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6000 Liter Kaffee-Diesel darf die Linie 148 in London verfahren.
6000 Liter Kaffee-Diesel darf die Linie 148 in London verfahren.(Foto: Shell)
Mittwoch, 27. Dezember 2017

Umweltfreundliche Technologie: Londoner Bus fährt mit Kaffee-Diesel

Die Engländer sind ein Volk von Teetrinkern. In Zukunft sollten sie im Interesse ihrer CO2-Emissionen wohl mehr Kaffee konsumieren. Schließlich fährt in London seit gut vier Wochen ein Bus, der mit Kaffee-Diesel befeuert wird.

Kraftstoff aus Kaffeesatz soll die Londoner Buslinien umweltfreundlicher machen. Der Mineralölkonzern Shell und das Technologie-Unternehmen Bio-Bean haben ein Verfahren entwickelt, aus dem im Kaffeesatz enthaltenen Öl einen synthetischen Kraftstoff zu generieren, der zusammen mit anderen Bio-Spritkomponenten dem konventionellen Diesel der Londoner Busse zugemischt wird.

Ein Jahr mit Kaffee-Diesel

Bio-Bean-Gründer Arthur Kay ist überzeugt, dass sein Kaffee-Diesel ein großer Wurf ist.
Bio-Bean-Gründer Arthur Kay ist überzeugt, dass sein Kaffee-Diesel ein großer Wurf ist.

Für die Herstellung sammelte Bio-Bean große Mengen an Kaffeesatz von Café-Ketten in der britischen Hauptstadt ein und verarbeitete sie zu Kaffee-Öl. Seit Ende November fährt nun ein Bus in der englischen Hauptstadt mit dem umweltfreundlichen Kaffee-Bio-Diesel. Der Clou ist, dass der Bus für die Nutzung des Kaffee-Sprits nicht umgerüstet werden musste.

Zunächst gibt es den Kaffee-Sprit allerdings nur in kleinen Mengen: Insgesamt haben die beiden Unternehmen bislang 6000 Liter Kaffeeöl gewonnen. Eine Menge die unverdünnt reicht, um einen einzigen Bus ein Jahr lang zu betreiben. Insgesamt verbrennt das Londoner Verkehrssystem (TfL) jährlich rund 240 Millionen Liter Diesel.

Potenzial für Kaffeeländer

Shell betont jedoch das Potenzial der Technik, vor allem in einem Land wie Deutschland, wo pro Jahr 404 Millionen Kilogramm Röstkaffee verkauft werden. Großbritannien ist in dieser Hinsicht mit gut 40 Millionen Kilogramm eher ein kleiner Markt. Letztlich wollen die Unternehmen mit der Aktion auf die ungenutzten Ressourcen hinweisen, die täglich im Abfall landen.

"Wir haben in Großbritannien angefangen, aber stellen Sie sich das Potenzial eines Landes wie Deutschland vor, in dem mehr als 61 Milliarden Tassen Kaffee pro Jahr getrunken werden. Wenn wir unseren Umgang mit Reststoffen ändern, können wir in Zukunft nachhaltigere Städte schaffen", sagte Bio-Bean-Gründer Arthur Kay der Mitteilung zufolge. Das Recycling hat demnach noch Luft nach oben: Bio-Bean kann derzeit 50.000 Tonnen Kaffeesatz im Jahr verarbeiten - allein in London fallen aber 200.000 Tonnen im Jahr an.

Der in London eingesetzte Bio-Sprit soll neben einem Werbeeffekt für die beteiligten Unternehmen vor allem eine Verbesserung der CO2-Bilanz im ÖPNV bringen. Dass er darüber hinaus die Luftqualität durch anregenden Kaffeeduft verbessert, ist jedoch nicht zu erwarten. Durch die Verarbeitung zu Kraftstoff geht jeder Wohlgeruch verloren.

Quelle: n-tv.de