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Gipfelsturm mit "dolce vita" Lancia Flavia ist zurück

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Der Lancia Flavia macht ob seiner üppigen Ausstattung und seiner beachtlichen Länge von 4,90 Metern auf der Straße einiges her.

(Foto: Axel F. Busse)

Der italienische Autobauer Lancia hat eine Marktlücke ausgemacht: Es fehlt an einem erschwinglichen Cabrio in der oberen Mittelklasse. Mit Hilfe der US-Schwester Chrysler wurde jetzt der Flavia auf Basis des 200 Convertible ins Rennen geschickt. Ein Sonnenanbeter mit Vollausstattung, zu einem Preis, der für die Konkurrenz Zeichen setzt.

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Von 1962 bis 1967 wurde der Lancia Flavia Convertible gebaut.

Einst galt Lancia als italienische Nobelmarke. Dazu gehörten nicht nur ein außergewöhnliches Design, eben ein italienisches, sondern auch luxuriöse Autos, die immer wieder durch neue Erfindungen von sich reden machten. Vor 60 Jahren sorgte das von der Manufaktur Zagato entworfene Flavia Coupé für Furore. Von diesem Typ wurde auch ein von Michelotti entworfenes und von Vignale gebautes Cabriolet angeboten.

Jetzt knüpft Lancia mit Hilfe von Chrysler an diese Geschichte an und bringt ein neues "Volks-Cabriolet" mit Luxusattitüde und versprochenem "dolce vita"-Erlebnis zu einem Kampfpreis von exakt 36.900 Euro auf den Markt. Und tatsächlich ist in dem knapp fünf Meter langen Sonnenanbeter fast alles verbaut, was auch in einem Audi A5, Mercedes E-Klasse Cabrio oder BMW 3e zu finden ist: Anti-Blockiersystem (ABS) der neuesten Generation, mehrstufig auslösende Front- und Seiten-Airbags, ISOFIX-Veran­kerungen für die Kindersitze, automatisch abblendender Innenspiegel, Regensensor für Scheibenwischer, Abblendlicht-Automatik, Alarmanlage und Traktionskontrolle.

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Das Verdeck versinkt innerhalb von 28 Sekunden im Heck.

(Foto: Axel F. Busse)

Für einen entsprechenden Sound an Bord sorgt die serienmäßige Multimediaanlage  von Boston Acoustics, die auch ein Satelliten-Navi­gationssystem enthält. Hinzu kommen Tempomat, Klima-Automatik und ein beheizbares Lederlenkrad, das sich in Höhe und Länge verstellen lässt. Auch die Sitze in der ersten Reihe bringen Passagiere elektrisch in die richtige Position.

Flavia ist kein Bergsteiger

Doch der Preis hat seinen Preis. Den zahlt der Käufer, indem er ein fast zwei Tonnen schweres Auto steuert, das sich mit einem 2,4-Liter-Vierzylinder und 170 PS begnügen muss. Den Sprint von null auf 100 km/h bewältigt der Riese in 10,8 Sekunden. Das ist für den ursächlichen Verwendungszweck eines Cabriolets nicht weiter bedenklich. Denn hier geht es in erster Linie um gepflegtes Cruisen. Und sanft dahingleiten kann man mit dem Flavia ohne Frage.

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Der Flavia mag das geruhsame Cruisen.

(Foto: Axel F. Busse)

Vor allem dann, wenn das elegante Stoffverdeck im ewig langen Heck verschwunden ist. Das lässt sich – leider nur im Stand - in etwa 28 Sekunden elektrisch im Kofferraum versenken und ebenso schnell wieder über das Cabrio stülpen. Auf planer Strecke wird bei offenem Dach durch die saubere Aerodynamik auch kein böses Lüftchen die Nasen der Insassen streifen, zumal es ein Windschott in der Grundausstattung zum Nulltarif dazu gibt. Das muss allerdings per Hand und am besten durch zwei Personen befestigt werden.

Ist es aufgebracht, sind die zwei zusätzlichen Plätze im Fond, die ohnehin nicht viel Platz bieten, endgültig Makulatur. Denn das Schott legt sich wie ein Dach über die hinteren Plätze. Der positive Effekt des Ganzen: Die Verwirbelungen halten sich für Fahrer und Beifahrer sogar bis zu einer Geschwindigkeit von 160km/h - das Ende der Fahnenstange gibt Lancia mit 190 km/h an - in angenehmen Grenzen.

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Im wuchtigen Heck verschwinden bis zu 377 Liter Gepäck.

(Foto: Holger Preiss)

Aber wehe, wer mit dem Flavia die Gipfel stürmen will. Der wird auf Grund der schwachen Motorisierung etwas enttäuscht sein. Müde und etwas gequält arbeitet sich der Fünf-Meter-Riese die Serpentinen zum Ätna empor. Das automatische Sechsganggetriebe ist bemüht, die Last zu schultern, lässt aber die Insassen an seiner Arbeit vernehmlich teilhaben.

Oben drückt kein Turbo mit

Hinzu kommt, dass sich mit zunehmender Höhe und der Abnahme an Sauerstoff auch die Leistungsfähigkeit des Triebwerkes reduziert, weil hier kein Turbo nachdrückt. Auch der per se recht hohe Verbrauch, den Lancia im Schnitt mit 9,4 Litern angibt, kann sich bei Fahrten unter Last schon mal locker an die 12-Liter-Marke schrauben. Allerdings sei zur Ehrenrettung des Flavia angemerkt, dass eine Fahrt auf den Ätna mit Steigungen von sechs bis zehn Prozent und einem Höhenunterschied von 1800 Metern kaum zu den täglichen Fahrwegen eines Cabrio-Besitzers gehört.

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Der Flavia macht insgesamt eine gute Figur.

(Foto: Holger Preiss)

Der Sound, den das Triebwerk des Flavia im Stand aus dem Endrohr entlässt, ist durchaus hörenswert. Das ist ein sonores Brabbeln, das Lust auf mehr macht. Fragt man, warum nicht auch das V6-Triebwerk im Flavia, so wie in seinem US-amerikanischem Zwilling, dem Chrysler 200 Convertible, angeboten wird, bekommt man eine wirtschaftlich plausible Antwort: Der Flavia soll sich vorrangig auf dem italienischen Markt etablieren. Und da auf der Apenninhalbinsel die Steuern für großmotorige Autos unverschämt hoch sind, hat man sich zugunsten der potenziellen Käufer für die kleine Maschine entschieden.

Freunde der preiswerten und gemütlichen Reise wird es freuen. Liebhaber der sportlichen Kurvenhatz werden hingegen auf andere Angebote ausweichen müssen. Zumal auch die gemütliche Bestuhlung, die eigentlich nur noch von Omas Fernsehsessel zu toppen ist, in schnellen Kurven nur bedingt Seitenhalt bietet. Auch das Fahrwerk ist insgesamt eher auf sanftes Gleiten ausgelegt. Zwar haben es die Italiener noch einmal etwas straffer abgestimmt, aber bei flinker Kurvenfahrt senkt es sich doch merklich zur Seite. Doch genug genörgelt.

"La  dolce vita " für einen US-Amerikaner

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Das innere des Flavia gibt sich luxuriös.

(Foto: Holger Preiss)

Im Gegensatz zu seinem US-Pendant haben die Italiener sich bemüht, der US-amerikanischen Sparsamkeit zu entfliehen. Mit aufgeschäumtem Kunststoff, glänzenden Chromblenden an den Luftauslässen und rund um die Mittelkonsole sowie dem schon erwähnten üppigen Einsatz von Leder schwebt bereits ein Hauch von Luxus durch den Flavia.

Der Kofferraum, der sich in US-amerikanischer Manier weit nach hinten streckt, hält, was er verspricht. Bei geschlossenem Dach lassen sich dort 377 Liter versenken. Ist die Haube hingegen eingefahren, verbleiben nur noch 195 Liter, um Utensilien zu verstauen. Die Urlaubsreise sollte die Fahrgemeinschaft also besser mit geschlossenem Verdeck absolvieren.

Wer ein repräsentatives Cabrio sucht, das auch noch erschwinglich ist und eine Mischung aus American Lifestyle und "dolce vita" bietet, der kann den Lancia Flavia als gute und vor allem optisch gelungene Alternative auf die Liste setzen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist kaum zu schlagen, denn es gibt den Flavia nur in einer Ausstattung, in der sämtliche Extras außer der Lackfarbe inklusive sind. Lediglich der auf bergigen Strecken etwas müde Motor könnte Freunde der sportlichen Fahrweise zum Umdenken zwingen.

Quelle: ntv.de

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