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Wasserstoff ade Ottomotor ohne Zündkerze

Volkswagen entwickelt derzeit einen Verbrennungsmotor, der die Vorteile des Dieselmotors und des Benzinmotors miteinander kombiniert. Wie der VW-Vorstandvorsitzende, Bernd Pieschetsrieder am Rande der Golf-Präsentation in Wolfsburg gegenüber n-tv erläuterte, könnte der Motor innerhalb von fünf Jahren serienreif sein.

Laut Pieschetsrieder wird bei diesem Motor die Verbrennung nicht mehr durch eine Zündkerze eingeleitet (wie beim Benzinmotor) sondern durch den Druck- und damit Temperaturanstieg beim Verdichten (wie beim Dieselmotor). Allerdings sollen die Nachteile des Diesel, vor allem die begrenzte Drehfähigkeit sowie die harte Verbrennung, bei diesem Konzept nicht mehr auftreten.

Das Geheimnis des neuen Motors liegt im Treibstoff. Auch die besten der bisher verwendeten Benzinsorten können nicht über einen bestimmten Punkt hinaus verdichtet werden. Dann entzünden sie sich durch die steigende Temperatur im Zylinder von selbst und das gefürchtete "Klopfen" oder "Klingeln" tritt auf und führt binnen kurzem zu Motorschäden.

Um dieses Problem zu umgehen, treibt VW derzeit die Entwicklung synthetischen Kraftstoffs voran, des sogenannten "Synth-Fuel". Dieser lässt sich chemisch so gestalten, dass die Verbrennung erst bei weitaus höherer Temperatur gezielt einsetzt. Der Zündzeitpunkt wird so mittels der Kraftstoffqualität eingestellt. Eine weitere Voraussetzung ist die Benzindirekteinspritzung, die den Treibstoff erst dann gezielt an der Stelle des Brennraums einspritzt, an der die Verbrennung beginnen soll.

"Synth-Fuel" bietet nach den Worten Pieschetsrieders eine ganze Reihe weiterer Vorteile, die die Zukunft des Verbrennungsmotors revolutionieren und langfristig sichern könnten. Zum einen ist es extrem "sauber" und die Schadstoffemissionen lassen sich damit auch ohne aufwendige Abgas-Nachbehandlung drastisch senken. Weiterhin ist für die Herstellung von "Synth-Fuel" als Ausgangsprodukt quasi jede kohlenwasserstoffhaltige Substanz geeignet. Genutzt wird derzeit vor allem Erdgas, das weltweit in großen Mengen vorhanden ist und noch kaum genutzt wird.

Langfristig interessanter allerdings ist die Herstellung des Treibstoffs aus Biomasse. Derzeit wird dieses Verfahren mit Hilfe von VW in einer Versuchsanlage im sächsischen Freiberg erprobt. Ist das Verfahren weit genug entwickelt, bietet sich vor allem Ländern der Dritten Welt große Chancen in der Herstellung von "Synth-Fuel". Biomasse ist bekanntlich in tropischen und subtropischen Regionen im Überfluss vorhanden und könnte so gewinnbringend genutzt werden. Auch die Umwelt könnte erneut profitieren, denn Treibstoff aus Biomasse ist CO 2-neutral, da bei der Verbrennung nur soviel Kohlendioxyd frei wird, wie die Pflanzen vorher mittels Photosynthese der Natur entnommen haben.

Nach den Vorstellung Pieschetsrieders könnte das Umschwenken auf "Synthfuel" auch das Aus für Wasserstoff als künftiger Energieträger für Fahrzeuge bedeuten. Im Gegensatz zu Wasserstoff kann Synth-Fuel im heutigen Tankstellennetz angeboten werden. Angesichts der Vorteile des neuen Kraftstoffs, dürften sich die enormen Kosten für die Einführung der Waserstoff-Technologie kaum rechtfertigen lassen.

Quelle: n-tv.de