Auto
Die Dodge Viper ist das Phallussymbol unter den Muscle Cars.
Die Dodge Viper ist das Phallussymbol unter den Muscle Cars.(Foto: Wieck)
Mittwoch, 02. Oktober 2013

Augen auf beim Muscle-Car-Kauf: Dodge Viper auch gebraucht giftig

Wer auf der Suche nach einem echten Supersportwagen ist, der wird an der Dodge Viper nicht vorbeikommen. 405 PS, Heckantrieb und keine den Fahrspaß unterbindenden Helferlein. Doch Vorsicht, nicht nur die technischen Daten machen das Muscle Car zu einer tückischen Giftschlange.

Im Kreise der US-Sportwagen-Ikonen nimmt die Dodge Viper die Rolle des Halbstarken ein. Das liegt nicht nur daran, dass sie mit erst 20 Jahren Modellgeschichte weit weniger Tradition vorzuweisen hat als etwa die Corvette oder ein Shelbys Mustangs, sondern auch an ihrem brachialen Auftreten und dem ungestümen Wesen. Die in Europa auch als Chrysler Viper angebotene Giftschlange ist ein Auto für Fans. Und die müssen für ein gebrauchtes Exemplar gar nicht viele Euro pro PS anlegen.

Wer sich ein Modell mit Sidepipes zulegen möchte, der sollte auf Rost an den Aluminium-Schwellern achten.
Wer sich ein Modell mit Sidepipes zulegen möchte, der sollte auf Rost an den Aluminium-Schwellern achten.(Foto: Wieck)

"Too much", von allem etwas zu viel, schien die Design-Vorgabe für die 1992 erschienene erste Generation (bis 1995) zu sein. Wenn überhaupt ein Auto ein Phallus-Symbol ist, dann die Viper mit ihrer langen Motorhaube, den geschwollenen Formen und dem Hier-Komm-Ich-Appeal. Wie bei der großen Konkurrentin Corvette besteht die Karosserie der Viper zum größten Teil aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Der neigt mit den Jahren zur Rissbildung, ist dafür aber rostfrei.

Ausnahme sind die bei einigen Modellen mit Sidepipes verbauten Aluminium-Schweller, die leiden häufig unter Korrosion. Trotz der Leichtbauweise bringt der zweisitzige US-Sportler stolze 1,5 Tonnen auf die Waage, was auch am stabilen Stahl-Kastenrahmen unter der Plastikhaut liegt. Plastik ist auch das Schlagwort für den Innenraum: der ist amerikanisch-trist, allerdings in seiner puristischen Art auch recht haltbar.

Tückische Giftschlange

Der V10 gilt in Sachen Haltbarkeit als absoluter Dauerläufer.
Der V10 gilt in Sachen Haltbarkeit als absoluter Dauerläufer.

Die Viper ist wohl der einzige Supersportwagen, der von einem Lkw-Motor angetrieben wurde. Zumindest stammt die technische Basis des V10-Benziners aus dem Nutzfahrzeug-Regal, das Triebwerk wurde aber gemeinsam mit der damaligen Konzerntochter Lamborghini kräftig überarbeitet. Aus 8,0 Litern Hubraum schöpft der vorne eingebaute Sauger 405 PS und ein Drehmoment von 630 Newtonmeter, das via Sechsgang-Handschaltung an die Hinterachse geleitet wird - ungebändigt von ABS, Traktionskontrolle oder anderen elektrischen Helfern. Entsprechend schwierig zu fahren ist die tückische Giftschlange.

In Sachen Haltbarkeit gilt der V10 als absoluter Dauerläufer, zumindest wenn er ruhig auf der Welle seines überlegenen Drehmoments schwimmen durfte, anstatt ständig die Drehzahl-Arie kreischen zu müssen. Einige bekannte Probleme gibt es laut der Experten von "Oldtimer Markt" aber doch: etwa löchrige Kühler oder Zylinderkopfdichtungen. Langfristig können die Zündkabel Probleme machen. Häufig ist das Pausieren eines der zehn Zylinder gar nicht zu hören, so dass das unverbrannte Benzin mit der Zeit den Ölfilm zerstört und für erhöhten Verschleiß sorgt. Gebrauchtwagenkäufer sollten auch darauf achten, dass das Getriebe leicht und ohne Geräusche schaltet - Reparaturen sind an dieser Stelle sehr teuer.

Genaues Hingucken lohnt sich

Am Anfang gab es Plastik pur- Später versuchten die US-Amerikaner das Interieur optisch aufzuwerten.
Am Anfang gab es Plastik pur- Später versuchten die US-Amerikaner das Interieur optisch aufzuwerten.(Foto: Wieck)

Wo nichts ist, kann nicht viel kaputt gehen. So gesehen macht sich die simple und nahezu elektronikfreie Machart der Viper bezahlt. Zudem wurden bei europäischen Fahrzeugen einige Schwachstellen schnell in Eigenregie behoben; so wurde etwa das zu schwach ausgelegte Fahrwerk häufig durch Tuningteile ersetzt. Hier sollte man aber aufpassen, dass der Umbau in den Papieren eingetragen ist.

Generell empfiehlt es sich, den Sportler auch von unten betrachten, denn zu den weiteren Schwachpunkten zählen Lenkgestänge, Silentbuchsen und die Drehmomentstützen an der Hinterachse. Die Probleme werden umso schlimmer, je sportlicher der Vorbesitzer mit der Viper umgesprungen ist. Von ausgewiesenen Rennstrecken-Autos sollte man lieber die Finger lassen.

Unterhaltskosten auf Supersportwagen-Niveau

Bei der Viper liegen nicht nur die Fahrleistungen auf Supersportwagen-Niveau, sondern auch die Unterhaltskosten, so die Spezialisten von "Oldtimer Markt". Ersatzteile sind zwar leicht zu bekommen, aufgrund der geringen Stückzahlen aber sehr teuer. Mächtig ins Geld gehen auch die Reifen in hierzulande seltenen Größen. Ein kompletter Satz kostet locker 1400 Euro, wenn sie denn überhaupt in vernünftiger Qualität zu bekommen sind. Denn viele Exemplare sind schon beim Händler lange überlagert. Wer nicht selbst eine kleine Werkstatt zur Verfügung hat, muss zudem auch bei kleinen Problemen mit hohen Reparaturkosten rechnen: der Motorraum ist extrem eng, die passenden Diagnose-Geräte für die Elektrik kaum zu bekommen.

Fazit: Wer gerne optisch und akustisch auffällt und eine Schwäche für großvolumige Saugmotoren hat, kann sich nach einer Viper umschauen. Zuschlagen sollte man aber nur bei gut gepflegten und rücksichtsvoll behandelten Exemplaren. Ansonsten kann der Sportler auch auf andere Weise als durch kritisches Fahrverhalten richtig giftig werden. Die Preise für Modelle mit der Classic-Data-Note 3 liegen bei rund 33.000 Euro.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de