Auto

Nicht selbst gefährden! Ersthelfer am Unfallort

Schwerer Unfall auf der Autobahn.

Am Unfallort ist höchste Vorsicht angesagt.

(Foto: dpa)

Besonnenes Vorgehen ist für Ersthelfer am Unfallort das A und O - schon ihrer eigenen Sicherheit wegen. Neben der Absicherung der Unfallstelle gehört dazu auch, sich Klarheit über die Technik des Unfallfahrzeugs zu verschaffen. Das muss passieren, bevor etwa versucht wird, eingeklemmte Personen zu bergen. Im Unfallauto könnte moderne Technik stecken, die unter Umständen die Helfer gefährdet. Darauf wies Thomas Unger, Unfallforscher beim ADAC in München, hin. "Man muss versuchen, das Fahrzeug "zu lesen"", sagte Unger. "Was ist drin? Was steht dran?"

Wer jedoch Bescheid weiß, setzt sich bei der Unfallhilfe nur geringen Gefahren aus. Ein gewisses Gefährdungspotenzial nach einem Unfall bergen laut Unger zum Beispiel Hybridfahrzeuge, in der Regel zu erkennen am Zusatz "Hybrid" bei der Typbezeichnung. Weil deren Batterie- und Antriebstechnik mit hohen Spannungen von bis zu 400 Volt arbeitet, drohe Ersthelfern ein Stromschlag. Oder der Wagen könnte nach einem Kurzschluss in Brand geraten.

Ein Brandrisiko gibt es laut Unger auch bei Autos mit Erdgas- oder Autogasantrieb - Beispiele für die Typbezeichnung sind hier "Ecofuel", "Flexfuel" oder "CNG". Strömt nach einem Unfall aus beschädigten Tanks Gas aus, besteht im Umkreis um die Unfallstelle Explosionsgefahr. Eine Funkenbildung ist bei solchen Autos daher unbedingt zu vermeiden.

Nachträglich auslösende Airbags

Aber auch bei Fahrzeugen mit herkömmlicher Antriebstechnik können sich Ersthelfer in Gefahr bringen. Haben etwa die Airbags beim Aufprall nicht ausgelöst, könnte ihnen der Luftsack um die Ohren fliegen, wenn das System nachträglich auslöst. Unger empfiehlt daher, auf "Airbag"-Prägemarken am Lenkrad oder an den Sitzlehnen zu achten und Abstand zu ihnen zu halten. Wer einen eingeklemmten Fahrer aus dem Wrack zieht, sollte auf keinen Fall mit dem Kopf zwischen Fahrer und Lenkrad geraten. Allerdings sei das Risiko der nachträglichen Auslösung nicht sehr groß, schränkt Unger ein. Bei den einzigen bekanntgewordenen Fällen hätte sich die Feuerwehr mit schwerem Gerät am Unfallauto zu schaffen gemacht.

Auch den Profi-Rettern macht moderne Fahrzeugtechnik bei der Unfallrettung zu schaffen. Seitenaufprallschutz und hochfeste Stahlkomponenten machen herkömmliche Spreiz- und Schneidewerkzeuge oft wirkungslos. Der ADAC setzt sich daher dafür ein, dass für die Unfallrettung relevante Fahrzeuginformationen auf einer sogenannten Rettungskarte festgehalten und diese am Fahrzeug angebracht werden.

Auf keinen Fall sollte jedoch die Sorge um möglicherweise riskante Fahrzeugtechnik im Unfallauto Ersthelfer von der Hilfeleistung abhalten, appelliert Unger: "Es gilt hier trotzdem: Bitte helfen, denn das Risiko ist relativ klein!"

Quelle: ntv.de

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