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Teuer, aber richtig gut Mercedes GLA - der neue SUV-Einsteiger

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Ganz im Stil eines SUV fährt der neue Mercedes GLA bald zu den Händlern.

Wahrscheinlich wäre auch der neue Mercedes GLA in die Messehallen nach Genf gefahren, jetzt rollt er wegen des Coronavirus nicht mal aus den Produktionshallen. Dennoch hatte ntv.de die Gelegenheit, das neue Einstiegs-SUV der Stuttgarter zu fahren. Hier die ersten Eindrücke.

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Das Heck des neuen Mercedes GLA ist sehr gelungen.

(Foto: Holger Preiss)

Noch stehen die Bänder bei Mercedes wegen der Corona-Krise still, doch wenn sie wieder laufen, dann wird auch der neue GLA zu den Händlern rollen. Wie gehabt soll er den Einstieg in die SUV-Familie, die bis zu einem sündhaft teuren GLS reicht, bilden.

Ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der optisch mit einer fast schon coupéhaften Linie der Sportlichkeit frönte, fühlt sich der Nachkomme mehr dem Offroad-Design verpflichtet. Das heißt: aufrechte Frontpartie, kurze Überhänge an Front und Heck und natürlich Verplankungen an den Kotflügeln oder wie der Kenner sagt, schützende Claddings.

Mehr SUV als Sportler

Doch wie man es auch nennen will, betrachtet man das kleinste SUV aus Stuttgart schräg von vorne, wirkt es ein wenig pummelig. Das mag den fehlenden Sicken geschuldet sein oder auch nur im Auge des Betrachters liegen. Fakt ist, dass der neue GLA zehn Zentimeter höher und anderthalb Zentimeter kürzer ist als sein Vorgänger. Was wiederum zur Folge hat, dass die Sitzposition des Fahrers und des Beifahrers knapp zehn Zentimeter höher ist als beim Vorgänger und natürlich das Gefühl der Erhabenheit auf der Straße hebt. Und noch einen entscheidenden Vorteil bringt die veränderte Form mit sich: Die Rundumsicht ist besser, weil der Querschnitt der Dachsäulen optimiert werden konnte.

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Der Kofferraum des neuen Mercedes GLA ist auf 435 Liter gewachsen.

(Foto: Holger Preiss)

Doch viel wichtiger ist, dass mit den veränderten Proportionen auch der Nutzwert im Vergleich zur ersten Generation entscheidend verbessert werden konnte. Dass sich die Fondlehne in Serie im Verhältnis 40:20:40 umlegen lässt, überrascht hier nicht, aber dass sich die Segmente der Sitzbank optional um 14 Zentimeter in Längsrichtung verschieben lassen und den 435 Liter fassenden Kofferraumvolumen so für sperriges Ladegut erweitern, schon, denn das gab es so im GLA noch nicht. Auch der höhenverstellbare Ladeboden ist neu und sorgt in der obersten Stellung dafür, dass eine annähernd plane Ladefläche entsteht. In Summe erhöhen alle diese Kleinigkeiten sowohl die Alltags- als auch die Reisetauglichkeit des Knuddel-SUV aus Stuttgart.

Mit dem 190 PS-Diesel gut motorisiert

Apropos Alltagstauglichkeit. Spätestens bei diesem Wort stellt sich die Frage nach der Motorisierung. Für das erste Fahrvergnügen haben die Stuttgarter ntv.de den 220d mit Allradantrieb zur Verfügung gestellt und damit auch für Vielfahrer, die mindestens 44.125 Euro investieren, die wohl angenehmste Art der Fortbewegung. Aus dem Vierzylinder-Diesel mit 1950 Kubikzentimetern Hubraum werden 190 PS generiert. Ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern wird bei Bedarf im Verhältnis von 50:50 im Offroad-Modus oder 70:30 in Sport oder 80:20 im Comfort- und Eco-Modus an beide Achsen über ein exzellent schaltendes 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe weitergereicht.

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Der 190 PS starke Diesel ist ein sehr sparsamer Zeitgenosse.

(Foto: Holger Preiss)

Anders als beim Vorgänger wird das Hinterachsgetriebe mit integrierter Lamellenkupplung nicht hydraulisch, sondern elektro-mechanisch betätigt. Das heißt, dass dank einer elektronischen Vorsteuerung des Allradantriebs bereits Drehmoment auf die Hinterachse gebracht wird, bevor die Vorderräder durchdrehen können. Ein Umstand, der im Normalbetrieb auf Schnee und Eis eintreten kann und den kleinen Offroad-Benz zwar nicht für die Tour durch Sibirien fit macht, ihn aber problemlos durch leichtes Gelände surfen lässt.

Doch kommen wir noch einmal zurück zum Motor im 220d. Der überzeugt nämlich nicht nur durch flotten Antritt - in 7,3 Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100 -, er erfreut auch durch seine Laufruhe und dank einer direkt am Motor erfolgenden Abgasnachbehandlung mit der Erfüllung der Norm Euro 6d. Beim Testverbrauch war der 220d im GLA dann auch nah an den Datenblattwerten. Dort ist im Drittelmix die Rede von 5,3 Litern. Wer den Wagen sanft bewegt, landet bei 5,9 Litern. Realistisch sind dann - mit kleinen Ausreißern auf der Autobahn, denn der 220d bringt es in der Spitze auf 219 km/h - erfahrene 6,7 Liter. Doch es gilt wie immer: Der Verbrauch wird zu großen Teilen über den Gasfuß bestimmt.

Vortrieb in allen Varianten

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Dank einer gewachsenen Höhe um zehn Zentimeter bietet der neue GLA auch mehr Raum auf allen Plätzen.

(Foto: Holger Preiss)

Wer sich nach wie vor so gar nicht mit einem Diesel anfreunden kann, der hat zum Marktstart noch die Wahl zwischen zwei Benzinern. Beide Triebwerke schöpfen ihre Kraft ebenfalls aus einem Vierzylinder, während der kleinere im GLA 200 der auf diesen Seiten schon in unterschiedlichen Fahrzeugen und Leistungsstufen besprochene 1,33 Liter von Renault ist. Auch in der Applikation von Mercedes mit 163 PS konnte er nicht vollständig überzeugen. Dafür ist es aber mit 37.370 Euro der preiswerteste GLA. Denn schon als GLA 250 mit dem 2,0-Liter-Benziner und 225 PS kostet er 42.176 Euro. Mit Allradantrieb sind es dann noch mal 2300 Euro mehr.

Wem das alles nicht passt und wer lieber teil- oder vollelektrifiziert unterwegs ist, wird mit dem GLA oder dem zu erwartenden EQA dann auf seine Kosten kommen. Der Hybrid dürfte dann wie der A 250e ausgestattet sein, also mit dem schon erwähnten Vierzylinder von Renault. Der zweite Antrieb ist dann ein Elektromotor, der allein 102 PS hat. Insgesamt beträgt die Nennleistung 218 PS. Die rein elektrische Reichweite dürfte dann wie beim A 250e bei etwa 50 Kilometern liegen. Wann die Elektriker zu haben sind, ist für den Moment nicht zu sagen. Angekündigt waren sie für das erste Quartal 2020, durch die Corona-Krise dürfte sich das aber nach hinten verschieben.

Begehrenswerte Zugaben haben ihren Preis

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Wer den Innenraum mit großem Display und MBUX haben will, muss für den GLA etwas mehr Geld in die Hand nehmen.

(Foto: Holger Preiss)

Doch egal, wie der GLA auch befeuert wird: Zur Wahl stehen zwei Fahrwerksvarianten. Serienmäßig ist ein "Komfortfahrwerk" mit Stahlfederung verbaut, optional gibt es eine adaptive Verstelldämpfung. Letztgenanntes gibt es nur im Paket mit größeren Bremsscheiben, schlüssellosem Zugang und Multibeam LED. Das Ganze kostet dann zusätzlich 3522 Euro und war auch im Testwagen verbaut. Auch wenn es eine Menge Geld ist, darf es an dieser Stelle als Empfehlung verstanden werden. Denn es bietet dem Fahrer nicht nur die Möglichkeit, die Dämpfercharakteristik selber zu bestimmen oder entsprechend der Fahrmodi einzustellen, sondern bereichert auch den Fahrkomfort insgesamt. Hinzu kommen eben fein dosierbare und sehr standfeste Bremsen.

Wenn also an dieser Stelle noch eine Investitionsempfehlung ausgesprochen wurde, dann darf über die weiteren recht kostspieligen Features nachgedacht werden. Denn richtig ins Geld gehen die Assistenzsysteme, die Mercedes für den GLA in petto hat. Da ist zum Beispiel das Fahrassistenz-Paket mit Adaptivem Abstandsradar, Geschwindigkeitsanpassung, Lenkunterstützung und selbständigem Spurwechsel. Alles super, nur das permanente einseitige Einbremsen mit leichter Spurkorrektur, wenn man dem Seitenstreifen zu nahe kommt, erschrickt einen eher, als dass es wirklich hilfreich ist. Denn wenn auf Landstraßen überbreite Ackermaschinen fahren, kann es schon sein, dass man etwas näher an den rechten Fahrbahnrand ausweichen muss. Dennoch auch diese 1833 Euro lohnen sich.

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Auch in der Silhouette ist der neue Mercedes GLA mehr SUV als Coupé.

(Foto: Holger Preiss)

Aber damit ist natürlich noch lange nicht Schluss beim Häkchen setzen in der Optionsliste. Für eine elektrische Heckklappe, LED-Scheinwerfer, beheizte Scheibenwaschanlage und 4-Wege-Lordosenstütze werden 1428 Euro fällig. Das Multimedia-System MBUX mit Verkehrszeichenerkennung, Festplatten-Navi und Smartphone-Integration kostet 1541 Euro. Möchte man dazu noch ein volldigitales Instrumenten-Display, induktives Laden und Augmented Reality fürs Navi, also die frontkamerabasierte Darstellung bestimmter Verkehrssituationen, sind es schon 3552 Euro. Der aktive Parkassistent kostet mindestens 1106 Euro, mit 360-Grad-Darstellung sind es 1594 Euro. Anklappbare Seitenspiegel müssen mit 476 Euro bezahlt werden.

Die Liste könnte noch fortgesetzt werden, aber hier muss jeder für sich entscheiden, ob sein Verlangen nach den Extras mit seinem Bankkonto in Einklang steht. Am Ende kostet der Testwagen mit allem Schnick und Schnack 59.458 Euro. Für den Einstieg in die SUV-Welt von Mercedes ist das ein echter Batzen Geld.

Quelle: ntv.de