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Der Rivian sorgte als erster elektrisch angetriebener Pick-up für einiges Aufsehen.
Der Rivian sorgte als erster elektrisch angetriebener Pick-up für einiges Aufsehen.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 29. November 2018

Los Angeles Auto Show 2018: Auf dem Weg in die erste Messe-Liga

Von Michael Gebhardt

Seit vielen Jahren versucht die Los Angeles Auto Show, sich als wichtige Premierenmesse an der US-Westküste zu etablieren. So richtig schafft sie es bislang noch nicht, die großen Neuheiten in die Ausstellungsräume zu locken. Das könnte sich bald ändern.

Die Motor Show in Detroit steht - wieder einmal - vor dem Abstieg in die zweite oder dritte Liga und wenn der für 2020 geplante Terminwechsel vom kalten Januar in den Juni nicht als lebensrettende Maßnahme funktioniert, dürften in der Cobo Hall bald die Lichter ausgehen. Auch die Messe in Chicago hat nur regionale Bedeutung und auch die Show in New York kommt über den Charakter einer Verkaufsveranstaltung örtlicher Händler nicht hinaus. Eine Chance für Los Angeles also, sich zukünftig als amerikanische Leitmesse zu etablieren? Zumindest haben die Hersteller aus USA, Asien und Europa schon dieses Jahr unüblich viel Neues im Gepäck.

Porsche zeigt den neuen Elfer

Porsche präsentiert den neuen 911 Typ 992 in Los Angeles.
Porsche präsentiert den neuen 911 Typ 992 in Los Angeles.(Foto: AP)

Der Preis für die wichtigste Los-Angeles-Neuheit ist schnell vergeben und geht nach Zuffenhausen. Porsche nutzt die letzte Auto Show des Jahres, um die nunmehr achte Generation des 911 Typ 992 vorzustellen. Die bleibt der klassischen Design-DNA freilich treu, zeigt aber mit Details wie elektrisch ausfahrenden Türgriffen schon in Richtung Zukunft. Das gilt auch für die neuen Assistenzsysteme und fürs Cockpit, das zukünftig von einem 10,9-Zoll-Touchscreen-Infotainmentsystem dominiert wird; Schalter und Tasten gibt es kaum mehr. Auch der obligatorische Drehzahlmesser in der Mitte des Kombiinstruments wird von feinen Displays flankiert.

Treu bleibt sich Porsche auch beim Antrieb - zumindest noch. Zwar steht zum Start von Carrera S und 4S ein auf 450 PS erstarkter Sechszylinder-Boxermotor (ab 120.000 Euro) bereit und auch der später folgende Basis-Elfer und die Turbo-Versionen werden zunächst ausschließlich Benzin verbrennen. Doch die Plattform ist inzwischen voll elektrifizierbar und spätestens zur Mitte der Bauzeit dürften die ersten Hybrid-Varianten auf den Markt kommen.

Mercedes antwortet mit GT-Facelift

Mercedes präsentiert in der Cobo Hall einen verschärften GT.
Mercedes präsentiert in der Cobo Hall einen verschärften GT.

Die Antwort der Stuttgarter Nachbarn auf den neuen Porsche 911 folgt auf dem Fuße: Mercedes zeigt in Los Angeles die überarbeitete Version des AMG-Sportlers GT. Optisch fällt der überarbeitete Zweitürer durch eine neue Licht-Signatur und einen schwarzen Hintergrund in den LED-Scheinwerfern und die leicht überarbeitete Heckschürze auf; die Endrohrblenden orientieren sich jetzt am kürzlich vorgestellten 4-Tür-Coupé, von dem der "normale" GT jetzt auch das Cockpit mit neuem Lenkrad, 12,3-Zoll-Digitalinstrument und farbigen Display-Tasten auf der Mittelkonsole übernimmt. Auch die Fahrwerksregelung AMG Dynamics hält mit dem Facelift Einzug.

Als Einführungs-Modell schickt Mercedes den überarbeiteten GT in der limitierten Edition AMG GT R Pro auf die Straße, der sich stark an den GT3- und GT4-Rennautos orientiert und näher als jedes andere Serienfahrzeug am Rennsport dran sein soll. Außerhalb Chinas, Kanadas und den USA wird der GT R Pro serienmäßig mit Überrollkäfig, 4-Punkt-Gurten und Feuerlöscher ausgeliefert; ausgeglichen wird das Mehrgewicht durch Carbonteile und neue Schmiederäder. Antriebsseitig bleibt es allerdings bei den vom R-Modell bereits bekannten 585 PS und 700 Newtonmeter Drehmoment und auch die Vmax bleibt mit 318 km/h identisch.

Seriennahe Audi-Studie

In einem scharf geknifften Blechkleid zeigt Audi die Studie des E-Tron GT.
In einem scharf geknifften Blechkleid zeigt Audi die Studie des E-Tron GT.

Vom benzinschlürfenden Hochleistungs-Motor hat sich Audi scheinbar erstmal verabschiedet, auch der diesjährige LA-Auftritt steht im Zeichen der Elektro-Offensive. Während das SUV E-Tron in den kommenden Monaten auf die Straße kommt und für nächstes Jahr schon der E-Tron Sportback in den Startlöchern steht, zeigt die Studie E-Tron GT, wie die Reise weitergeht. Zum einen technisch, weil er anders als die beiden ersten E-Trons schon die neue, mit Porsche entwickelte Flachboden-Elektro-Plattform nutzt, die die Zuffenhausener auch für den Taycan verwenden. Aktuell spricht Audi von 590 PS Systemleistung, elektrischem Allradantrieb, 3,5 Sekunden von 0 auf 100 und einer Reichweite von 400 WLTP-Kilometern. Zum Vergleich: Der Taycan soll über eine elektrische Reichweite von 500 Kilometern verfügen und 600 PS leisten.

Aber auch optisch gibt Chef-Designer Marc Lichte mit dem GT die Audi-Marschrichtung vor: Auf den ersten Blick sieht das filigrane, fünf Meter lange Viertür-Coupé wie ein klassisches Showcar aus und der Namenszusatz Concept lässt daran auch keine Zweifel aufkommen. Allerdings ist aus Ingolstadt schon zu hören: Der GT geht in Serie und zwar optisch nahezu unverändert. Ende 2020 soll es so weit sein

Luxus-Cabrio und Mega-SUV bei BMW

Dem schon bekannten Stoffdach-8er hat BMW eine Plattform in LA gegeben.
Dem schon bekannten Stoffdach-8er hat BMW eine Plattform in LA gegeben.

Relativ zurückhaltend zeigt sich BMW an der Westküste. Die Münchner gönnen dem schon bekannten Stoffdach-8er die Messepremiere und zeigen noch einmal das Luxus SUV X7; beide dürften (nicht nur) in Kalifornien richtige Verkaufsschlager werden. Vor allem der 530 PS starke M 850i dürfte es den US-Amerikanern antun. Zumindest denen, die nicht auf das über 600 PS starke M8-Modell warten wollen. Mit dem X7 dagegen will BMW ganz klar Range Rover, Bentley Bentayga und Mercedes GLS in die Parade fahren.

Mit Luxus-Cabrios und Mega-SUV - und dem Top-Modell der 3er-Baureihe, dem 374 PS starken M340i xDrive, der hier seine Premiere feiert und im Juli 2019 auf den Markt kommt - hält BMW an den Relikten einer langsam aussterbenden Fahrzeuggattung fest. Dass die Münchner auch an der automobilen Zukunft arbeiten, zeigen sie dagegen mit dem Concept-Car Vision iNext. Die vollautonome und komplett vernetzte Studie mit Hasenzahn-Kühlergrill soll Ende 2020 an den Start gehen - dann hoffentlich mit einer schöneren Niere im Gesicht.

Keine Neuheit, keine Autos

VW zelebriert die letzte Messe für den Beetle in Los Angeles.
VW zelebriert die letzte Messe für den Beetle in Los Angeles.

Nichts wirklich Neues ist von VW zu hören. Zwar schicken die Wolfsburger in den USA ein exklusives Sondermodell des Beetles ins Rennen, das allerdings läutet als Final Edition nur das Ende des Käfer-Nachfolgers ein. Der knuffige Kompakte verkauft sich nicht und wird vorerst eingestellt - bis ihn vielleicht eines Tages ein elektrifizierter Nachfolger beerbt. Während VW auf der Messe immerhin noch seine aktuelle Modellpalette auffährt, verzichtet Volvo komplett auf Fahrzeuge.

Ein riesiger Stand ohne Autos soll Medienvertreter und Publikum anlocken. Dieses Konzept gab es so noch nicht: Im Mittelpunkt steht der neue Mietdienst 'Care by Volvo'. Mehr noch als beim typischen Fahrzeug-Leasing kümmert sich Volvo bei seinen Langzeit-Mietautos um alles, von der Versicherung bis zur Inspektion. Und anders als bei uns, wo man noch selbst zur Tankstelle fahren muss, kann man in den USA sogar den Tankwagen direkt nach Hause bestellen.

Pick-up und Super-Cabrio aus Amerika

Der erste Pick-up von Jeep hört auf den Namen Gladiator.
Der erste Pick-up von Jeep hört auf den Namen Gladiator.

Kein Auto zu zeigen, das käme für Jeep nicht infrage: Die amerikanische Fiat-Tochter und derzeitige Cash Cow im italienischen Marken-Portfolio setzt auf Lifestyle und präsentiert den Gladiator. Die Pickup-Version des Wranglers soll gegen Mercedes X-Klasse und Ford Ranger antreten und wird in den USA bereits im zweiten Quartal 2019 auf den Markt kommen. Für Europa ist ein Start Mitte 2020 avisiert.

Frischluft gibt es aber nicht nur auf der Ladefläche des Jeep, sondern auch in der Corvette ZR1. Erstmals seit 1970 schicken die Amerikaner die Power-Version des Sportwagen-Klassikers auch wieder als Cabrio ins Rennen. Die ist mit nur 4000 Dollar Aufpreis auf den ZR1-Coupé-Tarif (ab 120.000 Dollar) ein richtiges Schnäppchen und sorgt mit 765 PS aus einem 6,2-Liter-V8-Kompressor garantiert für die passende Sturmfrisur. Auf Tempo 100 geht es in unter drei Sekunden.

Mazda legt in der Kompakt-Klasse nach

Skulptural präsentiert sich der neue Mazda3 in Los Angeles.
Skulptural präsentiert sich der neue Mazda3 in Los Angeles.

Deutlich bescheidener zeigen sich die Asiaten, Mazda beispielsweise hat in die Stadt der Engel den überarbeiteten Mazda3 mitgebracht. Der kompakte Golfgegner mit straffem Blechkleid wird schon bald auch den deutschen Markt als Fünftürer und Limousine bereichern. Unter der Motorhaube arbeitet der neue Zwei-Liter-Skyactive-X genannte Motor, ein Ottomotor mit Kompressionszündung, der die Vorteile von Diesel- und Benzinmotoren verbindet. Unterstützung erhält der Antrieb von einem Mildhybrid-System, wie auch der gleichgroße Normal-Benziner. An der Selbstzünderfront wird das Angebot mit einem 1,8-Liter-Diesel abgerundet.

Sehen lassen kann sich auch der Innenraum: Neue Sitze, ein 8,8-Zoll großes Infotainment-System und ein Head-up-Display machen den Auftritt des Kompakten in Los Angeles perfekt. Spannend: Infrarot- und LED-Technik haben den Mazda3-Fahrer ständig im Blick und erkennen Müdigkeit, indem sie Körperhaltung und Augenlider überwachen. Neu im Angebot sind außerdem der Front Cross Traffic Alert und ein adaptiver Tempomat mit Staupilot. Preise und weitere technische Daten gibt Mazda noch nicht bekannt.

Kia setzt in Deutschland auf Strom

Ob der neue Kia Soul jetzt schöner ist, muss der Betrachter für sich entscheiden.
Ob der neue Kia Soul jetzt schöner ist, muss der Betrachter für sich entscheiden.

Ebenfalls noch unbekannt sind die Preise für den neuen, dritten Soul, den Kia mit über den großen Teich gebracht hat. Der typisch kastige Crossover strahlt neongelb über die Messe und wird 2019 auch zu uns nach Deutschland kommen - und nur noch als reines Elektrofahrzeug erhältlich sein; aktuell startet der E-Soul der zweiten Generation bei rund 30.000 Euro. Für den Antrieb sorgt ein 150 kW starker Motor, der Strom kommt aus einem 64-kWh-Akku und soll für über 400 Kilometer reichen. In anderen Märkte wird der Koreaner aber weiterhin auch mit klassischen Verbrennern vertrieben.

Auch andere Hersteller setzen in Los Angeles auf Elektro-Unterstützung: Das in den USA als Crosstrek verkaufte Subaru-SUV ist bei uns als XV erhältlich und debütiert in Los Angeles mit Plug-in-Antrieb. Ob der seinen Weg auch nach Europa finden wird, ist noch offen, aber nicht unwahrscheinlich.

Das gilt auch für die Schwergewicht-Stromer von Rivian, einem 2009 gegründeten US-Autobauer: Das siebensitzige SUV R1S und der Pick-up R1T im robusten Design werden von je vier E-Motoren mit 147 kW angetrieben, die Systemleistung liegt je nach Batteriegröße zwischen 300 und 522 kW. Der Akku ist mit 105, 135 und 180 kWh erhältlich, geladen wird mit bis zu 160 kW. An den Start gehen sollen die Stromer Ende 2020 zu Preisen ab 65.000 Dollar, reserviert werden können sie schon jetzt mit einer Anzahlung von 1000 Dollar.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de