieser Variante stammen von Rindern. Bei SHAV-EU1 wurden Infektionen dagegen bereits bei Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen festgestellt.

Übertragen werden die Viren vor allem durch Gnitzen. Das sind nur wenige Millimeter große, blutsaugende Insekten, die äußerlich an sehr kleine Mücken erinnern. Sie nehmen das Virus beim Blutsaugen an einem infizierten Tier auf und können es anschließend weitergeben. Eine direkte Übertragung von Tier zu Tier steht daher nicht im Mittelpunkt. Das macht es allerdings schwer, die Ausbreitung gezielt zu stoppen.

Immer mehr Betriebe melden Fälle

Besonders viele Nachweise gab es zuletzt im Süden Deutschlands. In Oberschwaben und am Bodensee waren bis Ende August bereits mehr als 130 Rinderbetriebe betroffen. Auch aus Bayern wurden zahlreiche Fälle gemeldet. Inzwischen ist das Virus zudem weiter nach Norden und Osten vorgedrungen. So wurden im Vogtland und im Erzgebirge erstmals infizierte Rinder nachgewiesen.

Woher stammt das Shamonda-Virus?

  • Das ursprüngliche Shamonda-Virus stammt nach bisherigem Kenntnisstand aus Afrika. Es wurde 1965 erstmals in Nigeria aus dem Blut eines Rindes isoliert und später dort auch in Gnitzen nachgewiesen. Jahrzehntelang gab es danach kaum Nachweise. Erst 2002 wurde das Virus überraschend wieder in Südjapan gefunden - sowohl bei Rindern als auch in Gnitzen.
  • Für die jetzt in Europa auftretenden Varianten SHAV-EU1 und SHAV-EU2 lässt sich daraus aber nicht ableiten, dass sie unmittelbar aus Nigeria eingeschleppt wurden. Woher diese europäischen Viren unmittelbar kommen und auf welchem Weg sie nach Europa gelangt sind, ist derzeit unbekannt.

Wie viele Tiere deutschlandweit tatsächlich infiziert sind, ist noch völlig unklar. Infektionen mit dem Shamonda-Virus sind bislang nicht meldepflichtig. Es gibt deshalb keine vollständige bundesweite Statistik. Außerdem werden nicht alle Tiere mit passenden Symptomen getestet. Die bekannten Fälle bilden daher nur einen Teil des tatsächlichen Geschehens ab.

Bei erwachsenen Rindern scheint die Erkrankung bislang häufig vergleichsweise mild zu verlaufen. Beobachtet werden unter anderem Fieber, Durchfall und ein Rückgang der Milchleistung. Viele Tiere erholen sich wieder. Dennoch gibt es einzelne Fälle, die Fachleute besorgen. Bei einem infizierten Pferd aus Rheinland-Pfalz traten beispielsweise schwere neurologische Symptome auf. Nach seinem Tod fanden Forschende eine hohe Virusmenge im Gehirn. Ein Zusammenhang mit der Infektion erscheint deshalb möglich, ist aber noch nicht endgültig bewiesen.

Besonders aufmerksam beobachten Experten, was bei einer Infektion während der Trächtigkeit passiert. Das eng verwandte Schmallenberg-Virus kann ungeborene Kälber und Lämmer schwer schädigen und unter anderem Fehlbildungen, Tot- und Fehlgeburten verursachen. Ob die beiden Shamonda-Varianten ähnliche Folgen haben können, ist bislang nicht geklärt.

Stand jetzt: Keine Gefahr für den Menschen

Hinzu kommt eine weitere Besonderheit: In Deutschland zirkulieren inzwischen drei eng verwandte Viren gleichzeitig - das Schmallenberg-Virus sowie SHAV-EU1 und SHAV-EU2. Weil ihr Erbgut aus einzelnen Abschnitten besteht, können solche Viren theoretisch Teile davon untereinander austauschen, wenn zwei Varianten dasselbe Tier oder möglicherweise dieselbe Gnitze infizieren. Dadurch könnten neue Viruskombinationen entstehen. Fachleute nennen diesen Vorgang Reassortierung. Das FLI hält solche Veränderungen für möglich, bislang ist aber offen, ob sie tatsächlich auftreten werden und welche Folgen sie hätten.

Für Menschen gibt es nach derzeitigem Kenntnisstand keinen Anlass zur Sorge. Das Schmallenberg-Virus ist nicht auf den Menschen übertragbar. Das neue Virus stellt daher "kein relevantes Infektionsrisiko dar", heißt es vom Institut. Weil die beiden neuen Varianten jedoch erst seit kurzer Zeit bekannt sind, wird das FLI das weiter beobachten.

Ein schnelles Ende der Ausbreitung ist zunächst nicht zu erwarten. Gnitzen können je nach Wetter bis in den Herbst hinein aktiv bleiben. "Wir wissen noch nicht genau, welches Potenzial das Virus in sich trägt", sagte eine FLI-Sprecherin vor kurzem auf einer Pressekonferenz. Möglicherweise ginge es darum, möglichst schnell einen Impfstoff zu entwickeln.

Quelle: ntv.de

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