Ratgeber

Tagesgeld und Festgeld: Schnell noch Zinsen festklopfen

Von Isabell Noé

Die Sparzinsen sind im Keller und es gibt wenig Hoffnung, dass sie in absehbarer Zeit wieder nach oben klettern. Ein paar Lichtblicke gibt es noch: Wer schnell ist, kann sich brauchbar verzinstes Tagesgeld sichern und für Festgeld sind sogar noch echte Top-Konditionen drin.

Wer länger auf sein Geld verzichten kann, sichert sich mit einem Festgeldkonto Zinsen über 1,5 Prozent.
Wer länger auf sein Geld verzichten kann, sichert sich mit einem Festgeldkonto Zinsen über 1,5 Prozent.(Foto: imago stock&people)

Die EZB senkt den Leitzins auf 0,15 Prozent – für Sparer dürften die Zeiten noch härter werden, als sie es ohnehin schon sind. Also alles Geld von der Bank abziehen und verjubeln? Unrealistisch. Naheliegender ist es, sich endlich von unrentablen Tagesgeldkonten oder Sparbüchern zu trennen und die Ersparnisse dort zu lagern, wo es wenigstens noch halbwegs akzeptable Zinsen gibt. Aber wo ist das?

Bei der Hausbank vermutlich nicht: Im Schnitt lägen die Zinsen bei Tagesgeldkonten derzeit bei 0,67 Prozent, berichtet Max Herbst, dessen Finanzberatung FMH Anlageprodukte und Kredite im Blick behält. Viele Sparkassen, aber auch die großen Geldhäuser, zahlen deutlich weniger. Bei der Postbank, der Commerzbank oder der Sparda Hamburg etwa gibt es derzeit nur 0,20 Prozent Zinsen, die Targobank liegt schon seit Ende März auf dem neuen Leitzinsniveau von 0,15 Prozent. Am durchschnittlichen Zins werde sich wohl nicht viel ändern, vermutet Herbst. Bewegung dürfte es aber an der Spitze der Tagesgeldtabelle geben.

Dort dominieren aktuell noch die Angebote der Volkswagen- und der Audibank. Beide versprechen für einen Anlagebetrag bis zu 50.000 Euro einen Zinssatz von 1,40 Prozent. Mehr bietet keiner. Einziges Manko: Der Top-Zins gilt nur vier Monate lang, danach geht es auf 0,6 Prozent runter. Wer kein Problem mit gelegentlichem Tagesgeld-Hopping hat, sollte zugreifen. Mit 20.000 Euro kann man in den ersten vier Monaten immerhin 93,50 Euro verdienen. Lässt man das Geld danach einfach liegen, kommt man nach einem Jahr auf insgesamt knapp 174 Euro Zinsen.

Ohne Garantie bringt manchmal mehr

Die Renault-Bank bietet zwar keine Garantie, dafür ist hier der Zinsverfall nicht vorprogrammiert. Aktuell zahlen die Franzosen 1,30 Prozent, ein Limit gibt es nicht. Wer über 100.000 Euro parken möchte, tut das aber auf eigenes Risiko. Denn die französische Einlagensicherung greift nur bis zu diesem Betrag. Im unwahrscheinlichen Fall, dass der derzeitige Zinssatz in den nächsten zwölf Monaten erhalten bleibt, bringt eine Anlage von 20.000 Euro am Ende über 260 Euro ein. Realistischerweise wird die Bank ihre Zinsen aber früher oder später senken. Zuletzt hatte sie den Satz Ende April heraufgesetzt. Angenommen, nach 30 Tagen fällt der Zins auf 1,10 Prozent und nach fünf weiteren Monaten auf 1,00 Prozent, macht man am Ende rund 224 Euro Gewinn.

Was die Renault-Bank bietet, das gibt es auch bei der MoneYou: 1,30 Prozent Zinsen auf unbestimmte Zeit. Die Tochter der niedlerländischen Abn Amro steht in Tagesgeldvergleichen zwar selten an der Spitze, aber verlässlich weit oben. Die derzeitigen Konditionen gelten schon seit Januar. Bleibt die MoneYou bei ihrer konstanten Zinspolitik, können Sparer hier nicht viel verkehrt machen.

Ein Jahr lang Ruhe haben

Konto eröffnen und nicht mehr drüber nachdenken – wer sich so lange wie möglich gute Konditionen sichern will, kommt um Cortal Consors kaum herum. Anlagesummen bis zu 50.000 Euro verzinst die Bank mit 1,20 Prozent, und das garantiert für zwölf Monate. Danach gibt es nach heutigem Stand der Dinge nur noch 0,8 Prozent. Mit einer 20.000 Euro-Einlage hat man im ersten Jahr fast 245 Euro sicher. Einzige Bedingung für das Angebot: Die Neukunden hatten in den letzten sechs Monaten kein Konto bei der Bank.

Was bei Tagesgeldkonten die Ausnahme ist, nämlich längerfristige Zinsgarantien, gehört bei Festgeldkonten zum Programm. Sparer, die zwölf Monate auf ihr Geld verzichten wollen, finden derzeit noch diverse Angebote mit Zinsen von 1,50 Prozent oder mehr. Am großzügigsten ist aktuell die franzöische Crédit Agricole, die für Anlagebeträge zwischen 5000 und 500.000 Euro 1,65 Prozent Zinsen zahlt. Auch hier sollte man bei Summen über 100.000 Euro wegen der Einlagensicherung vorsichtig sein. Wer größere Beträge parken will, findet in der Ziraat Bank einen Anbieter, der zusätzlich durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken abgesichert ist. Unbegrenzte Anlagesummen werden hier mit 1,40 Prozent verzinst.

Bulgarien lockt mit Spitzenzinsen

Für Zinsen über zwei Prozent muss man sich schon drei Jahre lang an einen Anbieter binden – oder etwas experimentierfreudig sein. Das beste Zinsangebot kommt nämlich nicht von einer Bank, sondern vom Vermittler Weltsparen.de. Die Firma, die seit Ende 2013 auf dem Markt ist, nutzt den Umstand, dass die Festgeldkonditionen im europäischen Ausland oft besser sind als in Deutschland. Viele Banken vertreiben ihre Konten in Deutschland aber gar nicht. Über Weltsparen kommen deutsche Kunden trotzdem an diese Angebote, ohne dafür in das jeweilige Land reisen zu müssen. Im Moment hat Weltsparen das Tagesgeldkonto der bulgarischen Fibank im Programm. Mit 2,5 Prozent Zinsen bei zwölf Monaten Laufzeit ist das Angebot derzeit unschlagbar. Legt man sein Geld drei Jahre lang bei der Fibank fest, winken 3,3 Prozent Zinsen und damit 1,2 Prozent mehr als bei der Konkurrenz.

Geführt wird das Konto in Euro, ein Währungsrisiko gibt es also nicht. Die Absicherung erfolgt auch hier über die staatliche Einlagensicherung. Auf dem Papier ist das Geld bei der Fibank also genauso sicher wie bei einer niederländischen oder französischen Bank. Fraglich ist allerdings, ob der Sicherungsfonds der bulgarischen Banken überhaupt in der Lage ist, im Falle einer Pleite alle Kunden im vorgeschriebenen Maß zu entschädigen. Wenn nicht, müsste am Ende wohl der bulgarische Staat oder die EU mit Krediten einspringen, warnt die Stiftung Warentest. Mehr als die gesetzlich gesicherten 100.000 Euro kann man über Weltsparen aber ohnehin nicht anlegen. Die Mindestanlage beträgt 10.000 Euro.

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Quelle: n-tv.de

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