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Einmal saugen bitte! Cayman GT4/Spyder - die glorreichen Sechs

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Endlich wieder ein Sechszylinder-Saugmotor. Der Porsche 718 Cayman GT4 wird aber nicht nur dadurch begehrenswert.

(Foto: Rossen Gargolov)

Beim Cayman GT4 spricht Porsche vom Einstieg in die GT-Welt. Ein Einstieg, der verzücken kann. Denn mit dem Sechszylinder-Saugmotor haben die Zuffenhausener ein Spitzentriebwerk in GT4 und Spyder gezaubert. n-tv.de durfte das bereits erfahren.

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Der Cayman GT4 wurde in allen Details für die Rennstrecke optimiert.

(Foto: Rossen Gargolov)

Klar hat Porsche auch mit den aufgeladenen Turbo-Vierzylindern in seinen 718 Modellen für ordentlichen Druck gesorgt. Cayman und Cayman T fahren mit 300 PS, Cayman S hat 350 Pferde unter der Haube und der Cayman GTS erfreut gar mit 365 PS. Also auch bei den Vierendern steht ordentlich was auf der Koppel. Doch jetzt hat man in Zuffenhausen die Tore der Stallungen noch ein Stück weiter geöffnet und nach all dem Ach und Weh wieder einen saugenden Sechszylinder-Boxer in den Mittelmotorsportler gepflanzt. Genau genommen in den Cayman GT4 und den Spyder. Aus vier Litern Hubraum schöpft der auf der gleichen Motorenfamilie wie die Turbo-Triebwerke basierende Saugmotor 420 PS und generiert ein maximales Drehmoment von 420 Newtonmetern.

Aber die pure Leistung ist ja am Ende gar nicht das, was einen Sechszylinder-Saugmotor auszeichnet. Schon beim Starten des Triebwerks trennt sich die Spreu vom Weizen. Statt sein Lied in den oberen Frequenzen zu singen, geht es eine Terz tiefer. Das heißt nach einem kurzen Aufbäumen grollt es tief, ganz tief aus dem Unterleib. Und das bleibt auch so, wenn über den Gangwahlhebel die Kraft über sechs Stufen an die Hinterräder weitergereicht wird. Aber nicht nur hier ist der Pilot Dirigent, denn mit einem Knopfdruck in der Mittelkonsole wird aus dem Kammer- ein Symphonie-Orchester, das nicht nur mit Geige und Cello, sondern mit Kesselpauken und Trompeten zum Sturm ruft. Je nach persönlichem Wunsch kann das mit dem GT4, einem direkten Verwandten der Clubsport-Renner, auf dem Rundkurs geschehen oder mit dem Spyder bei freudvoller Fahrt auf kurvenreichen Landstraßen.

Immer genug Druck

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Es gibt sicher stärkere Vertreter in seiner Zunft. Aber kaum einer fährt mit einem saugenden Sechszylinder und ist so agil wie der Cayman GT4.

(Foto: Rossen Gargolov)

Wer mit dem GT4 die Piste entert, wird also nicht nur von der präzisen Lenkung und der Agilität begeistert sein, sondern vor allem von der spontanen Kraftentfaltung. Kein Turboloch stört den Vorwärtsdrang, jeder Befehl, den der Pilot über das Gaspedal an das Aggregat gibt, wird postwendend umgesetzt. Und weil es sich hier um einen Saugmotor handelt, kann er ausgedreht werden. Erst bei 8000 Kurbelwellenumdrehungen geht es in den Begrenzer. Dabei stehen die 420 Newtonmeter bereits zwischen 5000 und 6800 Umdrehungen zur Verfügung und die 420 Pferde laufen komplett, wenn die Nadel des Drehzahlmessers die 7600 erreicht. So angetrieben, feuert der GT4 in 4,4 Sekunden auf Landstraßentempo und wird bei anhaltendem Druck auf den Pin 304 km/h schnell. Was auf dem Track allerdings auffällt, sind die lang übersetzten Gänge. Wer auf der Hatz nach Rundenzeiten ist, würde sich hier noch etwas mehr Zack wünschen. Obgleich Porsche mit einer Rundenzeit von 7:28 Minuten auf dem Nürburgring ja schon unter Beweis gestellt hat, dass der GT4 vier Sekunden schneller ist als 2004 der Carrera GT.

Die langen Wege haben aber auch ihren Vorteil: Der Spyder lässt sich so erfahren auf der Landstraße unglaublich schaltfaul durch die Kehren schieben. Dabei ist jederzeit genug Druck da, um Traktoren, Lkw oder Schnarchnasen hinter sich zu lassen, ohne pausenlos mit dem Quirl rühren zu müssen, um das Gang-Menü anzurichten. Apropos, natürlich wird Porsche in absehbarer Zeit für Spyder und GT4 auch ein PDK, also ein Automatikgetriebe anbieten. Aber welcher echte Racer will auf dem Rundkurs schon einen Automaten? Hier macht sich dann auch die "Auto Blip-Taste" bezahlt. Ebenfalls in der Mittelkonsole sorgt sie für das Zwischengas, das die Drehzahlen oben hält, damit nach dem Runterschalten vor der Kurve am Kurvenausgang genug Drehmoment vorhanden ist. So sollte beim Lauf um den Rundenrekord kein Zehntel liegen bleiben.

Reichlich Abtrieb

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Porsche hat Spyder und GT4 ausreichend Alltagstauglichkeit mit auf den Weg gegeben.

(Foto: Daniel Wollstein)

Aber Achtung! Trotz seiner verstärkten Leichtbau-Hinterachse aus dem GT3-Baukasten und einem ausgeklügelten Aerodynamikkonzept, das 50 Prozent mehr Abtrieb generiert, kann der GT4 in der Kurve an der Hinterachse sehr leicht werden. Hier gilt es, die Antriebsräder unter Druck zu halten. Auf der Geraden sorgt der feststehende Heckflügel mit seinen integrierten Winglets für mehr Abtrieb. Rein rechnerisch drücken bei Höchsttempo zusätzlich 122 Kilogramm auf das Heck. Zudem sorgt der Diffusor bei beiden Modellen für 50 Prozent des Hinterachsabtriebs. Wie das? Die Abgasanlage bildet im Heckbereich einen ansteigenden Kanal. Dadurch wird die dem verkleideten Unterboden zugeführte Luft stark beschleunigt. Es entsteht ein Unterdruck, der das Fahrzeug förmlich an den Asphalt saugt. Zudem haben die Ingenieure dem Spyder einen Heckspoiler verpasst, der bei Tempo 120 automatisch ausfährt und ebenfalls den Anpressdruck erhöhen soll. Ein Feature, das es bei einem Boxster so noch nie in Serie gab.

Abseits des schnellen Laufs und der Möglichkeit, das ESP komplett zu deaktivieren, was wirklich nur Profis empfohlen werden kann, und einem PASM-Sportfahrwerk hat Porsche den beiden Sechsendern ein gerütteltes Maß an Alltagstauglichkeit gelassen. Während der Sportmodus maximale Kurvengeschwindigkeiten bei entsprechender Härte garantiert, ist die Grundeinstellung zwar nichts für Weicheier, haut aber bei Schlaglöchern und Querfugen auch nicht so rein, dass das Steißbein sich unterhalb der ersten drei Wirbel platziert.

Wenn der Sechser zum Dreier wird

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Der Arbeitsplatz im 718: puristisch und mit dem einen oder anderen Knopf zu viel.

(Foto: Daniel Wollstein)

Auch beim Verbrauch hat Porsche an die Alltagstauglichkeit gedacht. Zur Reduzierung der Abgasemissionen und des Verbrauchs wurde dem Sechszylinder eine adaptive Zylindersteuerung verpasst. Im Drehzahlbereich zwischen 1600 und 3000 wird eine Zylinderbank von der Arbeit befreit, so dass GT4 und Spyder nur noch als Dreizylinder unterwegs sind. Nein, das ist nicht spürbar. Ja, das Klangbild verändert sich. Dafür wird bei konstanter Belastung die Zylinderbank alle 20 Sekunden gewechselt. Damit wird eine gleichmäßige Belastung und Durchströmung der Katalysatoren sichergestellt.

Auf diesem Weg wird also nicht nur die CO2-Emission um 11 Gramm pro Kilometer auf 249 Gramm gesenkt, sondern auch der Verbrauch. Und noch was: Porsche hat dem GT4 und dem Spyder auch gleich noch einen Otto-Partikelfilter an die Sportabgasanlage geheftet. Während der Umweltfreund an dieser Stelle also freundlich lächeln darf, wird er über den Verbrauch nicht sonderlich begeistert sein: Auf der Testfahrt über Land genehmigte sich der Spyder ordentliche 12 Liter. Für den kombinierten Verbrauch vermerkt Porsche im Datenblatt 10,9 Liter. Zugegeben, dass mag sich nach viel anhören, aber ein turbobeatmeter Vierzylinder mit ähnlichen Leistungsdaten zieht bei entsprechender Gangart nicht weniger Benzin durch die Schläuche.

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Der Porsche 718 Spyder, ein Spaßgerät vor allem für die Landstraße.

(Foto: Daniel Wollstein)

Am Ende bleibt es dabei: Wer bei einem Auto Leistung will, wird diese, egal ob Verbrenner oder E-Auto, mit einem erhöhten Verbrauch bezahlen müssen. Apropos bezahlen. Natürlich haben der Cayman GT4 und der Spyder ihren Preis. Mit 96.206 Euro kratzt der GT4 schon mal ganz zart an der 100.000-Euro-Marke. Den Spyder gibt es ab 93.350 Euro. Auch das ist kein Schnäppchen. Dennoch scheint es genug Menschen zu geben, die diese Summen bezahlen, denn für 2019 sind die Auftragsbücher geschlossen. Wer also einen der beiden Sechszylinder sein Eigen nennen möchte, muss jetzt bestellen und sich dann bis zum kommenden Jahr gedulden. Aber eins ist versprochen: Das Warten lohnt sich! Nicht nur, dass Autos mit Saugmotoren rar geworden sind, es gibt auch kaum welche, die sich so fahren lassen.

Quelle: n-tv.de

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