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Botox-Spritzen für die hässlichste Karre in L.A. Schönheitschirurg versagt im Autobau

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Über sechs Meter streckt sich der mit Botox aufgespritze Puma.

Die Schönheitsideale von Chirurgen entsprechen nicht immer denen der Allgemeinheit. Botox-Unfälle wie der einer Sydne Rome oder eines Mickey Rourke sind keine Seltenheit. Ein ähnlicher Fauxpas ist Dr. K. Youabian jetzt mit seinem "Meisterwerk der Designkunst" im Automobilbau passiert.

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Das Bild auf der Staffelei zeigt, was der Youabian Puma sein will: eine Raubkatze.

In einer kleinen Ecke auf der L.A. Auto Show steht ein Fahrzeug, an dem sich die Geister scheiden und die Gemüter entzünden: der Youabian Puma. Neben dem Schriftzug ist das Bild der namengebenden Raubkatze zu sehen, die auch gleich den Unterschied zu dem Geschoss deutlich macht, das sich gern mit den Attributen des Berglöwen schmücken möchte: Schönheit, Schnelligkeit, Eleganz und Kraft. Teile davon mögen sich in dem unförmigen Unfall eines Schönheitschirurgen vereinen, aber insgesamt muss Dr. K. Youabian attestiert werden, dass diese Operation gründlich in die Hose gegangen ist.

"Meisterwerk der Designkunst"

Dabei hatte Youabian selbst gesagt, dass er ein "elegantes Meisterwerk der Designkunst" erschaffen hat. Nun, Selbstbild und Fremdbild klaffen ja bekanntermaßen häufig auseinander. Und so suchen die meisten Betrachter des "Youabian Puma" vergeblich die Ähnlichkeit mit der eleganten Raubkatze. Vielmehr blickt man beim Betrachten des Wagens auf eine Art Sportauto mit Stahlklappdach und unglaublich großen Ballonrädern. Die extrem kurze Motorhaube umschließt die Fahrzeugfront nicht komplett. Nur so haben die mit extremen Stollen bewehrten 44 Zoll großen Pneus Platz in den Radhäusern. Die Scheinwerfer vermitteln das Gefühl, als wären sie nachträglich aufgesetzt und die Tagfahrleuchten spreizen sich wie Flügelchen an den Seiten ab.

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Sicken wie beim Linolschnitt "zieren" das Cabrio.

Die fröhlich in die Türen gepressten Sicken wirken wie bei einem Linolschnitt mit dem Konturmesser eingeritzt. Die sich über die vier Insassen spannende Dachkuppel ist viel zu kurz für das 6,25 Meter lange Fahrzeug. Egal, aus welcher Perspektive man den Wagen betrachtet, wirkt er proportional zu ungestüm und erinnert mehr an ein Spielzeugauto für die Helden aus "World of Warcraft" denn an ein Cabrio für den Hausgebrauch. Den hat Dr. K. Youabian aber wahrscheinlich auch nicht im Blick gehabt.

Colani hätte seine Freude gehabt

Dennoch stößt das Fahrzeug bei der Presse auf wenig Akzeptanz. "Es ist schwer zu beschreiben, wie groß das Auto ist! Dabei ist es unfassbar hässlich", liest man beim Autoblog. "Ich schäme mich für die Automobilindustrie", schreibt ein Journalist der Motoramic und ein Blogger der Jalopnik meint: "Nehmen Sie alle schlechten Eigenschaften des Nissan Murano Cabrios zusammen - übergroß, limitiertes Platzangebot, Verdeck - und multiplizieren Sie das mit Bullshit." Im Produkt entspricht das dem Youabian Puma.

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Lieblos präsentiert sich der mit viel Plastik ausgestattete Innenraum.

Es gibt aber einen Designer, der seine Freude an dem Puma gehabt hätte: Luigi Colani. Allerdings hätte der Freund von Rundungen jeglicher Art spätestens beim Interieur Ausschlag bekommen. Das Cockpit wirkt lieblos und alles andere als hochwertig. Die Optik erinnert an ältere Modelle von GM und ist mit reichlich Plastik garniert. Zwei übereinander platzierte Monitore in der Mitte des Armaturenträgers erinnern an den nagelneuen und wirklich gelungenen Infiniti Q50 und mahnen den Betrachter, dass wenigstens die technische Ausstattung komplett zu sein scheint.

Keine lahme Katze

Der Puma ist alles andere als ein lahmes Kätzchen. Ein 7,0-Liter-Achtzylinder mit stattlichen 512 PS aus der Corvette Z06 wummert unter der kurzen Haube und treibt den Boliden in 5,9 Sekunden auf Tempo 100. Ob sich die Wuchtbrumme angesichts auftretender Luftwiderstände und mit den breiten Schluffen noch sicher steuern lässt, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden. Aussagen lassen sich aber über den Verbrauch machen. Der soll bei stattlichen 14 Litern auf 100 Kilometern liegen. Auch über die Höchstgeschwindigkeit macht das von Youabian geführte Kleinunternehmen in Beverly Hills keine Angaben. Sehr konkrete Vorstellungen hat man aber vom Preis. Satte 813.000 Euro soll das Designmonster kosten.

Wer sich entscheidet, den Youabian Puma zu kaufen, der muss zuvor einen Nachweis seiner finanziellen Liquidität erbringen. Mit roten Buchstaben weist der Hersteller auf seiner Seite darauf hin, dass das "Fahrzeug nur denen vorgeführt wird, die es sich auch leisten können" - und mindestens anderthalb Jahre Wartezeit in Kauf nehmen.

Quelle: n-tv.de

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