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Pläne neuer GM-Spitze noch undurchsichtig Droht Opel neuer Ärger aus Detroit?

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Gerät Opel mit den Änderungen in der Chefetage bei GM wieder auf dünnes Eis?

Es war der Sparzwang von General Motors der Opel über Jahre den Ruf gekostet hat. Gerade haben sich die Rüsselsheimer mit neuer Führung wieder einen Namen gemacht, da wechselt in Detroit die Führungsriege und keiner weiß, wo die Reise hingehen wird.

Kaum haben die Rüsselsheimer wegen des angekündigten Rückzuges von Chevrolet gejubelt, da blicken sie schon wieder bang nach Detroit. Der Chefwechsel bei General Motors macht Opel Sorgen. Kaum einer wagt einzuschätzen, welche Folgen das für die Deutschen haben wird. Einen steten Fürsprecher verliert Opel bereits im April 2014, wenn Steve Girsky seinen Posten als Strategie- und Produktchef im GM-Vorstand aufgibt. "Ein gewichtiger Vorkämpfer für Opel geht und niemand weiß, ob GM zu seinem starken Bekenntnis zu Europa steht", sorgt sich ein Opel-Mitarbeiter. GM beteuert dagegen, an der Haltung zu Opel habe sich nichts geändert.

"Wir wollen Peugeot nicht heiraten"

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Am Anfang kritisch beäugt, wurde Opel Chef Karl-Thomas Neumann zu einer echten Lichtgestalt.

(Foto: picture alliance / dpa)

O pel wähnte sich unter seinem neuen Chef Karl-Thomas Neumann gerade in ruhigerem Fahrwasser. Neumann hatte kurz nach seinem Amtsantritt im Frühjahr vier Milliarden Euro Investitionen in Detroit herausverhandelt. Mit dem Geld sollen 23 neue Modelle und 13 neue Motoren entwickelt werden, um die Produktpalette aufzufrischen. Der Opel-Chef holte die Produktion des kleinen Geländewagens Mokka aus Südkorea nach Europa. Als Rückschlag dagegen gilt, dass die Allianz mit dem französischen Konkurrenten Peugeot gestutzt wird. Neumann sieht nach der geplatzten Kleinwagen-Kooperation mit Peugeot noch genügend gemeinsame Projekte mit den Franzosen, zum Beispiel bei kleinen Lieferwagen. Man arbeite nur dann miteinander, wenn dies beiden Seiten Nutzen bringe. Neumann wörtlich: "Wir wollen Peugeot weder adoptieren noch heiraten."

Was die Etappensiege des 52-jährigen Marathonläufers Neumann wert sind, wird sich erst später erweisen. Opel hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Chefwechsel erlebt. "Ich werde lange bei Opel bleiben. Das hier ist keine schnelle Sache", sagte der 52-jährige Manager, der erst seit dem Frühjahr Opel-Chef ist. Vom bevorstehenden Wechsel an der Spitze der Konzernmutter GM erwartet Neumann keine negativen Folgen für Rüsselsheim. An der Grundausrichtung und der Zusammenarbeit werde sich nichts ändern. Mit Mary Barra wird ab Mitte Januar erstmals eine Frau die Chefin eines großen Autokonzerns werden.

Gefahr droht durch neuen Sparkurs

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Mary Barra wird in Zukunft die Geschicke von GM bestimmen. Welche Rolle Opel dabei spielt, ist noch nicht absehbar.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der scheidende GM-Chef Dan Akerson sagte, Barra habe "Ordnung in das Chaos" in der weltweiten Produktentwicklung gebracht. Wichtigste Aufgabe der künftigen Chefin, die schon im Opel-Aufsichtsrat sitzt, wird es sein, den riesigen Konzern noch effizienter zu machen. Die Rüsselsheimer sind ohnehin schon unter Druck, die Kosten zu senken. Neumann soll Opel nach jahrelangen Verlusten bis 2016 in die schwarzen Zahlen führen. Dazu beitragen würde, die globalen Fahrzeug-Plattformen von GM stärker zu nutzen und weniger teure Extras für den europäischen Markt einzubauen. Dabei haben die Kunden in Europa, wo Opel den Löwenanteil seiner Autos verkauft, die höchsten Erwartungen an die Ausstattung ihres Fahrzeugs. Die mangelnden Investitionen für Europa hätten bislang schon die Wettbewerbsfähigkeit von Opel beeinträchtigt, sagte ein ehemaliger Opel-Manager zu Reuters.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann sieht noch einen steinigen Weg vor dem Autobauer. "Wir müssen uns noch gewaltig anstrengen", sagte Neumann der "Süddeutschen Zeitung". Opel sei auf dem richtigen Kurs, "aber wir müssen aufpassen, dass hier nicht die Stimmung entsteht, wir seien längst fein aus dem Schneider." Neumann soll die GM-Tochter nach jahrelangen Verlusten bis 2016 in die schwarzen Zahlen führen. Operativ liege Opel voll im Plan, eine Verschärfung des Sparkurses sei nicht nötig. "Wenn uns die Welt nicht einstürzt, sollten wir weiter wachsen, und dann brauchen wir auch keine neuen Sparpläne. Wir wollen Opel nicht zum Erfolg sparen", sagte der frühere VW-Manager.

Ihre Verluste konnten die Rüsselsheimer trotz der Autokrise in Europa zuletzt verringern. Dennoch liege ein schwieriges Jahr vor Opel, sagte Neumann. Das Auslaufen der Fahrzeugproduktion in Bochum Ende 2014 verursache zusätzliche Umstrukturierungskosten. Zu Beginn des neuen Jahres erhält Opel die Hoheit über das Geschäft in Russland. Damit können sich die Rüsselsheimer künftig den Absatz in Russland zurechnen, der bisher als Teil der internationalen Aktivitäten von GM von Asien aus gesteuert wird. Die Marke Chevrolet stellt General Motors Ende 2015 in Europa weitgehend ein. Die Marke, die Opel bislang Konkurrenz machte, kam in Europa auf einen Marktanteil von lediglich einem Prozent. "Auf den Kuchen gehen jetzt alle los, davon werden wir natürlich nicht alles holen", sagte Neumann. Dennoch sei es für die Opel-Händler eine große Chance, da sie jetzt die freien Verkaufsflächen für Opel nutzen könnten.

Adam muss ein Erfolg werden

Und Verkäufe sind für Opel wichtig. Auch die Beliebtheit Neumanns in Detroit hängt davon ab, ob der neue Kleinstwagen Adam ein Erfolg wird. "Wenn die speziell für Europa gebauten Autos sich nicht verkaufen, dann verliert die ganze vergrößerte Bewegungsfreiheit von Opel ihren Sinn", sagte ein weiterer ehemaliger Opel-Manager. Um eine schwache Marke wieder stark zu machen, sei es nötig, über Jahre herausragende Produkte zu liefern, sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Gleich gut ist nicht gut genug. Das Produkt muss besser sein."

Ermutigende Anzeichen sind noch rar: Opel hat mit dem Verkauf des Adam im Januar begonnen. In Eisenach, wo Adam und Corsa vom Band laufen, stand die Produktion aber im Oktober für fünf Tage und im November für sechs Tage still. Während die Autoverkäufe im November laut Branchenverband Acea in Europa etwas zulegten, verkaufte Opel drei Prozent weniger Autos. Opel zufolge liegt das an den schwindenden Verkaufszahlen des Corsa - die Nachfrage nach dem Adam sei aber groß. Es gebe seit der Markteinführung mehr als 55.000 Bestellungen. In Deutschland würden mehr als 20.000 Adam bis zum Jahresende verkauft.

Quelle: n-tv.de, hpr/rts

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