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Mit dem GT 86 zurück in die Achtziger Toyota zeigt wieder Leidenschaft

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Der Zweiliter-Boxermotor stammt von Subaru und leistet 200 PS.

(Foto: Axel F. Busse)

Mit dem Modell GT 86 will Toyota die Emotionalität ins Modellprogramm zurückbringen. Der wichtigste Teil des Autos, der Motor, stammt jedoch von einem Konkurrenten – in diesem Fall "Kooperationspartner" genannt.

Eigentlich hatten sie alles erreicht: Weltgrößter Autohersteller, Hybrid-Pionier, topp in Verarbeitung und Haltbarkeit, ein Angebot vom Laster bis zum Stadtflitzer. Spitze waren die meisten Toyotas auch in einer Disziplin, in der kein Pkw-Produzent gerne vorn liegt: in Langeweile. Mit der Einstellung des Modells Celica vor rund sieben Jahren gewann die Biederkeit Oberhand bei Japans einstigem Vorzeige-Unternehmen.

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Auch ohne Allrad und Turbo ist der GT 86 eine agiles und fahraktives Auto.

(Foto: Axel F. Busse)

Mit einer eleganten Rolle rückwärts in die 80er Jahre soll jetzt das Kribbeln wieder zurückkehren. In der klassischen Bauweise von Frontmotor und Heckantrieb sucht der GT 86 nicht nur Anschluss an seine verwegenen Coupés des vorigen Jahrhunderts. Ganz gezielt wird er als "würdiger Nachfolger" des legendären Toyota 2000 GT inszeniert, dessen lange Schnauze und spannungsgeladener Dachbogen bei Sportwagenfans in aller Welt noch heute pawlowsche Reflexe auslöst. Allerdings ist der offiziell als Viersitzer startende GT 86 kein lupenreiner Toyota. Der Vierzylinder-Boxermotor, der 200 PS leistet, stammt von einem ausgewiesenen Experten für die Aggregat-Bauweise: Subaru.

Boxermotoren haben gegenüber Reihen- oder V-Motoren einen bedeutenden Vorteil. Ihre flache Bauweise senkt den Fahrzeugschwerpunkt, was wiederum den dynamischen Qualitäten des Sportwagens nützt. Zum Glück für Toyotas Marketing-Experten anno 2012 findet sich auch in der Firmenhistorie Vergleichbares: Der kleine S 800 von 1965 hatte ebenfalls einen Treibsatz mit waagerecht gegenüber liegenden Zylindern. Nicht nur deshalb ist es den Toyota-Verantwortlichen darum zu tun, ihre führende Rolle in der Kooperation mit Subaru zu betonen. Konzeption, Produktplanung und Design stammten aus ihrem Hause, auch die Direkteinspritzung an dem Subaru-Motor sei eine Toyota-Entwicklung.

Motor quadratisch aufgebaut

Die für den Kunden spürbaren Unterschiede sind denkbar gering. Noch hat Subaru das Geheimnis um den Preis seines Coupés nicht gelüftet, es ist aber davon auszugehen, dass der sich nicht wesentlich von den 29.990 Euro unterscheiden wird, die Toyota für seinen Zweitürer verlangt. An der Frontgestaltung sind Designunterschiede zu erkennen, die lieferbaren Lackfarben trennen die Zwillinge ebenfalls voneinander. Die verwendeten Getriebe sind dagegen identisch. Im Gegensatz zu der Buchstabenfolge BRZ, mit der Subaru sein Auto kennzeichnet, gibt die von Toyota verwendete Bezeichnung GT 86 Hinweise auf technische Eigenheiten des Antriebs. Sowohl der Innendurchmesser der Zylinder ("Bohrung"), als auch der Weg der Kolben je Arbeitstakt ("Hub") betragen 86 Millimeter. Der zwei Liter große Vierzylinder ist also quasi quadratisch aufgebaut.

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Nicht Übermotorisiert, aber mit Spaßpotenzial: Der neue Toyota GT 86.

(Foto: Axel F. Busse)

Ohne die Hilfe eines Turboladers in Anspruch zu nehmen leistet er 200 PS. Da erscheint angesichts der Leistung mancher Rennsemmeln aus der Kompaktklasse nicht besonders viel, erweist sich nach wenigen Kilometern Testfahrt aber als absolut ausreichend. Schließlich wiegt der GT 86 nicht einmal 1240 Kilogramm und ist mit einer sehr ausgewogenen Achslastverteilung von 53:47 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse unterwegs. Ohne Aufladung bleibt jedoch nur eine hohe Drehzahl, um eine Literleistung von 100 PS zu erzeugen.

Bei diesem Boxer beginnt der "rote Bereich" bei 7600 U/min. Zwischen 2500 und 5000 klingt der Motor saftig und souverän, sportlich kernig und so, wie man sich die akustische Unterstützung in flott gefahrenen Kurven wünscht. Setzt man ihn bei 2000 Touren unter Last, stört ein heftiges Rasseln die Klangfreude. Jenseits von 5000 will man gewöhnlich schnell aus dem aktuellen Gang heraus, denn da wird es laut und lästig. Toyota spendierte einen zusätzlichen Soundgenerator, der das Innengeräusch dem dynamischen Fahrerlebnis anpasst.

Leicht wieder einzufangen

Die Fahrfreude kann das nicht wirklich trüben. Der GT 86 erwies sich auf dem sicheren Geläuf des Rundkurses als unterhaltsames und fahraktives Coupé, das ausgewogen und leicht zu beherrschen ist. Die elektrische Servolenkung lässt an Direktheit nichts vermissen und gibt gute Rückmeldung über den Haftungszustand an der Vorderachse. Selbst bei abgeschalteter Schleuderbremse ESP ist das Heck bei den provozierten Ausbruchsversuchen stets anstrengungslos wieder einzufangen. Der extrem kurze Weg der Kupplung und das sehr knackige 6-Gang-Getriebe machen jeden Wechsel der Übersetzung zu einer Freude. Die Drehzahl wird dabei tunlichst über 3000 Umdrehungen gehalten, denn nur das Drehmoment von mehr als 200 Newtonmeter garantiert erfreulichen Schub.

Das Lenkrad hat lediglich 365 Millimeter Durchmesser und liegt gut in der Hand. Zusammen mit dem dunkel gehaltenen Interieur samt roter Kontrastnähte kommt Sportwagen-Feeling auf. Die Sitze sind köpergerecht geformt und geben guten Seitenhalt in schnellen Kehren. Die straffe Federung tut ein Übriges, um den Eindruck zu vermitteln, hier handele es sich um ein Sportgerät und weniger um ein Transportmittel. Kinder jenseits des Grundschulalters dürften auf den Rücksitzen bereits Platzprobleme bekommen.

Zum Basispreis knapp unter 30.000 Euro sind außer 17-Zoll-Alus und Bi-Xenonscheinwerfern auch Klimaanlage, sieben Airbags (einer für die Knie des Fahrers), ein Smart-Key-Zugangssystem sowie Tempomat an Bord. Die Bedienelemente sind funktionell, nur schade, dass Toyota immer noch keinen Komfortblinker anbieten kann, was anderswo längst Standard ist. Die Einparkhilfe ist wegen der eingeschränkten Sicht nach hinten empfehlenswert und wird für 390 Euro Aufpreis geliefert. Auf der Kostenseite schlagen ebenfalls die nach Norm ermittelten 7,8 Liter Super je 100 km zu Buche. Bei spaß- und drehzahlorientierter Fahrweise können daraus aber auch schnell zweistellige Werte werden.

Quelle: n-tv.de

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