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Dreifachsieg von Audi in Le Mans Historisches mit Zuverlässigkeit

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Historischer Triumph: Mit den Plätzen eins bis drei hatte bei Audi wohl vor dem Rennen so gut wie niemand gerechnet.

(Foto: Audi Communications Motorsport)

In diesem Jahr haben sich Audi und Peugeot beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeiten getrieben. Und darüber hinaus.

Nicht umsonst gelten die 24 Stunden von Le Mans als das härteste Langstreckenrennen der Welt. Die Strecke an der Sarthe ist mit ihren schnellen Kurven, der langen Geraden, der weltberühmten Mulsanne und den teils extremen Außenbedingungen ein echter Prüfstein für Mensch und Material. Nach dem souveränen Doppelsieg von Peugeot im Vorjahr hatte sich die Truppe von Audi für die 78. Ausgabe des Klassikers viel vorgenommen. Doch der Auftakt verlief bescheiden. Im Qualifying mussten sich die drei werksunterstützten Autos mit den vier Ringen mit den Plätzen fünf bis sieben zufrieden geben. Folgerichtig gingen Peugeots HDi 908 FAP als große Favoriten ins Rennen. Neben den drei Werksautos konnte sich noch ein Oreca 908 HDi vor die Phalanx aus Ingolstadt auf Platz vier schieben. In Sachen Schnelligkeit legten die Franzosen ordentlich vor.

Pünktlich zum Start am Samstagnachmittag zeigte sich auch die Sonne zu Gast am immer noch bewölkten Himmel über Frankreich. Die Truppe von Audi freute dies allerdings weniger, denn dort hoffte man eher auf Regen. Das Freitagstraining, bei dem der Audi mit Nummer sieben mit Allan McNish hinterm Steuer die Bestzeit hinlegen konnte, hatte gezeigt, dass Audi bei schlechtem Wetter klar im Vorteil wäre. Doch der Wettergott beließ es bei einigen wenigen Regentropfen am Nachmittag und abnehmender Regenwahrscheinlichkeit für den Rest des Rennens. Audi musste also ohne Hilfe des Wetters zurecht kommen.

Modifizierter R15 TDI

Die beiden Werksteams von Audi und Peugeot gingen jeweils mit modifizierten Autos aus dem Vorjahr in das legendäre Rennen an der Sarthe. Audis R15 TDI wurde technisch stark überarbeitet und auch im Windkanal optimiert. Intern trägt er deshalb die Bezeichnung R15 TDI+. Bei der Aerodynamik hat man an den vorderen Lufteinlässen gearbeitet, die die Luft teilweise durch das Auto und zur Seite wieder hinaus leiten sollen. Diese im Grunde gute Idee hatte sich im Vorjahr als nicht ganz unproblematisch erwiesen, weil sich in den Ansaugkanälen immer wieder viel Schmutz von der Strecke ansammelte. Auch die technischen Probleme aus dem Vorjahr in Sachen Zuverlässigkeit wurden angegangen. Bei Peugeot hat man den 908 HDI, der wohl dieses Jahr in der Form zum letzten Mal an den Start gegangen ist, vor allem auf noch höhere Geschwindigkeit getrimmt und dabei vor allem auf Leichtbau gesetzt.

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Schrecksekunde am Abend: Der R15 TDI mit der Nummer sieben schlägt m it dem Heck voraus im Reifenstapel ein.

(Foto: Markus Mechnich)

Nach der Einführungsrunde wird in Le Mans fliegend gestartet. In der ersten Runde sollte sich an der Spitze des Feldes zunächst nicht viel ändern. Allerdings machte Allan McNish im R15 TDI mit der Nummer sieben direkt mächtig Druck auf den vorausfahrenden Oreca-Peugeot mit der Nummer vier. Schon nach der Dunlop-Kurve kurz nach dem Start schloss McNish auf und vor der Kehre Hunaudieres, die auf die Mulsanne leitet, unternahm der routinierte Schotte erste Ansätze zum Überholen. Auch auf der folgenden langen Geraden zeigte sich der R15 TDI immer wieder im Rückspiegel, aber es reichte nicht um wirklich vorbei zu gehen.

Unfall von Mansell in Runde zwei

Einen ersten Unfall gab es bereits in Runde zwei, als der ehemalige Formel-1-Weltmeister Nigel Mansell sein Auto durch einen Reifenschaden verlor, sich spektakulär drehte und rückwärts in die Reifenstapel einschlug. Der 56-Jährige überstand den Crash mit einigen Prellungen, aber ohne größere Verletzungen. Das folgende Safetycar holte allerdings nicht die Autos in der richtigen Reihenfolge zusammen, sondern fügte sich hinter Spitzengruppe der Peugeots ein, was den Verfolgern von Audi einen kleinen Zeitverlust einbrachte. Nach kurzer Unterbrechung wurde das Rennen wieder freigegeben.

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Am Abend fuhr der Peugeot 908 HDi mit der Nummer eins noch souverän voraus.

(Foto: Markus Mechnich)

Das Klassement sollte sich vorerst nicht mehr ändern. Alles in allem konnten die Audis den Abstand auf die schnellen Franzosen an der Spitze konstant bei einer Runde halten. Die Nummer eins an der Spitze mit den Piloten Marc Gené, Alexander Wurz und Anthony Davidson fuhr sich allerdings bis zum frühen Abend einen Vorsprung heraus, dicht gefolgt vom Peugeot mit der Nummer zwei. Auch der Oreca-Peugeot auf Rang vier hielt sich tapfer im Feld und konnte auch nach mehreren Boxenstopps die Audis hinter sich in Schach halten.

Aufhängung setzt ersten Peugeot Matt

Dann begann Peugeot das Rennpech einzuholen. Am Abend fuhr der 908 HDI mit der Nummer drei, zunächst ohne erkennbaren Grund, an die Box. Es sollte sich herausstellen, dass der Unterboden stark beschädigt und Aufhängung vorne gebrochen war. Wahrscheinlich war ein zu hartes Fahren über die Curbs, die rotweißen Randstreifen in den Kurven, verantwortlich. Pilot Pedro Lamy war zutiefst bestürzt, denn der Schaden war irreparabel. Peugeot verlor das erste Auto damit schon sehr früh im Rennen.

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Im siegriechen Auto mit der Nummer neun fuhr mit Mike Rockenfeller der jetzt jüngste Le-Mans-Sieger aller Zeiten.

(Foto: Markus Mechnich)

Bei Audi zeigte man hingegen den Willen, auf den Fersen der beiden Peugeots an der Spitze zu bleiben. Doch der Abstand blieb konstant. Eine Schreckminute folgte dann aber für die R15 TDI mit der Nummer sieben. Vor der Porschekurve wurde ein BMW M3 aus der GT2-Klasse langsam und setzte sich an den äußeren Rand der Kurve, ohne allerdings Warnzeichen zu geben. Tom Kristensen versuchte jedoch den BMW außen zu überholen, wo ihm der Platz ausging, er mit dem linken Hinterrad ins Kiesbett kam und sich von der Strecke drehte. Der Audi schlug nur leicht in die Reifenstapel ein und fraß sich im Keisbett fest. Zähe Minuten vergingen bevor ein Traktor den R15 TDI aus dem Kies zog, das Aus war abzusehen. Doch nachdem das Auto wieder festen Teer unter den Rädern hatte, startete Kristensen den Motor und konnte aus eigener Kraft wieder auf die Strecke fahren. Nach einem Boxenstopp, bei dem das Heck getauscht wurde, ging es glücklicherweise weiter für den Audi mit Startnummer sieben.

Peugeot-Debakel nimmt seinen Lauf

In der Nacht dann der nächste Schock für Peugeot. Der 908 HDi mit der Nummer eins muss an die Box. Probleme mit der Elektrik schienen zunächst schon das Aus zu bedeuten. Nach schier endlosen fast zehn Minuten konnte das Auto wieder auf die Strecke geschickt werden. Die souveräne Führung war damit allerdings dahin. Der Peugeot mit der Nummer zwei erbte die Führung. Dahinter konnte sich der Oreca-Peugeot einordnen, bevor der erste Audi von Timo Bernhard, Romain Dumas und Mike Rockenfeller mit der Nummer neun folgte. Um sieben Uhr dann die nächste Katastrophe. Beim führenden 908 HDi schlugen Flammen aus dem Auspuff. Probleme mit der rechten Zylinderbank waren der Grund für den Motorschaden, der den Führenden zur Aufgabe zwang.

Doch damit noch nicht genug. Um 13 Uhr, also zwei Stunden vor Rennende, ereilte auch den Peugeot mit der Nummer eins ein Motorschaden. Alexander Wurz steuerte den 908 HDi in die Box, wo ein dramatischer Ölverlust sichtbar wurde. Das Rennen war gelaufen. Nun war nur noch der Oreca-Peugeot im Rennen und drei Audi R15 TDI fuhren an der Spitze. Von Rang vier machte das letzte Löwenauto mächtig Druck auf den Audi mit der Nummer sieben auf Rang drei. Zeitweise betrug der Rückstand nur noch zehn Sekunden. Dann wurde das Drama um die Peugeot-Fahrzeuge perfekt. Auch das Kunden-Fahrzeug von Oreca schlug Flammen aus dem rechten Auspuff und rollte aus. Die Katastrophe für die Löwen war umfassend, alle vier angetretenen Fahrzeuge wurden durch Defekte verloren.

Rekordsieg für Audi

Audi hatte zu diesem Zeitpunkt den Sieg schon fast sicher in der Tasche. Mit drei Autos lagen die Ingolstädter an der Spitze, als der Oreca-Peugeot 80 Minuten vor Rennende als letzte verbliebene, noch ernste Bedrohung ausschied. Von da an konnten die drei R15 TDI an der Spitze einen Gang runter schalten und den Sieg locker nach Hause fahren. Auch wenn Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich warnte: "Das Rennen ist noch nicht zu Ende." Schadenfreude kam bei Audi angesichts des Desasters von Peugeot an der Sarthe jedoch nicht auf. Der Sportgeist ließ die Truppe von Audi mit der geschlagenen Peugeot-Truppe mitfühlen.

So nahe liegen die Welten im Motorsport zusammen: Während bei Audi um 15 Uhr am Sonntag die große Sause begann, war bei Peugeot die Enttäuschung fast grenzenlos. Nach 2000, 2002 und 2004 schaffte Audi den dritten Dreifachtriumph beim Langstreckenklassiker von Le Mans. Dabei stellten die Autos aus Ingolstadt gleich noch einen Distanzrekord 5410,713 Kilometern, während derer sie nur 33 mal an der Box Station machen mussten. Mit dem Sieg konnte Audi in der Le-Mans-Bestenliste mit Ferrari auf Platz zwei aufschließen.

Zudem wurde Mike Rockenfeller mit seinen 26 Jahren der jüngste Le-Mans-Sieger aller Zeiten. Entsprechend sprachlos zeigt sich der DTM-Pilot nach dem Rennen: "Es ist einfach unglaublich. Ich bin überwältigt. Einmal in Le Mans zu gewinnen, das war immer mein großer Traum, mein Ziel." Auch der achtfache Le-Mans-Sieger Tom Kristensen war trotz des Rennpechs seines Teams begeistert vom Triumph: "Le Mans gibt und nimmt. Es gibt Triumph und Tragödie." Ein schwacher Trost für das Team von Peugeot, aber ein gutes Schlusswort zum härtesten Auto-Rennen der Welt.

Quelle: n-tv.de

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