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125 Jahre Automobil Geschichte des Parkhauses

Wohin mit dem Auto, wenn es nicht mobil gebraucht wird? Eine Frage, die schon in den Anfangsjahren der Automobilgeschichte aufkam und die Architekten zu neuen Ideen anregte.

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Werbung für eine Autogarage.

Überlastete Straßen, Stopp-and-Go und scheinbar kein Parkplatz in Sicht: Heute ist das in fast allen Großstädten ein gängiges Phänomen an Einkaufswochenenden, bei Großveranstaltungen oder auf dem Weg zum Flughafen oder Bahnhof. Von Freizeitspaß und Urlaubsgefühlen keine Spur – und doch scheint das Szenario beinahe entspannt, wenn man an die Anfangszeit der Motorisierung denkt. Denn über chaotische Verhältnisse auf europäischen und amerikanischen Großstadtboulevards klagten schon die automobilen Pioniere Ende des 19. Jahrhunderts.

War es zunächst ein scheinbar ungeregeltes, undurchdringliches Gewusel und Gewimmel von Pferden, Kutschen, Handkarren und Motorwagen, standen sich bald die Automobile gegenseitig im Weg. Hauptproblem waren bereits damals fehlende Parkplätze und Parkvorschriften. Die am Straßenrand oder auch mitten auf der Fahrbahn abgestellten Fahrzeuge machten mancherorts jeden Verkehrsfluss unmöglich. Auch die ab der Jahrhundertwende in immer mehr Wohngebieten und Geschäftsvierteln errichteten Wagenremisen und ersten Flachgaragen brachten keine Lösung der Verkehrsprobleme. Im Gegenteil, mit ihrem gewaltigen Raumbedarf waren sie den Städteplanern spätestens mit der durch das Ford T-Modell eingeleiteten Massenmotorisierung ein Dorn im Auge.

Erste Hochgarage im Jahr 1901

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Mit der Massenmobilität begann auch die Parkplatznot.

Der Startschuss für einen Ideenwettbewerb der Architekten und Ingenieure. Trotz unterschiedlichster Überlegungen war man sich in einem einig: Die Antwort lag in der vertikalen Ausrichtung, nicht länger in der horizontalen. Vorbild dafür war eine 1901 am Londoner Piccadilly Circus errichtete siebengeschossige Hochgarage. Allerdings stellte das Hochhaus für Autos die Architekten vor neue technische Herausforderungen. Wie sollte der Höhenunterschied zwischen den Parkdecks überwunden werden? Die zunächst übliche klassische Rampenlösung, bei der die Stockwerke über befahrbare Rampen verbunden wurden, war nur eine Möglichkeit. Dafür aber eine Lösung, die auch bei Tiefgaragen eingesetzt werden konnte. Grundsätzlicher Nachteil war jedoch einmal mehr die relativ wenig raumsparende Bauweise. Daneben gab es ab 1919 das von Fernand d’Humy entworfene und patentierte System, bei dem die Parkebenen jeweils um eine halbe Geschossebene gegeneinander versetzt angeordnet wurden, so dass die Gesamtfläche des Parkhauses bei guter Zugänglichkeit über Halbrampen besser genutzt wurde.

Eine dritte, besonders raumsparende Lösung war der Höhengewinn durch Lastenaufzüge. Diese arbeiteten jedoch oft wenig zuverlässig und gemessen an der hohen Stellplatznachfrage nicht schnell genug – so waren für die ersten Garagen mit sieben Obergeschossen für 400 Fahrzeuge bis zu 20 Aufzüge notwendig, um derartige Mängel wettzumachen. Dennoch stehen seit den 1920er Jahre bis heute alle Systeme weltweit im Wettstreit. In Deutschland entstanden die ersten Park-Hochhäuser in Essen (1924), Mannheim (1925) und Stuttgart (1926), ab 1930 fand man die in den Himmel wachsenden Garagen in fast allen Großstädten. Weltweiter Rekordhalter war damals ein Park-Turm in Boston, USA, der auf 22 Stockwerken Platz für 2.500 Autos bot.

Park&Ride seit 1927

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Modernes Parkhaus.

Die spektakulärsten Varianten der Parkhäuser mutierten in jenen Jahren bereits zu wahren PS-Palästen, die Garagen und Hotels miteinander vereinten. Allen voran die in Prag erbaute Bondy-Garage. Das Parkhaus kombinierte Hotel und Garage auf elf Etagen. Parkbox, Chauffeur- und Herrschaftsräume waren nebeneinander angeordnet und trugen die gleiche Zimmernummer und wurden bei der Abreise zusammen verrechnet. Neben den vor Geruchs- und Geräuschbelästigung geschützten Hotelzimmern verfügte der Komplex auch über verschiedene Restaurants, Theatersäle, Veranstaltungsräume, Ladenpassagen, Sporthallen – und natürlich Autowerkstätten. In Deutschland war die 1927 eröffnete "Goldene Laute" in Leipzig die erste Großgarage, die Parkhaus, Hotel und Erlebniswelt miteinander vereinte.

Kaum bekannt ist die Kombination zwischen Parkgaragen und den Anfängen des Park&Ride-Systems. So waren es die Warenhäuser in den Innenstädten der amerikanischen Großstädte Boston und Philadelphia, die ab 1927 ihre Kunden vom urbanen Verkehrschaos verschonen wollte und mit großzügig ausgestatteten Parkhäusern am Stadtrand lockten. Von dort aus gab es direkte, kostenfreie Straßenbahn- und Busverbindungen in die Stadtzentren. Ein Konzept, dass damals so erfolgreich war, dass heute besonders Einzelhändler und Kaufhäuser in europäischen Städten mit Citymaut über eine Wiederbelebung nachdenken.

Quelle: n-tv.de, sp-x

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