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Die F.B Mondial HPS 125i ist in jedem Fall ein Hingucker.
Die F.B Mondial HPS 125i ist in jedem Fall ein Hingucker.
Dienstag, 01. Mai 2018

Gelungener Hingucker: Mondial HPS 125i - Hipsters Playmobil

Aktuell werden alte Marken gerne mit neuem Inhalt gefüllt. Im Falle von Mondial steht dahinter die ursprüngliche Gründerfamilie. Die kleinen Anfänger können sich sehen und vor allem fahren lassen, wie die HPS 125i.

Extrem kurz geraten ist das Heck der Mondial HPS 125i, entsprechend knapp die Sitzbank.
Extrem kurz geraten ist das Heck der Mondial HPS 125i, entsprechend knapp die Sitzbank.

Triumph aus England, Indian aus Amerika, dazu die deutschen Marken Kreidler und Horex – immer wieder findet sich jemand, der eine teils Jahrzehnte inexistente Motorradmarke wiederbelebt und – im besten Fall – dauerhaft auf die Erfolgsstraße führt. Häufiger sind freilich die Fälle, in denen die Reanimation misslingt. Einmalig ist aber der Vorgang um die 1929 gegründete italienische Marke F.B Mondial: Sie erlebt derzeit die Wiedergründung nach dem Niedergang in den Jahren 1960 bis 1979. Federführend initiiert von einem direkten Nachfahren der Gebrüder Boselli; für sie stehen die Initialen "F.B" – Fratelli Boselli. Erstes Modell im deutschen Handel ist die F.B Mondial HPS 125i, dazu gibt es mittlerweile eine 125er Supermoto und eine Achtelliter-Enduro. Demnächst sollen der dritte und der vierte Schritt in Form einer 300er und einer weiteren Baureihe erfolgen.

Die F.B Mondial HPS 125i ist, egal aus welchem Blickwinkel betrachtet, ein Hingucker: Extrem kurz geraten ist das Heck, entsprechend knapp die in einem schönen Braunton gehaltene Sitzbank mit bürzelartigen Zuschnitt. Ja, es gibt Fußrasten für eine Sozia, wo diese aber Platz finden soll, bleibt im Ungefähren. Die zwei im Scrambler-Stil, also auf Höhe der Fahrer-Knie verlegten, extrem kurzen Auspuffrohre verfehlen ihren Zweck als Eyecatcher ebenso wenig wie der gebogene Stahllenker mit den beiden verchromten Lenkerenden-Spiegeln. Dazu noch die ausladende Motor-Unterverkleidung, der ungewöhnlich geformte Scheinwerfer und die mit dicken Stollenreifen besohlten Speichenräder – das passt einfach.

Funktionalität nicht im Vordergrund

Der vom Piaggio-Konzern bezogene, wassergekühlte Einzylindermotor stellt 14 PS bereit.
Der vom Piaggio-Konzern bezogene, wassergekühlte Einzylindermotor stellt 14 PS bereit.

Die Auflistung der Besonderheiten an der F.B Mondial HPS 125i hat es bereits gezeigt: Funktionalität stand nicht im Vordergrund der Design-Bemühungen. Wie auch, steht doch hinter dem Code HPS der Begriff Hipster. Die fantastisch aussehenden Lenkerenden-Spiegel lassen die Gesamtbreite von 71 auf sagenhafte 104 Zentimeter anwachsen und erschweren damit das Durchschlängeln im dichten Kolonnenverkehr. Die von schicken Hitze-Isolatoren bewehrten Auspuffrohre beeinträchtigen die entspannte Fußhaltung und der kurze Sitz gestaltet die Mitnahme einer zweiten Person zu einer Herausforderung – aber egal: Die kleine Mondial verfehlt ihre Wirkung nicht, ist ganz einfach eine Stimmungskanone, zu nichts anderem gut als freudvoll durch die Stadt und über Land zu flitzen. Was will man mehr!

Der vom Piaggio-Konzern bezogene, wassergekühlte Einzylindermotor stellt 14 Euro-4-konforme Pferdestärken bereit und ist ein angenehmer Antrieb. Sehr vibrationsarm und drehfreudig geht das Kleintriebwerk zur Sache. Dass "untenrum" nicht viel los ist, versteht sich von selbst. Aber wer die Drehzahl immer jenseits der 7500er Marke hält und auch vor dem Erreichen des Drehzahlbegrenzers bei etwa 10.600 Touren nicht zurückscheut, kommt zügig voran. Von drängelnden Lkw bleibt man auf der Mondial verschont: Der Tacho zeigt in der Ebene etwa 110 km/h an, und selbst an Steigungen lassen sich an die 100 km/h halten, wenn man den fünften Gang einlegt und tapfer Vollgas gibt. Der Verbrauch ist mit rund drei Litern pro 100 Kilometer absolut gesehen gering, im Verhältnis zu Hubraum und Leistung aber hoch, doch fordern permanent hohe Drehzahlen naturgemäß ihren Tribut.

Stabil auf Kurs

Das Fahrwerk der Mondial HPS 125i ist straff aber nicht unkomfortabel.
Das Fahrwerk der Mondial HPS 125i ist straff aber nicht unkomfortabel.

Das Fahrwerk mit einer immerhin vier Zentimeter starken Upside-down-Gabel und zwei mit einem Ausgleichsbehälter aufwartenden Federbeinen ist straff, aber nicht unkomfortabel abgestimmt. Dank ihres geringen Gewichts von nur 133 Kilogramm und des breiten Lenkers lässt sich die Mondial leicht einlenken und ebenso leicht wie stabil auf Kurs halten. Die beiden Scheibenbremsen im filigranen Wave-Style greifen bestens und liefern gute Verzögerungswerte; der Blockiergefahr begegnet man durch Installation eines Kombi-Bremssystems.

Nach ein wenig Eingewöhnung ist auch das an ein Zahnrad erinnernde Zentralinstrument im Cockpit gut ablesbar; das Fahrtempo erscheint digital, die Motordrehzahl kringelt am äußeren Rand entlang, kann aber zusätzlich noch digital angezeigt werden. Gut integriert sind Anzeigen für die Kühlmitteltemperatur, den Tankvorrat und die Uhrzeit.

Gebaut in China

Auch wenn hinter der Firma F.B Mondial 2.0 ein Boselli steckt und die Entwicklung in Italien erfolgt: Gebaut werden die HPS 125i und ihre Halbschwestern natürlich nicht mehr am einstigen Firmensitz in Manerbio in der italienischen Lombardei, sondern in China; mit Ausnahme des Motors kommt die gesamte Technik (Federelemente, Bremsen, Reifen, Beleuchtung…) von dort. Eine Montage in Europa würde es mit Sicherheit nicht zulassen, das Fahrzeug für 3495 Euro auf den Markt zu bringen und dabei noch etwas zu verdienen.

Vom deutschen Importeur ist zu hören, dass der Einzylindermotor der hubraumstärkeren Version HPS 300i aus 250 bis 300 Kubikzentimetern Hubraum etwa 25 PS liefern wird und das Fahrzeug inklusive ABS und Liefernebenkosten 4290 Euro kosten soll. Zusätzlich ist noch für 2018 eine zweite Modellreihe namens Pagani in der Pipeline, basierend auf der HPS. Mit Vollverkleidung und sportlichem Heck soll es sie als 125er für 4000 Euro und als 300er für 4500 Euro geben. Es könnte also durchaus sein, dass es Graf Pier Luigi Boselli tatsächlich gelingt, die Marke F.B Mondial wieder dauerhaft im Markt zu verankern. Ob es freilich eines Tages zu solch gewaltigen Erfolgen wie in den zehn Weltmeistertiteln reichen wird, die F.B Mondial in den Jahren 1949 bis 1957 einfahren konnte, lässt sich heute noch nicht absehen. Warten wir’s ab.

Quelle: n-tv.de