Bekanntes Antioxidans Stoff in roten Tomaten könnte Gehirnaktivitäten fördern

Ob frisch, aus der Büchse oder in konzentrierter Form: Tomaten sind eine beliebte Zutat in der Küche. Ein bestimmter Stoff darin kann die Blut-Hirn-Schranke passieren und ist deshalb von besonderem Interesse für die Wissenschaft.
Wer regelmäßig rote Tomaten oder Tomatenmark konsumiert, könnte damit auch etwas für die Gehirngesundheit tun. Das hat ein Forschungsteam in Spanien festgestellt. Lycopin könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen, mutmaßen die Forschenden. Lycopin hat die Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Zudem gibt es bereits Hinweise darauf, dass das Antioxidans entzündungshemmend wirkt, die Hautalterung verlangsamt, Herz und Prostata schützt.
Für die Untersuchung wurden 42 gesunde Erwachsenen im Alter von 40 bis 55 Jahren einbezogen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Zunächst wurden die Studienteilnehmenden gebeten, eine Woche vor Studienstart auf Lebensmittel mit Lycopin zu verzichten. Dazu gehören Tomaten, Wassermelonen, Papayas, rote Grapefruits und Guaven.
Täglich 35 Gramm Tomatenmark
Danach startete die erste Gruppe mit der gewohnten Ernährung und der Aufnahme von zusätzlichem Tomatenmark, und zwar von täglich ungefähr 35 Gramm, was 0,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht entsprach. Das von den Forschenden zur Verfügung gestellte Tomatenmark wurde roh oder gekocht über einen Zeitraum von drei Wochen zu den regulären Mahlzeiten verzehrt. Parallel dazu gab es eine Kontrollgruppe, die versuchen sollte, sich wie gewohnt, jedoch lycopinarm zu ernähren. Die Studienteilnehmenden beider Gruppen wurden dazu angehalten, sowohl die körperlichen Aktivitäten als auch ihren gewohnten Lebensstil während der Studie beizubehalten.
Danach gab es für die Tomatenmark-Gruppe eine vierwöchige sogenannte Auswaschphase und die Kontrollgruppe nahm nach einer lycopinarmen Woche das Tomatenmark zu sich. Das Forschungsteam um den Ernährungswissenschaftler Ricardo López-Solís maß währenddessen verschiedene Werte bei den Probanden und Probandinnen. Hinzu kam die Feststellung der kognitiven Leistungsfähigkeit mit standardisierten neuropsychologischen Tests sowie MRT-Aufnahmen von 14 Gehirnen.
Effekte in mehreren Bereichen sichtbar
Die Auswertung der gesammelten Daten zeigte, dass der Verzehr von Tomatenmark die selektive Aufmerksamkeit und das assoziative Gedächtnis, also die Fähigkeit von Gesichts-Namen-Zuordnungen verbesserte. Der sogenannten Plasma-BDNF-Spiegel stieg bei den Tomatenessern leicht an. Die Konzentration des Proteins BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) wird als Schutz für bestehende Gehirnzellen gewertet. Er lässt neue Synapsen im Gehirn entstehen und fördert die Neubildung von Nervenzellen. Der Wert wird im Blutplasma gemessen und das Protein wegen seiner Wirkungen oftmals als "Dünger für das Gehirn" bezeichnet. Auch in den MRT-Aufnahmen sahen die Forschenden Veränderungen bei denjenigen, die regelmäßig Tomatenmark zu sich nahmen, die auf positive Effekte für die Arbeit des Gehirns hindeuten.
"Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass der Verzehr von Tomaten die kognitive Funktion unterstützen kann", resümiert López-Solís die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift "Antioxidants" veröffentlicht wurden. Zudem könnten Tomaten die Vernetzung des Gehirns bei gesunden Erwachsenen mittleren Alters positiv beeinflussen.
Die festgestellten Effekte könnten durch den hohen Gehalt an Lycopin im Tomatenmark entstehen. Ob die vermehrte Aufnahme dieses Antioxidants aber tatsächlich zu einer besseren Gehirnaktivität führt oder ob es sich um andere Mechanismen oder ein Zusammenspiel verschiedener Stoffe handelt, muss in weiteren Forschungen geklärt werden.