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Vorne Auto, hinten Motorrad Einziger Vierrad-Roller der Welt

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Problemlos in die Kurve gehen. Das kann der Vierrad-Roller Quadro4 aus der Schweiz auch unter widrigen Bedingungen.

Für viele sind Zweiräder ein ziemlich unsicheres Ding. Der Gedanke hingegen, dem Stau auf einem solchen Gefährt ein Schnippchen zu schlagen, ist reizvoll. Eine Schweizer Firma hat jetzt genau für diese Bedenkenträger das richtige Fahrzeug entwickelt: einen Vierrad-Roller.

Die Fahrdynamik eines Motorrads mit bis zu 45 Grad Schräglage und die Standsicherheit eines Automobils mit vier Rädern: Das vereint der erste und einzige Vierrad-Roller der Welt, der Quadro4 aus der Schweiz. Nachdem der Hersteller mit italienischen Wurzeln bereits auf dem Markt der Dreirad-Roller aktiv war, setzt nun die völlig neuartige vierrädrige Konstruktion Maßstäbe in Sachen Fahrstabilität und Sicherheit. Unsere ersten Testfahrten haben gezeigt: Tatsächlich bietet der Quadro4 eine ungewöhnliche Stabilität und fühlt sich selbst bei extremen Schräglagen absolut sicher an. Autofahrer, denen ein konventionelles Zweirad zu unsicher ist, haben damit eine Alternative für die tägliche Großstadtmobilität. Mit 10.800 Euro hält sich der Preis für den 29 PS starken Vierrad-Roller in nachvollziehbaren Grenzen.

Idee stammt aus Marabese

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Italienisches Design macht den Quadro4 schick.

Das Konzept zum Quadro4 stammt aus der italienischen Design- und Entwicklungsschmiede Marabese aus Mailand. "Unser Ziel war ein Fahrzeug, das allen Autofahrern verführerisch zuzwinkert, die genug davon haben, den halben Tag im Stadtstau zu verbringen, es aber nie wagen würden, auf ein Zweirad umzusteigen", erklärt Firmenchef Roberto Marabese. Die technische Lösung: Alle vier Räder des Quadro4 werden über das hydraulisch-pneumatische Neigungssystem "Hydraulic Tilting System" (HTS) in Balance gehalten. HTS bringt imposante Feder- und Bremswirkung sowie ungewöhnlich hohe Kurvenstabilität. Auch gleicht das System Höhenunterschiede etwa beim schrägen Überfahren von Bordsteinen aus. Zwei voneinander unabhängige Riemen und ein Differenzial an der Hinterachse gewährleisten reibungslosen Antrieb wie beim Pkw. Neben dem sicheren Fahrgefühl für Autofahrer vermittelt der Quadro4 auch geübten Motorradfahrern ein angenehm stabiles Fahrverhalten selbst in extremen Schräglagen – und hohe Sicherheitsreserven, falls der Fahrbahnbelag unerwartet rutschig sein sollte.

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Hinten gilt der Quadro4 ob seiner Spurweite noch als Motorrad.

In Schwung bringt die Vierrad-Fuhre ein neu entwickelter Einzylinder-Viertaktmotor mit 346 Kubikzentimeter Hubraum. Er leistet 29 PS und liefert ein Drehmoment von 33,2 Newtonmeter, wobei ein Verbrauch von  4,2 l im ersten Testlauf auch ein akzeptabler Wert ist. Mit immerhin 279 Kilogramm ist der Vierrad-Roller stattliche 71 Kilogramm schwerer als sein ähnlich motorisierter, dreirädriger Markenbruder. Allerdings ist auch die Zuladung des Rollers mit 221 Kilogramm sehr großzügig bemessen. Mit diesem Ballast kommt der Quadro4-Antrieb weitestgehend gut zurecht. Nur im Antritt oder beim Überholen wünscht man sich etwas mehr Spritzigkeit. Stärkere Motoren für dynamikverliebte Vierrad-Roller-Piloten sind aber geplant. Die 130 km/h in der Spitze reichen jedenfalls für die angepeilte Zielgruppe, denn dabei handelt es sich vor allem um Autofahrer, die ein Zweirad entweder aus Sicherheitsgründen nicht fahren wollen oder mangels Führerschein nicht dürfen.

Die Spurweite macht's

Der Quadro4 gilt vorne mit über 460 Millimeter Spurweite als Pkw, hinten mit weniger als 450 Millimeter als Zweirad. Deshalb ist er in die Fahrzeugkategorie L5e eingeordnet und darf mit dem Autoführerschein bewegt werden, wenn dieser vor dem 19. Januar 2013 erworben wurde. Lediglich Führerscheinneulinge benötigen eine Motorradlizenz.

Doch für die Zielgruppe der nicht unbedingt blutjungen Autofahrer mit Berührungsängsten beim Zweirad passt es. Eingefleischten Bikern fehlt beim Quadro4 wie bei Dreiradrollern die ungehinderte Schräglage. Ein gewisser Widerstand muss überwunden werden, um das Gefährt in Kurven zu drücken – beim Quadro4 konstruktionsbedingt noch etwas mehr, als bei seinen dreirädrigen Artgenossen. Es kommt einem vor, als würde man seitlich festgehalten. Aber was den schräglagenverliebte Motorradfahrer zunächst stören kann, ist für Autofahrer eine echte Hilfe und vermittelt ein äußerst sicheres Fahrgefühl. In Schräglage fühlt sich der Quadro4 besonders sicher an. Bis zu 45 Grad sind möglich. Und in Schräglage bremsen oder spontan die Richtung ändern verliert jegliche Schrecken. Notsituationen sind somit wesentlich besser zu meistern als mit einem Zweirad. Auch eine Vollbremsung läuft dank vier gebremster Räder sehr kontrolliert und spurtreu ab.

Was noch auffällt: Der schnittig gestylte Quadro4 hat zahlreiche praktische Ablagen für einen Helm und kleinere Gegenstände, außerdem zwei 12 Volt Steckdosen für Navi oder Handy. Allerdings ist der Vierrad-Roller sehr hoch geraten, sowohl für den Fahrer als auch für einen Sozius. Drei Jahre wurde der Quadro4 auf den Weg gebracht. Nach ersten Fahreindrücken hat sich die Entwicklungsarbeit gelohnt – vor allem für Autofahrer, die jetzt vielleicht doch auf ein Frischluftfahrzeug mit Schräglage umsteigen wollen.

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x