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Großes Entwicklungspotenzial Nächste Revolution der Automobilindustrie

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CAD (computer-aided design) ist für Auto-Konstrukteure zu einem essentiellen Werkzeug geworden.

Die vierte industrielle Revolution ist in vollem Gange: Software- und Elektronik-Innovationen gewinnen für die Automobilindustrie zunehmend an Bedeutung. Von der virtuellen Entwicklung bis zum voll vernetzten Auto - die Branche greift nach dem Internet der Dinge.

Ein selbstständig driftender BMW, ein virtuelles Anzeigendisplay bei Audi, ein Mercedes-Benz, der mit einer Smartwatch kommuniziert - bei der Elektronikmesse CES in Las Vegas zeigten Hersteller kürzlich eindrucksvoll, wie eng Auto und Informationstechnologie zusammengerückt sind. Dabei hat die voll vernetzte Zukunft unter dem Blechkleid schon längst begonnen. Kein komplexes, industriell hergestelltes Produkt, egal, ob Flugzeugmotor, Turbine oder eben Fahrzeug wird heute ohne eigene Computerprogramme entwickelt.

Bei Ford hat man errechnet, dass inzwischen 60 Prozent der Innovationen, die in einem Auto stecken, mit Software und Elektronik zu tun haben. Das gilt nicht nur für elektronisch gesteuerte Assistenzsysteme und Infotainmentpakete für die Passagiere, sondern für den gesamten Herstellungsprozess eines Autos.

Crashtests am Rechner

Die digitalen Dienstleister bieten dafür virtuelle Plattformen, die sowohl Entwicklung wie Produktion in allen Stufen effizienter machen. Das reicht in der Autoherstellung beispielsweise von der Möglichkeit, direkt am Rechner in 3D-Qualität Autokomponenten wie eine Hinterachse zu berechnen und in die Karosserie einzupassen sowie ohne aufwendige Crashtests realistische Verformungen zu simulieren. Zur neuen "smarten" Phase der Industrie zählt natürlich auch die frühzeitige Vernetzung und Abstimmung mit Zulieferern genauso wie die virtuelle Abbildung einer Fertigungslinie inklusive Steuerung der Roboter.

Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von PLM (Product Lifetime Management). Hinter dem Begriff verbirgt sich eine digitale Organisationsstruktur, die alle Informationen zu einem Produkt integriert und verwaltet. "We connect the dots", sagt Olivier Sappin. Der drahtige, junge Franzose ist bei Dassault Systèmes zuständig für den Bereich Transport und Mobilität und meint mit dem Bild von den Punkten, die miteinander verknüpft werden den ganzheitlichen Ansatz, der Hersteller, Zulieferer und Kunden einbindet. "Es ist nicht nur zeitaufwändig, es kostet auch schlicht Geld, wenn alle Beteiligten - ob Entwicklung oder Vertrieb - vor sich hin arbeiten und von relevanten Informationen ausgeschlossen sind."

Auch Konnektivität und das vernetzte Auto der Zukunft zeichnen sich längst als neue Geschäftsfelder der PLM-Branche ab. Sappin hat auch schon ein ganz konkretes Ziel: das Zero Defect Car. Mit dem neuen ambitionierten Projekt will Dassault Systèmes dafür sorgen, das künftig jedes Fahrzeug bereits mängelfrei vom Band läuft. Was angesichts unzähliger Rückrufaktionen der Autoindustrie derzeit wie Science Fiction anmutet, hat auch schon einen Namen: Industrie 4.0. Diese vierte industrielle Revolution zündet nach Dampfkraft, Massenherstellung und Automatisierung die nächste Stufe hin zum Internet der Dinge. In dieser Vision, die zunehmend realer wird, werden sich nicht nur intelligente Maschinen selbst steuern und optimieren, auch das Produkt selbst - zum Beispiel ein Auto - wird in der Lage sein, schon während der Produktion Korrekturen an sich vorzunehmen.

Quelle: n-tv.de, ail/sp-x

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