Lebensretter mit LückenHitze im Auto: ADAC testet Kinder-Warnsysteme

Hitze im Auto ist für zurückgelassene Kinder und Tiere eine tödliche Gefahr. Präventiv eingreifen können moderne Warnsysteme. Die funktionieren an sich schon gut, offenbaren bei Neugeborenen allerdings eine Schwäche.
Wer Kinder oder Tiere etwa auf einem Supermarkt-Parkplatz im Auto zurücklässt, bringt sie im Sommer in tödliche Gefahr. Dem sollen sogenannte Child-Presence-Detection-Systeme entgegenwirken, von denen der Verkehrsclub ADAC nun vier Varianten in aktuellen Modellen unterschiedlicher Hersteller praktisch überprüft hat. Alle Systeme weisen Unterschiede auf und erfüllen ihre Aufgabe weitgehend, werden von den Testern zugleich aber als optimierungswürdig eingestuft.
Untersucht wurden der Mercedes-Benz CLA, der Zeekr 001, der BMW iX3 und der BYD Seal. Dabei prüfte der Automobilclub mehrere Szenarien mit einem Neugeborenen in einer per Isofix oder Sicherheitsgurt befestigten Babyschale sowie einem einjährigen Kind im Isofix-Kindersitz. Zusätzlich sollte die Technik einen Hund auf der Rückbank erkennen.
Zwei Warnsysteme
Grundsätzlich kamen in der Untersuchung zwei Warnsysteme zum Einsatz. Der Mercedes verfügt über eine indirekte Lösung, die den Zustand der Gurtschlösser, die Sitzbelegung und das Öffnen der Türen auswertet. Zeekr, BMW und BYD setzen dagegen auf Radarsensoren im Innenraum, die selbst auf geringe Bewegungen wie Atmung sensibel ansprechen sollen.
Der Mercedes konnte in allen geprüften Fällen warnen, dabei jedoch nicht sicher feststellen, ob sich tatsächlich ein Kind auf der Rückbank befand. Zudem beschränkt sich beim CLA der Hinweis auf eine Meldung im Zentraldisplay, weitere optische oder akustische Warnungen gibt es nicht.
Die direkt messenden Systeme erkannten die meisten Testsituationen ebenfalls zuverlässig, offenbarten jedoch eine gemeinsame Schwäche: Keines der drei Fahrzeuge registrierte das Neugeborene in der Isofix-Babyschale, obwohl der eingesetzte Dummy Atembewegungen nachahmte.
Unterschiede bei Warnstrategie
Unterschiede gibt es zudem bei der Warnstrategie. Alle drei Modelle mit Radartechnik aktivieren nach einer gewissen Zeit die Warnblinker. BYD Seal und Zeekr 001 machen zusätzlich per Hupe oder Alarmanlage auf die Gefahr aufmerksam. Je nach Konfiguration ist auch eine Benachrichtigung über die Smartphone-App möglich. Positiv fiel der BMW iX3 auf, der eine für Passanten gut sichtbare Meldung im Zentraldisplay ausgibt.
Trotz der höheren Erkennungsrate des indirekten Mercedes-Systems sieht der ADAC langfristig mehr Potenzial in der Radartechnik. Sie kann die tatsächliche Anwesenheit eines Kindes feststellen und ist nicht auf Rückschlüsse aus Türkontakten, Sitzbelegung oder Gurtschlössern angewiesen. Allerdings müsse die Technik zuverlässig arbeiten und Fehlalarme vermeiden, da diese die Akzeptanz beeinträchtigen könnten.
Grundsätzlich bewertet der Automobilclub die Warnsysteme als sinnvolle zusätzliche Sicherheitsmaßnahme. Eltern und Betreuungspersonen können sie jedoch nicht aus der Verantwortung nehmen. Babys, Kinder und Tiere sollten bei warmem Wetter niemals im Auto zurückbleiben, auch nicht für vermeintlich kurze Zeit. Der Innenraum kann sich bereits nach wenigen Minuten gefährlich aufheizen.