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Alternative für Premium-Individualisten Vettel tunt Infiniti Q50

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Mit dem Design beim Q50 versucht Infiniti, sich eine eigenständige Optik zu verschaffen.

Im Premiumbereich müssen individuelles Statement, Performance und Verarbeitung stimmen. In Deutschland sind die Claims hier klar abgesteckt. Jetzt schickt sich Nissans Edelmarke Infiniti an, Individualisten den Kick zu geben. Der Q50 könnte hier nicht nur wegen seiner Jet-Lenkung die Eintrittskarte sein.

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Mächtige Endrohre prägen unabhängig von der Motorisierung das Heck des Q50.

Wenn man das Logo der Nissan-Edelmarke Infiniti sieht, denkt man: Das hast du schon gesehen - aber wo? Richtig, auf den Red-Bull-Boliden der Formel 1. Hier ist die Wahrnehmbarkeit bis dato wohl am größten. In Europa jedenfalls. In den USA, wo die Marke 1989 gegründet wurde, sieht das ganz anders aus. Allein im letzten Jahr verkauften die Japaner in den Staaten 170.000 ihrer Edelgefährte und reihen sich damit auf Platz vier hinter BMW, Mercedes und Audi ein.

Natürlich gibt es auch in Deutschland eine Handvoll Händler. Um genau zu sein, sind es fünf, und deren südlichster Standpunkt ist Frankfurt/Main. Das soll sich aber ändern, denn Infiniti hat sich auf die Fahne geschrieben, den europäischen Markt zu erobern. In zehn Jahren soll es mindestens 240 Händler in ganz Europa geben. Hinzu kommt, dass der auf der IAA noch als Concept Car gezeigte Q30 ab 2015 im englischen Sunderland produziert werden soll.

Q50 im Vettel-Tuning

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Der 3,5-Liter V6 leistet im Zusammenspiel mit dem Elektromotor 364 PS.

Doch bevor es so weit ist, bietet Infiniti mit Blick auf seine Formel-1-Wurzeln eine echte Alternative für all diejenigen, die aus der Optik von M und S ausbrechen wollen. Der Q50 Hybrid ist mit seinem 3,5 Liter V6, der im perfekten Zusammenspiel mit einem Elektromotor 68 PS zur Verfügung stellt, eine echte Sportskanone. Dem Piloten stehen satte 364 PS und wuchtige 546 Newtonmeter zur Verfügung, die über eine siebenstufige Wandlerautomatik oder ein manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe auf die Hinterachse geschmettert werden. In 5,1 Sekunden beschleunigt der knapp 1,8 Tonnen schwere Japaner aus dem Stand auf 100 km/h. Die Spitze ist übrigens bei 250 km/h abgeregelt. Nur zum Vergleich: Der Porsche Panamera Hybrid benötigt für den Sprint auf Tempo 100 genau eine Sekunde mehr.

Das könnte auch daran liegen, das Infiniti Sebastian Vettel nicht nur als Werbeikone benutzt, sondern den Formel-1-Weltmeister gleich zum "Director of Performance" gemacht hat. Nicht, dass Herr Vettel jetzt im Headquarter von Infiniti in Hongkong sitzt und Pläne für Motor, Fahrwerk und Lenkung schmiedet. Nein, er hat den Q50 einige Hundert Kilometer über die Nordschleife gejagt und den Verantwortlichen gesagt, was gefällt und was nicht.

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Platz gibt es im Q50 auch im Fond reichlich.

Ob das letztlich für die hervorragenden Fahreigenschaften des Premium-Jägers ausschlaggebend ist, sei der Fantasie des Einzelnen überlassen. Fakt ist, dass der Q50 Hybrid dank eines Radstandes von 2,85 Metern und einer Gewichtsverteilung von 53 Prozent vorn zu 47 Prozent hinten fast die Qualitäten eines Mittelmotor-Sportwagens hat. Dieses ausgewogene Verhältnis ist dem Umstand geschuldet, dass die Batterie für den Antrieb des Elektromotors direkt über die Hinterachse gepackt wurde. Einziger Wermutstropfen: Dadurch hat die Rückbank nicht einmal die Durchreiche für einen Skisack. Schade, aber mit 400 Litern ist das Gepäckabteil auch im Hybrid recht üppig bemessen.

Lenkung wie im Kampfjet

Einzigartig im Q50 ist die Lenkung. Das erstmals in einem Serienfahrzeug eingesetzte DAS (Direct Adaptive Steering) hat keine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und den Rädern mehr. Diese Art der Richtungseingabe entlehnt seine Grundidee den Kampfjets und ist eigentlich aus Sicherheitsgründen in Deutschland nicht zugelassen. Denn würde die Elektronik versagen, dann wäre das Fahrzeug nicht mehr zu steuern. Diesen Umstand hatten natürlich auch die Ingenieure im Blick und haben einen Notlaufmodus entwickelt. Im Ernstfall stellt eine Kupplung die mechanische Verbindung zu den Rädern her, so dass der Q50 konventionell in die Werkstatt gesteuert werden kann.

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Das Cockpit ist trotz der Vielzahl der Knöpfe intuitiv bedienbar.

Will der Pilot weich und komfortabel einlenken oder eher hart und direkt, kann er über die Elektronik die Lenkintensität bestimmen. Auch eine Mischung ist möglich. Und tatsächlich sind die unterschiedlichen Lenkradeinstellungen im Gegensatz zu den mechanischen Angeboten anderer Hersteller deutlich spürbar. Was nicht mehr spürbar ist, ist der Fahrbahnkontakt. Wer also ein Freund von Vibrationen über das Volant in die eigenen Arme ist, der wird hier enttäuscht. Das bleibt, egal wie holprig die Piste ist, aus.

DAS-direkt ums Eck

Ein echtes Spaßmobil wird der Hecktriebler mit DAS auf kurvenreichen Landstraßen. Wer den Fahrmodischaltet, der neben Eco, Standard auch Snow (nur für Allradantrieb) offeriert, auf Sport stellt, wird seine blanke Freude dabei haben, wenn der Q50 sich wie ein Gokart in die Kehre ziehen lässt. Da die Lenkung jetzt deutlich straffer und sehr direkt arbeitet, kann man den 4,80 Meter langen Japaner sehr schnell und sehr präzise ums Eck fahren. Selbst ein Fehler beim zu späten Einlenken korrigiert die Elektronik so schnell und präzise, dass der Schuss in die Leitplanke ausbleibt.

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Beim Design verzichtet Infiniti auf die Pausbacken früherer Modelle.

Das Highend aus der Sportabteilung mit Allradantrieb und allem Schnick und Schnack hat allerdings seinen Preis: Satte 53.860 Euro werden für den Q50 mit Straßenkampfausstattung fällig. Wählt man lediglich die heckgetriebene Ausstattungslinie "Sport", sinkt der Preis (ausstattungsbereinigt) auf 41.480 Euro. Zu Bedenken bleibt, dass der V6 trotz Hybrid bei rasanter Kurvenhatz kein Kostverächter ist. Bis zu 10 Liter Super können hier durch den Verbrenner schießen. Im Standard-Modus lässt sich der Verbrauch bei normaler Fahrweise auf kommode 8,2 Liter senken. Geld kann man aber auch bei den Sonderausstattungen ausgeben. So kostet das umfangreiche Assistenz-Packet 2600 Euro, bietet aber neben den Klassikern wie Spurhalte- oder Totwinkel-Warner auch ein automatisches Notbremssystem inklusive aktivem Tempomat und einer Spurhalte-Einrichtung, die Lenkeingriffe vornimmt, um den Wagen in der Spur zu halten.

Diesel-Alternative für Individualisten

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Je nach Motorisierung verschwinden bis zu 500 Liter Gepäck im Kofferraum.

Für den europäischen Markt bietet Infinion für 34.350 Euro auch eine Variante für preisbewusste Individualisten an, die durch einen von Mercedes stammenden 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 170 PS befeuert wird. Der ebenfalls heckgetriebene Diesel macht natürlich sportlich nicht so viel her wie der V6. Ist aber mit 400 Newtonmetern Drehmoment im Zusammenspiel mit dem DAS nicht minder agil und bietet im Gegensatz zum Hybrid eine Durchreiche für den Ski-Sack und 500 Liter Kofferraumvolumen.

Äußerlich und innerlich ist Infiniti mit dem Q50 auf einem guten Weg. Extrem dynamisch gezeichnet, stellt der Japaner die früher sehr pausbackig daherkommenden Modelle allesamt in den Schatten. Lediglich der dezente Schwung am hinteren Kotflügel erinnert noch an die Zeiten überhoher Wellen. Im Innenraum offeriert der Japaner nicht nur ein üppiges Platzangebot, sondern auf Wunsch auch Vollledersportsitze, die nach Angaben von Infiniti auf Forschungsergebnissen der Nasa basieren und tatsächlich extrem bequem sind. Beim Interieur hat man sich der Moderne angepasst, ohne die in Europa so beliebten Rundinstrumente außen vor zu lassen.

Zwei Bildschirme, einer für das optionale Navi - das mit 2400 Euro sehr teuer bezahlt werden muss - und ein weiterer für die Steuerung von Radio, Klimaautomatik, DAS und Fahrinformationen, bieten umfängliche Informationen und Spiel-Spaß für den Fahrer. Dabei macht die Optik in App-Form die Bedienung für die Smartphone-Generation denkbar einfach. Letztlich hat Infiniti mit dem Q50 eine gelungene Alternative für all jene geschaffen, denen Mercedes C-Klasse zu bieder, Audis A4 nicht prägnant genug und BMWs 3er nur noch als Massenware gilt. Ob sich das Image der Marke in Europa so durchsetzt wie in den USA, bleibt abzuwarten. Der Q50 scheint jedenfalls ein erster Schritt in die richtige Richtung. In zehn Jahren will Infiniti pro Jahr weltweit 500.000 Fahrzeuge verkaufen. Den Q50 jedenfalls gibt es ab November bei 60 Händlern in Europa.

Quelle: n-tv.de

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