Auto

Diesel sauber machen Harnstoff im Tank

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Saubermann: Audi bringt mit dem 3.0 TDI einen "Clean Diesel" auf den Markt.

(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

Wenn Lkw-Fahrer ihre modernen Lastwagen tanken, füllen sie auch das Additiv AdBlue nach. Die wässrige Harnstofflösung aus dem Zusatztank wird vor einem speziellen Katalysator in den Abgasstrom gespritzt und senkt so den Ausstoß an Stickoxiden (NOx). Nun erobert diese Technik auch den Pkw: Weil der Diesel in den USA ab einer bestimmten Fahrzeuggröße nur mit diesem sogenannten SCR-Katalysator die Schadstoffnormen für alle Bundesstaaten erfüllt, werden eine Reihe deutscher Geländewagen dort bereits mit AdBlue-Einspritzung angeboten. Und mit Blick auf die diskutierten Grenzwerte der für 2014 geplanten Euro-6-Norm kommen die ersten von ihnen in diesem Sommer auch in Deutschland auf den Markt.

So bietet Audi den Q7 nun für einen Aufpreis von 2000 Euro auch als Clean-Diesel an, und bei Mercedes gibt es demnächst die Modelle von ML-, R- und GL-Klasse für rund 2400 Euro Aufschlag als Bluetec-Ausführung. Sowohl bei Mercedes als auch bei Audi soll der Diesel allerdings nicht nur sauberer, sondern auch sparsamer verbrennen: "Durch die bessere Abgasreinigung können die Motoren verbrauchsgünstiger abgestimmt werden", erläutert Audi-Entwickler Richard Bauder. Beim Q7 mache die Einsparung immerhin 0,2 Liter auf 100 Kilometer aus. Mercedes reklamiert für seine Geländemodelle einen Verbrauchsvorteil von 0,3 bis 0,6 Litern.

VW wartet noch

Auch BMW hat in den USA im Geländewagen X5 sogenannte Blue Performance-Diesel mit Additiv am Start, doch planen die Bayern vorerst keinen Re-Import: "Wir fokussieren uns auf Modelle, die per Verkaufsvolumen einen höheren Beitrag zur Emissionsminderung liefern. X5 und X6 mit Blue Performance-Technik kommen deshalb in diesem Jahr noch nicht nach Europa", sagt Pressesprecher Wieland Bruch.

AdBlue

Der Harnstoff wird in den Abgasstrom der Autos gespritzt und bindet die Stickoxide.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

VW könnte für den Touareg zwar mühelos die Technik des Schwestermodells Q7 übernehmen, wartet aber noch auf den für kommendes Jahr avisierten Modellwechsel. Allerdings bietet der Hersteller für einen Aufpreis von rund 1500 Euro den Passat Blue TDI an und geht bei den leichten Nutzfahrzeugen in Vorlage: Laut VW-Sprecher Jens Bobsien ist der Crafter einer der erste Transporter in Deutschland, der serienmäßig einen AdBlue-Diesel bekommt.

AdBlue vernichtet Stickoxide

Während Trucker regelmäßig ein Auge auf den Zusatztank haben müssen, haben die Autohersteller ihre Kunden aus der lästigen Pflicht entlassen: Die meist in der Reserveradmulde montierten Zusatztanks sind so bemessen, dass sie für ein Inspektionsintervall ausreichen: "Wir brauchen durchschnittlich nur etwa 0,1 Liter AdBlue pro 100 Kilometer", sagt Mercedes-Motorenentwickler Christian Enderle. Mit ihrem 28-Liter-Tank kommt etwa die M-Klasse deshalb locker bis zum nächsten planmäßigen Boxenstopp.

AdBlue wird nach Angaben von Audi-Entwickler Georg Middelhauve für die selektive katalytische Reduktion benötigt - die nach Oxidationskatalysator und Partikelfilter dritte Schadstoffbremse für moderne Diesel. Wird die Lösung in den Abgasstrom gespritzt, reagiert der in AdBlue gelöste Harnstoff zu Ammoniak und spaltet an der Oberfläche des SCR-Katalysators die Stickoxide auf. Übrig bleiben die ungefährlichen Restprodukte Stickstoff und Wasser.

Im LKW schon Standard

Für Pkw-Fahrer mag die blaue Lösung neu sein. Doch im Lkw ist sie seit mittlerweile gut fünf Jahren so weit verbreitet, dass in Europa im vergangenen Jahr schon bis zu 300 Millionen Liter AdBlue verkauft worden sind, schätzt Luca Cerini, Produktmanager beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen. Zwar habe die geruchslose Flüssigkeit einen sanitären Beiklang. Doch mit dem wortverwandten Stoffwechselprodukt habe AdBlue nichts gemein, erläutert Cerini. Der sonst vor allem als Düngemittel genutzte Harnstoff sei lediglich eine unbedenkliche Lagerungsform des eigentlichen Wirkstoffs Ammoniak.

Auch wenn das aus Erdgas gewonnene AdBlue eine Chemikalie ist, muss man den Umgang nicht fürchten: "Die Lösung ist in die Wassergefährdungsklasse 1 eingestuft, kann einfach mit Wasser gespült werden und ist keine Gefahr für die Umwelt", erläutert BASF-Sprecherin Andrea Hoerdt. "Jeder Tropfen Diesel oder Benzin richtet mehr Schaden an." Auch für den Menschen berge Harnstoff kein Risiko. Im Gegenteil: Nicht umsonst sei die Substanz wegen ihrer fettenden Wirkung ein wichtiger Bestandteil vieler Hautcremes.

Quelle: ntv.de, Thomas Geiger, dpa