Auto

Trends und Trendwende auf der IAA Die Autos von morgen fahren allein

"i3" ruft BMW laut und versucht damit, der Elektromobilität endlich den entscheidenden Kick zu geben. Mercedes präsentiert dagegen schon die Zukunft: Der S 500 fährt vollkommen autonom.

13C857_11.jpg

"Intelligent Drive" ist keine Zauberei: Mercedes zeigt den S 500.

(Foto: Mercedes)

Die 65. Internationale Autoausstellung will an den Grundfesten der automobilen Fortbewegung rütteln. Zum einen stellt sie das autonome Fahren in den Vordergrund, zum anderen bringt sie erneut die Elektromobilität ins Spiel. Bei Erstgenanntem spielen sich die Stuttgarter wieder in den Vordergrund. Noch bevor die IAA gestartet ist, lassen sie ein Versuchsauto in Form eines S 500 die Strecke zwischen Mannheim und Pforzheim bewältigen. Eben jenen 103 Kilometern, die schon Bertha Benz im Jahr 1888 zurückgelegt hat. Diesmal aber muss das Flaggschiff aus Stuttgart weder an der Apotheke halten, um Sprit nachzutanken, noch muss es durch den Fahrer pilotiert werden. Völlig autonom zieht die Mercedes S-Klasse ihre Bahnen 50 Kilometer über Land und 30 Kilometer im Stadtverkehr, den Rest auf der Autobahn. "Es ist so spektakulär, weil es so unspektakulär ist", kommentiert Entwicklungschef Thomas  Weber die Fahrt.

"Intelligent Drive" nennt Mercedes die Technik von Morgen und zeigt, wohin die Reise geht. Denn der Luxusliner beschleunigt und bremst selbständig. Er bleibt in der Spur und behält auch in unübersichtlichen Situationen den Überblick. Kreisverkehr, Ampel, Zebrastreifen, Radfahrer und Fußgänger, nichts soll die S-Klasse aus der Bahn bringen. Dafür nutzt der Mercedes keine aufwendigen Radar- oder Laserscanner, sondern lediglich die Stereokamera hinter dem Innenspiegel, sowie das Fern- und Nahbereichsradar. Technik also, wie sie bereits jetzt in der aktuellen S- und E-Klasse zu finden ist.

13C857_06.jpg

Auch komplexere Verkehrssituationen soll der S 500 meistern.

(Foto: Mercedes)

Allerdings wurde der Blickwinkel der Sensoren für den Testwagen deutlich erweitert und sensibilisiert. Zusätzlich wurden Radarsensoren in den vorderen Kotflügeln, im Bug und im Heck verbaut. Das erhöht den Weitblick. Gekoppelt mit zwei weiteren Kameras auf der Hutablage und in der Armatur werden auch die Voraussicht und der Rückblick erweitert. Diese Informationen sind vor allem für den Navigationsabgleich immens wichtig. Nur so gelingt es dem Fahrzeug, Situationen an Kreuzungen zu meistern, den Gegenverkehr im Auge zu behalten und engen Ortsdurchfahrten in Heidelberg und Mannheim gewachsen zu sein. Das, was dem Auto heute noch fehlt, ist die soziale Interaktion, so Weber. So wird zwar der Fußgänger am Zebrastreifen wahrgenommen, nicht aber sein Wunsch durch Handzeichen, dass das Auto zuerst fährt. "Aber auch das", so Weber zuversichtlich, "wird der Wagen noch lernen."

Technologie kommt in absehbarer Zeit

13C892_04.jpg

Kameras und Sensoren sorgen für den nötigen Weitblick. An der sozialen Interaktion mangelt es allerdings noch.

(Foto: Mercedes)

Noch ist die Technologie des autonomen Fahrens dem Prototyp des S 500 vorbehalten, aber Weber lässt keinen Zweifel daran, dass es in Zukunft auch in Serienfahrzeugen der unteren Klasse die Möglichkeit geben wird, sich pilotieren zu lassen. Bereits seit 1986 arbeitet Mercedes am autonomen Fahren. Damals hieß es "Prometheus Projekt". Bis 1996 fuhren im Rahmen des Versuches hier schon Fahrzeuge autonom. Allerdings waren die damals bis unters Dach mit Technik vollgestopft, so Weber. Heute unterscheidet sich der Wagen kaum von einer normalen S-Klasse. Was es noch zu optimieren gilt, ist die Rechenleistung und das Kartenmaterial. Hier gibt es durchaus noch Verbesserungspotential.

Doch dass der Weg vom Steuermann zum Passagier  vorbestimmt ist, steht für Weber außer Frage. Denn schon heute können Fahrzeuge, und  dazu  zählt nicht nur die S-Klasse, autonom durch den Autobahnstau pilotieren. Mercedes will aber als nächstes die Szenerie verschärfen und den Prototyp durch immer komplexere Verkehrssituationen jagen. Geplant sind eine Art Parkplatz-Pilot und ein Autobahn-Pilot, der auch jenseits der Staugeschwindigkeit das Fahrzeug ohne Zutun des Fahrers durch den Verkehr steuert.

13C857_03.jpg

Wann ein serientauglicher Strecken-Pilot auf die Straße darf, ist noch unklar.

(Foto: Mercedes)

Theoretisch ist das heute schon möglich, aber versicherungstechnische Fragen zwingen die Hersteller, den Fahrer zu veranlassen, die Hände dann doch am Lenkrad zu haben. Eben jene Frage ist es auch, die Mercedes bei der Angabe zur Zurückhaltung zwingt, wann es denn den Strecken-Piloten, der das autonome Fahren gewährleisten soll, in Serie gibt. Jahreszahlen werden hier nicht genannt, aber Weber ist zuversichtlich, dass es noch in diesem Jahrzehnt kommen wird. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Auch BMW hat die 360-Grad-Kamera bereits im neuen X5 verbaut und Volvo wartet mit Alternativsystemen zum autonomen Fahren auf, wobei es hier aber eher um Autobahnstrecken geht, bei denen sich das Auto sozusagen an ein Führungsfahrzeug andocken kann.

Preiskampf bei den E-Mobilen

Alternativen zum herkömmlichen Fahren bietet auch die Elektromobilität, die auf dieser IAA besonders großgeschrieben wird. Die Bayern präsentieren den i3 und aus Wolfsburg stehen der E-Up und der E-Golf in den Startlöchern und das zu Preisen um die 35.000 Euro. Die immer noch unzulängliche Reichweite sollen zusätzlich Verbrennungsmotoren ausgleichen. Zudem verweist VW Reichenweitennörgler auf eine Studie des Bundesverkehrsministeriums, die besagt, dass 80 Prozent aller Autofahrer in Deutschland täglich weniger als 50 Kilometer zurücklegen. Bei einer Kapazität von 24,2 Kilowattstunden soll der Akku im E-Golf immerhin eine Reichweite von 190 Kilometern ermöglichen. BMW gibt im Übrigen die Reichweite seines Newcomer i3 mit fast dem gleichen Wert an. Hier sind es 160 Kilometer.

Das Vorpreschen von VW und BMW hat aber noch einen positiven Nebeneffekt. Im Zuge der Elektrooffensive senkt Opel seine Preise für den Ampera. Ab 38.300 Euro gibt es das Elektromodell jetzt. Das sind immerhin 7600 Euro weniger als bislang. Der Opel fährt 80 Kilometer rein elektrisch und bedient sich dann des Verbrennungsmotors. Mit Hilfe des sogenannten Range-Extender fährt der Ampera immerhin 500 Kilometer. Wer den i3 mit Reichenweitenverlängerer ordert, der bezahlt 39.990 Euro, kommt aber nur 340 Kilometer weit. Ob die Elektrooffensive der Hersteller den Durchbruch bringen wird, bleibt abzuwarten. Der Kampf ist auf jeden Fall eröffnet und bekommt mit der IAA eine neue Qualität.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema