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Alleskönner am Haken Caravans mit neuer Leichtigkeit

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Der Sterckeman Alizé Evasion bietet seinen Bewohnern den Standard eines Teilintegrierten Wohnmobils.

Caravans erfreuen sich zunehmend größerer Beliebtheit. Als preiswerte Alternative zu Wohnmobilen bieten sie inzwischen auf Wunsch alles was die haben und geben sich an vielen Punkten sogar flexibler. Mit einer neuen Leichtigkeit sollen auch junge Menschen angesprochen werden.

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Dethleffs Coco ist mit 638 Kilogramm ein echtes Leichtgewicht.

Nein, Sorgenkinder sind sie nicht mehr. Die Wohnwagen-Sparte der Caravaning-Branche, die jahrzehntelang vor sich hindümpelte und meist den Rückwärtsgang eingelegt hatte, ist wieder auf den Wachstumskurs eingeschert, der in der jüngsten Vergangenheit so ziemlich alles befeuert, was mit Camping zu tun hat. Der Caravan-Hype bewegt sich zwar nicht auf dem extrem hohen Niveau der Reisemobil-Kollegen, aber im Saison-Vergleich zum Vorjahr liegt der Zugewinn immerhin bei beachtlichen 9,2 Prozent und die 17.391 Wohnwagen, die in diesem Jahr bis Juli neu zugelassen wurden, bedeuten gar eine Steigerung um 13,2 Prozent.

Die Erkenntnis, dass sich auch viele Neueinsteiger mit dem rollenden Eigenheim am Haken auf die Urlaubsfahrt begeben, nährt bei den Herstellern die Hoffnung auf nachhaltigen Erfolg. Sofern es gelingt, eine jüngere Klientel als Stammkundschaft zu gewinnen. Kein Wunder also, dass man bei den Wohnwagen-Neuheiten des Düsseldorfer Caravan-Salons neben dem üblichen Wettbewerb um den besten Grundriss und das attraktivste Angebot in dem preissensiblen Segment endlich ein paar völlig neue, zukunftsweisende Konzepte entdeckt.

"Coco" als Fliegengewicht

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Der Innenraum des Coco präsentiert sich im Stile eines Lofts.

Herausragende Positionen besetzen hier die Marken Knaus und Dethleffs. Und deren Zukunftscredo heißt Leichtbau, wenn auch mit unterschiedlichen Konstruktionen. Das Allgäuer Unternehmen Dethleffs, das sich selbst als "Erfinder des Wohnwagens" bezeichnet, hat mit dem "Coco" einen echten Hingucker in den Fokus gerückt. Ein Design-Schmuckstück, das bei 4,25 Meter Aufbaulänge und 2,15 Meter Breite dank der Ultraleichtbauweise nur 638 Kilogramm wiegt und zudem durch sein Sonnensegel auffällt. Mit dieser Dethleffs-Eigenentwicklung, die aufgrund der gerundeten Ecken um das Heck des Caravans herumgezogen werden kann, entsteht eine Terrasse von 25 Quadratmetern Grundfläche mit einem schattenspendenden Dach.

Die kolossale Gewichtsreduzierung wird beim Coco durch neue Materialien erreicht, die wesentlich leichter sind, die Steifigkeit des Aufbaus aber dennoch erhöhen. Einen wichtigen Beitrag leistet auch der sehr luftige Innenraum im Loft-Stil, weil hier nahezu alle Komponenten multifunktional sind. So gibt es keine fest installierten Betten, sondern nur eine großzügige Heck-Lounge, die sich mittels eines Truhenauszugs und den Seitenpolstern schnell in eine Liegewiese von 2,05 x 1,60 Meter umbauen lässt. Eine kleine Snackecke mit Bistro-Tisch für das kurze morgendliche Frühstück oder die kleine Mahlzeit zwischendurch kann ebenso als Arbeitsfläche für die Küche genutzt werden oder gar ganz entfernt werden.

"Coco"-Chanel

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Im Knaus Deseo lassen sich bei lediglich 4,02 Meter Länge zusätzlich zwei Motorräder oder ein Quad verstauen.

Ein dreiteiliges "Skyroof", das sich vom Bug bis zum Heck durchzieht, sorgt für ein helles Innenraumambiente und in der Nacht vom Bett aus für einen freien Blick in den Sternenhimmel. Zum Kinosaal umfunktioniert wird die Heck-Lounge, wenn der eingebaute Beamer den Wunschfilm oder das TV-Programm auf die herausziehbare Leinwand projiziert, die den Flachbildschirm ersetzt.

Außen Coco, innen Chanel – das würde es schon ziemlich genau treffen, doch hat der Name des Caravans nichts mit der französischen Modedesignerin zu tun. Er ist vielmehr aus dem englischen Begriffen cocoon (zu Deutsch: Kokon, Hülle) und comely (anmutig, schön) abgeleitet. Die neue Dethleffs-Leichtigkeit ist allerdings noch eine Studie. Marketingchef Helge Vester verspricht die Serienausführung aber für das kommende Frühjahr.

"Für uns ist "Coco" der Caravan der nächsten Generation", sagt der Dethleffs-Mann. Leichtbau würde immer wichtiger werden, damit auch junge Familien mit kompakteren, kleineren Zugfahrzeugen auf Reisen gehen können. "Und noch weitergedacht, soll Caravaning ja auch im Zeitalter der Elektromobilität möglich sein", erklärt Vester. Preise werden noch nicht genannt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der Einstiegspreis zwischen 17.000 und 18.000 Euro liegen wird.

Deseo profitiert von Leichtbau-Konzept

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Im Innenraum setzt der Knaus Deseo auf eine flexible Wohnwelt.

Noch revolutionärer ist freilich das Leichtbau-Konzept von Knaus, da es sich um eine völlig neue Fertigungsmethode handelt: "Fibre Frame" heißt das Zauberwort, ein hochfester Glasfaserrahmen, der für einen verwindungssteifen, selbsttragenden Aufbau sorgt und zudem kompromisslosen Ultraleichtbau bei erhöhter Crashsicherheit erlaubt. Die Kernmarke des Knaus-Tabbert-Konzerns hat diese Technik bereits im vergangenen Jahr mit dem 750 Kilogramm leichten Travelino zu Preisen ab 18.500 Euro eingeführt.

In Düsseldorf feiert mit dem neuen Deseo bereits der zweite Vertreter der Fibre-Frame-Generation sein Debüt, der die neue Leichtigkeit des Seins zu einem wohnlichen Caravan mit ungeahnten Transport-Möglichkeiten nutzt. Denn bei einer Aufbaulänge von 4,02 Metern lassen sich im Innenraum zwei Motorräder oder sogar ein leibhaftiges Quad unterbringen. Nur die Glasfaserrahmen-Technologie ermöglicht es, dass praktisch die komplette Rückfront nach oben geklappt werden kann. Wegen der hohen Zuladungsgewichte rollt der kompakte Wohnwagen auch auf zwei Achsen.

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Auch im Mini Silver kann ein Motorrad transportiert werden.

Wie der "Coco" setzt der Knaus Deseo im Innenraum auf eine flexible Wohnwelt und zielt mit seinem variablen Wohn- und Transportkonzept auf eine neue Klientel ab: Outdoor-Aktivisten, Motorsportler und aktive Camper – Leute, die sich bisher kaum mit der Caravan-Szene beschäftigt haben. Die Preisskala für den neuen Deseo beginnt bei knapp 20.000 Euro.

Und sonst so?

Mit herkömmlichen Mitteln wagt sich der französische Trigano-Konzern an eine ähnliche Konzeption: Der Mini Silver 270 hat zumindest eine große Hecktür, durch die man auch ein Motorrad in den Innenraum schieben kann, wiegt sogar nur 600 Kilogramm, hat allerdings auch nur einen 2,70 Meter langen Aufbau. Der ungewöhnliche Caravan-Mini, der erst mit einem ausgefahrenen Hubdach auf Stehhöhe kommt, wird für 12.450 Euro angeboten.

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Im Hobby 515 UHK finden können bis zu acht Personen schlafen.

Leicht und stylisch preist auch Adria seinen neuen Kompakt-Caravan Action an. Bei drei Aufbaulängen und Grundrissen für zwei, drei und vier Personen reden wir aber schon von Leergewichten jenseits einer Tonne. Old School eben, wenn man mal von dem ungewöhnlich geschwungenen Heck absieht, in dem die Küche und ein Badezimmer mit Klappwaschbecken und Dusche untergebracht sind. Preise: ab 16.000 Euro.

Vom Marktführer Hobby gibt es in diesem Jahr wenig Innovatives im Caravan-Bereich. Immerhin haben aber auch die Jubilare aus Fockbek (50 Jahre Hobbywerke) eine Neuheit zu bieten. In der De-Luxe-Baureihe bauen sie beim 515 UHK erstmals in der Unternehmensgeschichte ein Hubbett ein, so dass maximal bis zu acht Schlafplätze möglich sind. In der All-inclusive-Ausstattung kostet der Familien-Wohnwagen mit 6,39 Meter Aufbaulänge 21.780 Euro.

Aus der schier unüberschaubaren Vielfalt an neuen Grundriss-Modellen ragt ansonsten nur noch der Sterckeman Alizé Evasion heraus, den die Franzosen für Kunden, die den Caravan gern auch als autarken Reisebegleiter nutzen, mit Bordbatterie, Frisch- und Abwassertank sowie WC-Raum und separater Duschkabine an den Start schicken. Mit Rundsitzgruppe im Bug und 1,50 Meter breitem Queensize-Bett im Heck müssen hier allerdings schon 26.000 Euro berappt werden.

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

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