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Mit dem i3 in ein anderes Auto-Zeitalter Das neue Glaubensbekenntnis von BMW

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Mit dem i3 ändert sich bei BMW einiges. Aber ganz besonders die Philosophie gegenüber Verbrennungsmotoren.

Ungetarnt und offensiv präsentiert BMW jetzt erstmals sein Elektroauto i3 der Öffentlichkeit. Bei der Weltpremiere, zeitgleich in drei Megacitys, beschwören die Bayern den Abschied vom Verbrennungszeitalter. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn noch müssen die Münchner gegen drei Vorteile der alten Stinker anfahren.

Drei Metropolen, die dem Autofahrer eigentlich jede Freude am Fahren austreiben: London, Peking, New York. Stundenlanges Stop-and-Go auf dem Weg zur Arbeit gehört für die Pendler aus den Vorstädten hier zum Alltag. Zwanzig, dreißig Kilometer können hier verdammt lang werden. Und teuer. Genau darum zelebriert BMW die Weltpremiere seines Elektroautos i3 zeitgleich in diesen drei Großstädten. Denn hier soll der Stadtwagen seine Stärken ausspielen - und den Kunden den Glauben an die Vorzüge der Mobilität ohne fossile Brennstoffe einimpfen. BMW-Chef Norbert Reithofer gibt sich da als Prophet des neuen Auto-Zeitalters alle Mühe.

Investitionen und Erfolgsdruck

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90.000 Interessenten soll es schon für eine Probefahrt mit dem i3 geben.

Schließlich weiß der Mann, dass das Wohl und Wehe des i3 wesentlich auch den Erfolg des gesamten Unternehmens bestimmen. Immerhin hat der Konzern viele hundert Millionen Euro in die Entwicklung der eigenen Elektromotoren, Carbonfaser-Produktion und den entsprechenden Umbau der Fertigungen in Leipzig, Wackersdorf und Dingolfing investiert. "Herausgekommen ist eine Revolution für die Industrie – und ein echtes Funcar für den Kunden" - nicht weniger verspricht der Konzernchef und betont, dass sich bereits 90.000 Interessenten für eine Probefahrt angemeldet hätten.

Optisch setzt sich das erste Modell der neuen Submarke deutlich von allen anderen BMW- und Mini-Produkten ab. Stets zweifarbig wird es den vier Meter kurzen i3 ab November geben. Fronthaube und Fensterbereich sind dabei in schwarz gehalten, Dach und untere Hälfte in der gewählten Wagenfarbe. Die B-Säule schwingt mit der hinteren Tür auf und nachts ist BMWs Elektro-Revoluzzer an blau leuchtenden Elementen rund um die Niere an der Front, den Einstiegsleisten und den Logos vorn und hinten schon von weitem zu erkennen. Die mächtigen 19-Zoll-Räder geben dem Wagen ein Alleinstellungsmerkmal, wie Chefdesigner Benoit Jacob sagt: "Wir Gestalter können es gar nicht groß genug haben." Allerdings sind die mit 155er Reifen bemäntelt, was sie wiederum zu Energiesparern macht. Und darum geht es schließlich beim i3, um Effizienz.

Anfahren gegen drei Vorteile

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Wie ein rollendes Smartphone gibt sich der i3 im Innenraum.

Doch noch haben die konventionell angetriebenen Konkurrenten drei gewaltige Vorzüge: 1. Ein Auto vergleichbarer Größe gibt es für rund ein Drittel des i3-Basispreises von 34.950 Euro – gut ausgestattet und mit einem sparsamen Downsizing-Benziner. 2. Mit solch einer Sparbüchse kann der Käufer locker 500 Kilometer fahren – und an jeder dritten Ecke bei Bedarf nachtanken. Und das – 3. in fünf Minuten.
 
Im i3 kostet das Aufladen der Lithium-Ionen-Akkus zwar nur einen Fünfer – dauert aber an der Haushaltssteckdose bis zu acht Stunden. BMW startet deshalb mit dem i3 auch viele neue Geschäfte, die bisher nicht zur Kerntätigkeit gehören. Das wichtigste Ziel dabei: dem potenziellen Kunden Ängste nehmen. Vor allem davor, mit dem Elektroauto liegen zu bleiben, wenn die Energie ausgeht. Das kann bereits nach 120 Kilometern geschehen, wenn der Kunde mit allem Klima-Komfort, BMW-typischer Sportlichkeit und ohne aufpreispflichtigem Range-Extender-Benzinmotor unterwegs ist. Auf Wunsch können  sich Käufer den Wagen aber mit einem zusätzlichen Benzinmotor zu  einem Hybridauto aufrüsten lassen, so dass sich die bis auf  300 Kilometer verlängert. Diese Option kostet dann aber 5000 Euro zusätzlich.

Investition in die Zukunft

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Der i3 ist eine Investition in die Zukunft. Offen ist, ob sie sich amortisiert.

Im Augenblick investieren die Bayern aber massiv in Ladesäulen in den Großstädten der wichtigsten Länder für das neue Weltauto – und beteiligen sich an Netzwerken solcher Anbieter. Jeder i3-Fahrer wird in einem Infodisplay stets über die nächste Station auf dem Laufenden gehalten. Denn sein Fahrzeug ist dank einer eingebauten Mobilfunk-Karte immer online. Dieser Service ist wie der eingebaute Notruf e-call Standardausstattung. Überhaupt kommt der i3 dem Charakter "smartphone auf Rädern" so nah wie kein zweites Auto. Denn der Fahrer kann mit einer Vielzahl von Apps sein Auto ähnlich wie ein modernes Handy aufrüsten.

Dadurch eröffnet BMW den i3-Kunden Zugang zu einem Mobilitätspaket. "Das wünschen sich Kunden in den Großstädten", so Reithofer. Der nächste Parkplatz, die nächste Bushaltestelle, die nächste Ladestation, der nächste Autoverleih – alles im Navi (gegen Aufpreis) und auf der passenden Handy-App (gratis), alles mit Partnern aus verschiedenen verkehrsnahen Branchen vereinbart.

Aus den Fehlern der Anderen gelernt

Vor mehr als einem Jahrzehnt hatte Smart so eine Art integriertes Mobilitätskonzept schon einmal versprochen – und große Schwierigkeiten mit der Umsetzung. BMW startet deshalb einige Services auf eigene Faust und verhandelt darüber hinaus eifrig mit Verkehrsbetrieben rund um die Welt. Etwa, damit der Fahrer zu Hause das Ziel auswählen kann, mit dem i3 bis zum passenden Park-and-Ride-Platz gelotst wird, wo schon ein Stellplatz an der Ladesäule reserviert ist. Dann geht's mit dem online bereits bezahlten U-Bahn-Ticket zum City-Ziel. BMW glaubt fest an die Zukunft solch "intermodaler Mobilität".

Beim ganz normalen BMW-Händler wird der Kunde den BMW der Zukunft übrigens nicht kaufen können. Die Münchener haben erst einmal die Vertriebspartner herausgefiltert, die mehr als 100.000 Euro für Präsentation, Wartung und Vermarktung aufbringen sollen. Ein paar Dutzend werden es etwa in Deutschland sein, meist werkseigene Niederlassungen. Denn das Fahrzeug ist natürlich sehr erklärungsbedürftig. Zudem sind Werkstoffe wie die Karosse aus Carbon eben nicht von jedem Händler zu reparieren. Auch ein Prophet des neuen Autozeitalters bleibt eben erst einmal: ein Auto.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x