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Geld regiert die Welt, aber es macht nicht glücklich. Davon weiß die Quandt-Erbin und reichste Frau Deutschlands Susanne Klatten ein Lied zu singen. Aber lassen wir Einzelschicksale außer Acht und konzentrieren uns auf das große Ganze.
Es liegt nicht nur in unserer Hand, was Geld aus uns macht. Wir sind nur kleine Zähnchen in einem großen Räderwerk. Das lehrte uns spätestens die Finanzkrise. Und wir fragen uns unweigerlich, warum funktioniert das eigentlich mit dem Geld nicht?
Warum gibt es immer wieder Krisen? Heute ist es die Subprime-Krise. Im Jahr 2000 war es die Internet-Blase. Ein paar Jahre zuvor verloren die Anleger eine Menge Geld in den asiatischen Tigerstaaten ... Jede Krise hat ihre eigenen Qualitäten und doch ähneln sie einander.
Am Anfang steht eine angeblich vielversprechende wirtschaftliche Veränderung: Es gibt neue Dinge, mit denen sich mehr Geld verdienen lässt als mit anderen. In der Subprime-Krise war das der Handel mit Hypothekenkrediten.
Das Geld sitzt locker, eine Branche blüht auf. Die niedrigen Zinsen der Notenbanken wirken wie Dünger. Irgendwann ist es zuviel des Guten und ein zuvor vielleicht nahrhafter Boden ...
... kippt, fault und eine Idee stirbt ab. Die Gier nach Besitz und Reichtum hat in der Subprime-Krise so zum tiefen Absturz geführt.
Aber warum? Der Tanz ums Goldene Kalb ist für den Menschen noch nie gut gewesen, sagen viele. Stellt sich die Frage: "Warum brauchen wir Geld?"
Und warum brauchen wir Aktienmärkte? Warum laufen unsere Investments so häufig falsch? Fragen über Fragen. Wir suchen wieder einmal nach Antworten.
Geld ist nützlich. Es vereinfacht den Tausch von Gütern und Dienstleistungen. Wir müssen nicht mehr mit unseren Äpfeln auf den Markt in der Hoffnung auch noch was anderes als Birnen dafür zu bekommen. Geld ist anerkanntes Zahlungsmittel. Wir kaufen ...
... auf direktem Wege das, was wir auch haben wollen. Vorausgesetzt natürlich, wir einigen uns mit unserem Gegenüber auf einen für beide ansprechenden Preis.
Geld hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber frischem Obst. Wir können es aufbewahren. Es ist haltbar. Außerdem können wir seinen Wert auch wachsen lassen. Wir können Geld zum Beispiel verleihen.
Geld ist die Voraussetzung für eine "dynamische Ökonomie". Aber nur, wenn das Geld seinen Wert behält. Es darf nicht beliebig vermehrbar sein, sondern muss knapp bleiben. Deshalb dienten auch nie Kieselsteine als Geld, dafür aber seltene Metalle wie Silber und Gold.
Geld ist der Schmierstoff einer funktionierenden Marktwirtschaft. Mit wachsendem Geldbedarf wurde das Münzgeld um handlicheres Papiergeld ergänzt. Mittlerweile kommen Geldscheine ...
... schon wieder außer Mode und der Zahlungsverkehr findet immer häufiger unbar statt. Was auch einer gewissen Kontrolle bedarf.
Wie das Geld überhaupt unter die Menschen kam, ist übrigens nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie stammt von dem deutschen Wissenschaftler Bernhard Laum (1884-1974), der von dem Nützlichkeitsgedanken jedoch wenig hielt.
Seiner Ansicht nach entstand Geld als religiöses Opfer. In der Antike opferten Priester ihren Göttern Metalle und erhofften sich dadurch Gegenleistungen. Im Laufe der Zeit sollen sich dabei feste Tarife für bestimmte göttliche Leistungen entwickelt haben.
Irgendwann soll dann der Staat an die Stelle der Götter und die Beamten an die Stelle der Priester getreten sein. Mit der Verweltlichung der Geldwirtschaft breitete sie sich dann auch zunehmend aus. Aber zurück zum Thema.
Geld ist für uns tatsächlich ziemlich nützlich. Deshalb wollen wir eigentlich gar nicht auf Geld verzichten. Aber wie sieht es mit den Aktienmärkten aus?
Gäbe es keine Banken und Börsen, müssten wir alle unsere eigenen Netzwerke stricken und direkt miteinander handeln. Selber interessante Investments suchen und uns auch gegenseitig Geld leihen. Wehe dem, der da nicht gut angesehen ist.
Diese Art des Handel(n)s hat was, kostet aber auch viel Zeit. Schneller lassen sich Geschäftspartner mithilfe einer Anlaufstelle oder Börse finden. Auch das Angebot von Investments ist größer. Aber was macht die Aktienbörse genau? Ihre wichtigste Aufgabe ist die Bewertung ...
... von Unternehmen. Sie stellt den Marktpreis fest. Am Wert einer Aktie lässt sich nicht nur die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens, sondern auch seine Position in einer Branche ablesen.
Darüber hinaus zeigt die Börse den Stand der Konjunktur eines Landes im modernen globalen Wirtschaftsgefüge an. Eine Börse lenkt das Kapital der Anleger in - hoffentlich - viele sinnvolle Verwendungen.
Davon profitieren im besten Fall Anleger und Wirtschaft. Der Aktienkurs gibt dabei dem Anleger und dem Firmen-Management ständig Aufschluss über den Erfolg des Unternehmens.
Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, müssen die Börsenpreise fair zustande kommen. Dafür brauchen Börsen einen guten rechtlichen Rahmen. Nur so kann ein Kapitalmarkt wachsen und gedeihen. Nur so ist der Kapitalmarkt für die breite Bevölkerung interessant.
Soweit die nackte Theorie. Die Realität sieht - leider - manchmal anders aus. Nicht immer sind die Voraussetzungen für einen fairen Markt gegeben. Trotz aller Klagen, gilt ...
... gäbe es keine Aktienmärkte, müsste man sie wohl auch erfinden. Denn der Mensch ist nicht nur Jäger und Sammler. Er ist auch Händler - allerdings einer, der mit Fehlern behaftet ist. Manch einer verzockt sich nicht nur, sondern geht gar völlig leer aus.
Fest steht, die große Mehrheit der Marktteilnehmer verdient nicht das große Geld. Das liegt nicht an denen, die gewinnen, sondern an ihrer eigenen Ahnungslosigkeit.
Anleger verhalten sich irrational und machen leider immer wieder die gleichen Fehler. Warum das so ist, lässt sich psychologisch erklären: Der Mensch ist eben ein Mensch und keine Maschine.
Forscher auf dem Feld der "Behavioral Finance" haben herausgefunden, dass der Privatanleger vom Idealtyp des "Homo oeconomicus" (denkt streng rational) so weit entfernt ist wie der Affe vom Menschen. Glaubt man also den Experten, ...
... können Finanzmärkte gar nicht effizient sein. Kern des Problems ist, dass wir Verluste schwerer bewerten als Gewinne in gleicher Höhe. Angeblich schmerzt uns ein Verlust von 1000 Euro zweieinhalbmal so sehr, wie uns ein Gewinn von 1000 Euro glücklich stimmt.
Das hat zur Folge, dass wir Verluste nicht realisieren, in der Hoffnung Verluste noch wettmachen zu können. Umgekehrt realisieren wir Gewinne zu früh, weil wir das Risiko scheuen. Auf der Negativseite wird also eher ein Risiko eingegangen als auf der Gewinnerseite.
Wir lernen nicht aus unseren Fehlern, weil wir sie nicht als solche erkennen. Während wir Erfolg der eigenen Brillianz zuschreiben wird Misserfolg lieber auf äußere Faktoren geschoben. Dieses Handeln verspricht wenig Erfolg.
Erfolglos bleiben wir auch, weil wir Aktien viel zu häufig kaufen und verkaufen. Ein durchschnittlicher Privatanleger schichtet in einem Jahr 70 Prozent seines Portfolios um. Das ist zu viel. Viele Transaktionsgebühren wirken als Renditebremse.
Die meisten Anleger streuen ihr Risiko zu wenig. Damit wird ihr Depot anfällig für Risiken. Diversifikation heißt das Zauberwort. Wer gut mischt, der senkt das Risiko.
Hinzu kommt, dass der Mensch schlichtweg faul ist. Einer Studie der Commerzbank zufolge, überlegen die Deutschen im Schnitt vor dem Kauf eines Autos 37 Stunden. Für die Planung des Vermögensaufbaus wenden sie dagegen gerade mal 20 Stunden auf.
Da Geld niemals weg ist, auch wenn wir es nicht mehr in der Tasche, auf dem Konto oder im Depot haben, stellt sich die Frage: Wer hat es denn? Möglicherweise Finanzhaie?
Um es vorweg zu nehmen. Ja, zum guten Teil schon. Aber Spekulanten sind bei weitem nicht so schlecht wie ihr Ruf. Sie sind auch nicht verantwortlich für Fehler, die wir bei Investments machen.
Sorgen sie für ein besseres Funktionieren der Finanzmärkte, wie sie selber gerne behaupten? Oder geht es ihnen ausschließlich um den Profit?
Fürsprecher der Spekulanten weisen daraufhin, dass ihre "Spielereien" dazu dienen, die Funktionsfähigkeit der Märkte zu erhöhen. Denn sie weisen auf ökonomische Missstände hin.
Sie zocken am Ölmarkt und treiben damit die Ölpreise nach oben. Sie machen damit Gewinne. Gleichzeitig signalisieren sie aber dem ganzen Markt, dass Öl auf lange Sicht wohl teuer bleiben wird.
Das Angebot ist knapp und die Nachfrage groß. Ein Missstand, den die Menschen beheben müssen. Die Spekulanten wirken also auf einen Wandel hin.
Als gefährliche Spekulanten in Misskredit geraten sind die Hedgefonds. Sie haben die Macht ein ganzes Land kollabieren zu lassen. Das macht Angst. Selbst Notenbanken zittern vor diesen Spekulanten.
1992 setzten die Hedgefonds von George Soros zehn Milliarden Pfund gegen das britische Pfund. Das Pfund wurde abgewertet und aus dem Europäischen Wechselkursverbund befördert, Soros verdiente daran eine Milliarde Dollar.
Das Vorgehen dieser Hedgefonds ist nicht ohne System. Denn Profit ist nur dort zu machen, wo es eine Grundlage gibt. Öl ist knapp - der Preis muss steigen. Das Pfund ist maßlos überbewertet - es muss fallen.
Sie nehmen diese Entwicklungen praktisch nur vorweg. Soros formulierte es einmal so: Sie sorgen lediglich dafür, "dass das Unvermeidliche eintritt." Warum aber bleibt nicht alles so, wie es ist?
Liegt es an den Sonnenflecken, wie man im 19. Jahrhundert dachte. Oder ist es der Wille des Herrn, wie das Alte Testament sagt? Eine klare Antwort gibt es auf die Frage nicht.
Grund ist: in der Realität ist alles möglich. Wirtschaften wachsen über einen langen Zeitraum. In anderen Fällen wachsen Wirtschaften über lange Phasen nur sehr langsam. Oder sie brechen urplötzlich ein. Eine zumindest einflussreiche Erklärung jüngeren Datums ...
... liefern die Nobelpreisträger des Jahres 2004, Finn Kydland (l.) und Edward Prescott. Der Grundgedanke ihrer Theorie ist, dass das Auf und Ab der Konjunktur das Ergebnis zufälliger und nicht prognostizierbarer Einflüsse ist.
Eine Kursänderung kann zum Beispiel hervorgerufen werden durch Naturkatastrophen, durch Veränderungen in der Wirtschaftspolitik oder auch technischen Fortschritt. Alles ist möglich.
Interessant ist die Theorie, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Industrienationen in etwa 50 Jahre langen Zyklen verläuft, wobei gegen Ende eines Zyklus Erfindungen gemacht werden, die den nächsten Aufschwung einläuten.
Obwohl es keinen Grund für eine gesetzmäßige Entwicklung gibt und technischer Fortschritt doch wohl eher unvorhersehbar ist, lassen sich im Rückblick tatsächlich langfristige Zyklen erkennen: ...
1780-1849 der "DAMPFMASCHINEN-Kondratjew" (nach dem sowjetischen Ökonom Nikolai Kondratjew, der diese Theorie erfunden hat). 1849-1890 der "EISENBAHN-Kondratjew".
1890-1940 der "ELEKTROTECHNIK - und CHEMIE-Kondratjew". 1940-1990 der "AUTOMATISIERUNGS-Kontratjew". Seit 1990 befinden wir uns danach in einem "INFORMATIONS - und KOMMUNIKATIONS-Kondratjew". Eine andere These geht davon aus, ...
... dass nicht der technische Fortschritt, sondern das Geld einen entscheidenden Unterschied macht, ob die Konjunktur rauf oder runter geht. Wirtschaftlicher Abschwung ist danach die Folge zu großen Sparens und zu geringer Investitionen.
Auch Stimmungen der Menschen dürften einen Unterschied machen. Eine Theorie ist darauf aber noch nicht begründet worden. Wenn Geld so einen großen Unterschied macht, warum besorgen wir es uns nicht einfach? Und aufwärts geht's?
Es könnte so schön sein. Wir lösen alle unsere Probleme, jeder bekommt, was er braucht oder haben möchte. Armut war gestern. Und das Beste ist, Geld ist in der Herstellung auch noch richtig preiswert.
So schön diese Idee ist, die Rechnung geht nicht auf. Denn ein Zuviel an Geld führt unweigerlich zu Inflation. Das ganze schöne Geld wäre einfach nichts mehr wert.
So wie 1923, als Geldscheine mit Nennwerten über viele Millionen und Milliarden Mark, für die man nichts mehr kaufen konnte, kursierten. Die Menge macht' s in diesem Fall nicht. Das Geld muss eben auch "werthaltig" sein.
1923 brachte die Reichsbank immer mehr Geld in Umlauf. Und die Reichsbank war nicht die einzige. Jeder konnte Geld drucken, der es wollte. Hoechst tat es, ...
.... Thyssen tat es. Je schneller sie Geld druckten, desto schneller verlor es an Wert. Eine Mahlzeit im Gasthaus kostete so eineinhalb Milliarden Mark. Unvorstellbar! Der Definition von ...
... Nobelpreisträger Milton Friedman zufolge entsteht Inflation immer dann, wenn die Geldmenge schneller wächst, als sich Güter und Dienstleistungen in einem Land vermehren. In diesem Fall verliert das Geld nämlich seinen Wert.
Je mehr es gibt, desto "billiger" wird es. Das ist so wie mit Obst in der Erntezeit. Je mehr es davon auf dem Markt gibt, desto billiger ist es. Je mehr Geld es gibt, desto geringer ist aber auch die Kaufkraft. Geldentwertung an sich ist nichts Schlimmes.
Moderate Inflation ist sogar gut für die Wirtschaft. Sie zeigt an, welches Gut oder welche Dienstleistung gerade begehrter ist. Unternehmer wissen, welche Waren gefragt sind, was produziert werden muss, und was ein Ladenhüter ist.
Diese Bedeutung verliert Geld allerdings in Zeiten starker Inflation. Produzenten wissen nicht mehr, was ihre Waren wert sind. Sie investieren nicht mehr und sie produzieren nicht mehr, weil sie keine Perspektive mehr haben.
Was werden die Waren demnächst noch wert sein? Sie wissen es nicht. Die Geldwirtschaft läuft aus dem Ruder. Die Gesellschaft verliert Produktivität und Wohlstand.
Das ist auch das Ende von Geld als anerkanntes Zahlungsmittel. In solchen Fällen wird in der Regel eine "Zweitwährung" als Ersatz herangezogen. Im Nachkriegs-Deutschland waren es Zigaretten und Schokolade. In Argentinien und Brasilien war es später der US-Dollar.
Hohe Inflation ist unsozial: Sie schadet vor allem den Menschen, die nur vom Lohn ihrer Arbeit leben. Der Wert von Sparbüchern, Lebensversicherungen und Renten verfällt. Wer Immobilien, Gold oder Land besitzt ist besser dran.
Hohe Inflationsraten sind heute allerdings eher die Ausnahme. In den meisten Industrieländern ist die Inflation in den neunziger Jahren auf zwei oder drei Prozent zurückgegangen. Hintergrund ist, dass sich der Preiswettbewerb verschärft hat.
Umfragen ergaben, dass drei von vier Jugendlichen im Alter von 14 bis 24 Jahren nicht wussten, dass Inflationsrate den Anstieg der Verbraucherpreise beziffert. Noch weniger wissen, dass Angebot und Nachfrage den Preis eines Gutes bestimmen.
Bei Geld- und Finanzangelegenheiten wird es abenteuerlich: Was ein Aktienfonds ist, wissen zum Teil noch nicht einmal diejenigen, die darin investiert sind.
Wirtschaft in der Schule hat als Fach keinen Stellenwert. Sie passt nicht in die idealistische Vorstellung von Allgemeinbildung. Wie man sieht, gibt es aber Handlungsbedarf. Vielleicht sollte sich die Regierung überlegen, als Teil des Konjunkturpaketes ...
.... entsprechend in die Bildung zu investieren. Dann klappt es künftig vielleicht auch besser mit dem Geld. (Text: Diana Dittmer, nach einer Idee von Rainer Hank, "Erklär mir die Welt"; Bilder: ap, dpa, pixelio, rts)
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