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Verzicht ist mit einberechnet Nissan X-Trail - der Große fürs kleine Geld

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In Deutschland kaum gesehen, gehört der Nissan X-Trail weltweit zu den meistverkauften SUV.

(Foto: Holger Preiss)

SUV mit der stolzen Länge von 4,70 Metern sind nicht nur wegen ihrer technischen Ausstattung meist keine Schnäppchen. Nissan hat sich der technischen Aufrüstung entzogen und bietet mit dem X-Trail eine preiswerte Variante an. Aber kann die auch im n-tv.de Praxistest bestehen?

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Die 18-Zoll-Leichtmetallräder für den Nissan X-Trail gibt es erst in der N-Connecta-Ausstattung.

(Foto: Holger Preiss)

Wer auf der Suche nach einem SUV um die 4,70 Meter ist, wird vermutlich zuerst bei einem BMW X3, einem Mercedes GLE, einem Audi Q5 oder der preiswerten Alternative, dem Skoda Kodiaq landen. Dabei haben auch andere Hersteller große SUV, wie zum Beispiel Nissan den X-Trail. Während der Japaner hierzulande immer im Schatten seines kleineren Bruders, dem Qashqai fährt, gehört er weltweit zu den am häufigsten verkauften Fahrzeugen seiner Klasse und ist das meistverkaufte Nissan-Modell überhaupt. Ein guter Grund, den Asiaten nach Berlin zum Praxistest zu bitten.

Dass der X-Trail sich so gut verkauft, hat natürlich seine Gründe. Einer ist der Preis: In der Grundausstattung Acenta mit dem von Renault übernommenen 1,33-Liter-Vierzylinder, der 160 PS leistet - sich aber im X-Trail nach weniger anfühlt - und ein maximales Drehmoment von 270 Newtonmetern auf die Vorderachse stemmt, kostet das SUV schlanke 31.200 Euro. Das ist gemessen an dem, was die oben angeführte Konkurrenz teilweise aufruft, schon fast ein Schnäppchen. 3250 Euro mehr muss bezahlen, wer die N-Connecta-Ausstattung ordert. Darin enthalten sind eine 360-Grad-Kamera, eine elektrische Heckklappe, Sitz- und Lenkradheizung, Voll-LED-Scheinwerfer, Navi und 7-Zoll-Farb-Touchscreen.

Eine Sache der Gewohnheit?

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Das Cockpit im Nissan X-Trail ist solide, aber deutlich am Zeitgeist vorbei.

(Foto: Holger Preiss)

Hört sich erstmal gut an. Das Problem hierbei ist nur, dass man das Gefühl hat, Nissan habe all das erst sukzessive im X-Trail eingeführt und dann jeden freien Platz wahllos mit einer Bedientaste belegt. So befindet sich beispielsweise die Taste für die Lenkradheizung auf Höhe des linken Knies, die elektrische Handbremse ist unterhalb der Armatur in der Mittelkonsole verbaut und die Schalter für die Sitzheizung liegen neben den Sitzen auf der Mittelkonsole, eben dort, wo man die Handbremse vermuten würde. Nun gut, das ist alles eine Sache der Gewohnheit und soll hier gar nicht weiter ablenken.

Ansonsten wirkt der Arbeitsplatz des Fahrers vertraut, aber angesichts der allgegenwärtigen Digitalisierung auch etwas retro. Dabei stören nicht mal die durchaus schicken Rundinstrumente, die zentrale Matrix oder die wirklich gut zu bedienenden Lenkradtasten. Was dieses Gefühl verursacht, ist der 7-Zoll-Farb-Touchscreen und dessen etwas hausbackene Bedienbarkeit über die neben dem Monitor angebrachten Tasten. Auch die Grafik auf dem Monitor ist dem Zeitgeist deutlich entrückt. Anderseits mag sich der eine oder andere darüber freuen, dass er hier die Dinge noch abseits des Monitors steuern kann.

Alles andere als ein Sportler

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Über Platzmangel muss keiner klagen, der im Nissan X-Trail unterwegs ist.

(Foto: Holger Preiss)

Ansonsten kann man sich mit dem Innenleben des X-Trail durchaus anfreunden. Die Verarbeitung ist ordentlich und Nissan hat mit einigen Applikationen in Leder, schwarzem Klavierlack und Sichtkarbon durchaus für Akzente gesorgt. Die Sitze sind angenehm straff, könnten aber eine etwas breitere Sitzfläche haben, denn einige Menschen dürften mit den Pobacken schnell auf den Seitenwangen sitzen, was dann nicht mehr so bequem ist. Der Seitenhalt der Polster kann im X-Trail dann auch getrost vernachlässigt werden, denn das SUV ist alles andere als ein Sportler.

Das gäbe weder das Fahrwerk her noch die Lenkung oder der kleine Vierzylinder, der an ein Siebengang-DCT gekoppelt ist. Letztgenannte Kombination wirkt schon bei leichtem Druck aufs Gaspedal extrem nervös. Hier kann der X-Trail schon mal unvermittelt antreten, was nicht in jeder Situation im Stadtverkehr für Freude sorgt, denn die 270 Newtonmeter maximales Drehmoment werden bei 1800 Kurbelwellenumdrehungen sehr unvermittelt auf die Vorderräder geworfen. Trotz der kurzen Schaltwege und der wirklich geschmeidigen und kaum spürbaren Gangwechsel wirkt der Motor immer etwas ungnädig und tut das mit ordentlichem Knurren auch kund. Mehr Spaß macht es da, den Gangwahlhebel nach links in den Sportmodus zu ziehen. Jetzt kann man sich an einem deutlich flotteren Start erfreuen und bekommt als Sahnehäubchen obendrauf auch noch ein dynamisches Überschalten des Automaten. Für den Spurt auf Landstraßentempo braucht der X-Trail 11,5 Sekunden und in der Spitze sind 198 km/h möglich.

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Auch wenn man den Nissan X-Trail von hinten betrachtet, gibt er das große SUV.

(Foto: Holger Preiss)

Natürlich werden im Sportmodus die Drehzahlen hoch gehalten und die Gangwechsel erfolgen jenseits der 5000. Das wiederum hat zur Folge, dass der ohnehin nicht besonders zurückhaltende Spritkonsum noch etwas nach oben geht. Im Test genehmigte sich der X-Trail je nach Fahrweise zwischen 8,3 und 9,2 Liter über 100 Kilometer. Allerdings lässt man die sportlichen Ambitionen spätestens dann fahren, wenn man einmal schnelle Wechselkurven gefahren ist. Dafür ist die Lenkung zu indifferent und die Federung zu weich. Hier schiebt der Japaner schneller über die Vorderachse, als einem unter Umständen lieb ist.

Der staut was weg

Apropos Fahrwerk und Federung. Während man mit dem großen Japaner ganz famos gleiten kann, macht er bei langsamer Fahrt und starken Bodenwellen keinen Hehl daraus, worüber er gerade rollt. Komischerweise ist die Federrate hier schon fast unangenehm kurz. Das kann natürlich dem Umstand geschuldet sein, dass die Fahrwerksentwickler davon ausgegangen sind, dass der X-Trail ob seiner Ladeeigenschaften immer gut bestückt unterwegs ist. Immerhin kann der Fahrer hinter der elektrisch etwas langsam öffnenden Hecklappe 565 Liter Stauraum bestücken. Der ist dank der verschiebbaren Sitze in der zweiten Reihe auch noch variabel auszubauen. Legt man die Rücklehnen um, dann erweitert sich die Ladefläche auf einem planen Boden auf 1996 Liter. Um Ordnung zu halten, hat Nissan hier auch einen doppelten Ladeboden verbaut, dessen Abdeckungen allerdings einfach nur aufgelegt werden.

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Wer viel zu laden muss, wird mit dem Nissan X-Trail seine Freude haben.

(Foto: Holger Preiss)

Erstaunlich ist, dass der X-Trail auf den ersten Blick gar nicht wirkt, als wäre er 4,69 Meter lang. Das macht sich tatsächlich erst beim Zuladen bemerkbar oder wenn man auf der Suche nach einem Parkplatz forsch in die Lücke zieht. Spätestens dann weist einen das aufgeregte Piepen der Parksensoren und die 360-Grad-Kamera darauf hin, dass das japanische Schlachtschiff hier wohl nicht abzustellen ist. Warum erzähle ich das? Weil sich der Autor genau an dieser Stelle über einen Parkassistenten gefreut hätte, der die Lücken vermisst und das SUV dann selbständig einparkt. Aber diesen Helfer gibt es bei den Japanern ebenso wenig wie Spurhalteassistent, Totwinkelwarner oder Stau- und Anfahrassistent. Kurz, was Assistenten betrifft, zeigt sich Nissan eher geizig. Anders ist aber auch der recht niedrige Preis des X-Trail nicht zu erklären.

Fazit: Wer ein großes SUV zu einem vernünftigen Preis sucht, keine sportlichen Ambitionen hat und gerne selbst das Heft in der Hand behält, der ist mit dem Nissan X-Trail gut beraten. Wer hingegen Fahrarbeit abgeben möchte und auch auf die anderen Punkte Wert legt, der muss etwas mehr Geld in die Hand nehmen und sich bei anderen Herstellern umsehen.

DATENBLATTNissan X-Trail 1.3 DIG-T
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,69 m/ 1,83 m/ 1,73 m
Radstand2,70 m
Leergewicht (DIN)1575 - 1672 kg
Sitzplätze5
Emissionsklasse (WLTP)EU 6d-Temp
Motor/HubraumR4-Turbobenziner mit 1333 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-DCT
Leistung160 PS (117 kW) bei 5500 U/min
max. Drehmoment260 bei 1800 U/min
KraftstoffartBenzin
Tankinhalt55 Liter
Kofferraum565/ 1996 Liter
Höchstgeschwindigkeit198 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,5 s
Normverbrauch (kombiniert) NEFZ 6,1 l
Testverbrauch9,2 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch nach WLTP)
154 g/km
Grundpreis31.200 Euro
Preis des Testwagens35.350 Euro

Quelle: n-tv.de