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König Martin weist Weg ins Fürstentum Winterkorn adelt VW-Rallye-Ritter

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VW Chef Martin Winterkorn schickt das WRC-Team symbolisch auf die Strecke.

(Foto: Holger Preiss)

Drei Titel hat das VW-Werksteam bei der Rallye-Weltmeisterschaft 2013 eingefahren. Ein grandioser Auftakt für die Neulinge, der aber auch mit Vorsicht zu genießen ist. Nichtsdestotrotz kam VW-Chef Winterkorn selbst, um das Team in die neue Saison zu winken.

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Wie ein Bodybuilder steht der Polo R WRC in den Startlöchern.

(Foto: Holger Preiss)

Wahrscheinlich wäre VW-Chef Martin Winterkorn, oder wie er bei Volkswagen ausschließlich angesprochen wird, Professor Doktor Martin Winterkorn, zum WM-Kick-Off des WRC-Teams gar nicht erschienen. Wenn da nicht in der letzten Saison Außergewöhnliches passiert wäre. Das Werksteam stieg 2013 neu in die Rallye-Weltmeisterschaft ein und gewann mit dem Polo R WRC gleich drei Titel: Fahrer-, Beifahrer- und Herstellerwertung. Grund genug also für Winterkorn, eine Vorstandssitzung zu unterbrechen und sich persönlich die Zeit zu nehmen, seine Cross-Ritter erneut in die Schlacht zu schicken. Zwar musste das Auditorium ganze 20 Minuten auf den Chef warten, aber wen stört's, wenn man derart von seiner Majestät geadelt wird.

Konkurrenz wird stärker

Und da Winterkorn kein Mann der großen Worte ist, war sein Auftritt kürzer als die Wartezeit. Der Chef betont, dass er stolz darauf sei, dass es nicht einen technischen Ausfall bei den Rennen gegeben habe und dass das natürlich auch ein Aushängeschild für die Marke VW sei. "Damit bringen wir die Marke zum Strahlen." Allerdings bremste er auch die Euphorie auf einen erneuten Sieg: "Es ist immer schwerer, einen Titel zu verteidigen, als ihn zu gewinnen." Und er dürfte recht haben. Denn in der neuen Saison wird neben Citroën mit dem DS3 WRC auch Hyundai mit dem i20 WRC an den Start gehen. Und die Koreaner haben sich zu diesem Zweck gleich mal den Zweitplatzierten der letzten Saison als Fahrer ins Boot geholt: den Belgier Thierry Neuville.

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Das Team bleibt bestehen.

(Foto: Holger Preiss)

Doch dem Zufall will man bei VW auch für die neue Saison nichts überlassen und so hat Winterkorn, anders als sein Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer, den Rallye-Boliden seines Teams schon selbst unter die Hufe genommen. "Das Fahrzeug ist Gewöhnungssache, aber mich hat es fasziniert." Klar, denn die Motorsportabteilung hat mit Allradantrieb, sequenziellem Getriebe und vor allem mit dem 315 PS starken 1,6-Liter-Motor aus einem biederen Kleinwagen eine brutale Böllermaschine gemacht, dessen Kunststoffkarosse den Eindruck eines Bodybuilders macht, der sich ordentlich mit Steroiden vollgepumpt hat. Ansonsten ist man bezüglich des Dopings für die neue Saison stark limitiert. Zum einen schreibt das Reglement seit 2011 vor, dass lediglich eine Veränderung an den von den Parametern sonst gleichen Motoren vorgenommen werden darf. 2013 hatte VW als Neueinsteiger noch neun Joker, die die Wolfsburger berechtigten, eine entsprechende Anzahl an Veränderungen im sonst gesperrten Bereich vorzunehmen. Dieser Luxus dürfte in der Saison 2014 vor allem Hyundai helfen, ganz vorne mitzufahren.

Never change a winning team

Motorsportchef Jost Capito sieht diese Einschränkung aber nicht als Handicap. Für ihn gilt: "Das Auto, was jetzt an den Start geht, ist nicht weit von dem weg, als hätten wir ein neues entwickelt." Und im Rahmen des Zulässigen hat man in Hannover, wo pro Saison ein halbes Dutzend WRC-Boliden für rund 350.000 Euro das Stück geschraubt werden, natürlich einiges verändert. Federn, Getriebe und Differenzial wurden modifiziert. Insofern unterschreibt Capito, wie das in großen Unternehmen so üblich ist, auch gern die Zielvereinbarung für die neue Saison mit "Titelverteidigung". Hier baut er getreu dem Motto "Never change a winning team" darauf, dass alles beim Alten bleibt. Wobei der größte Druck wohl auf Weltmeister Sébastien Ogier lasten dürfte. Der Franzose geht mit seinem Landsmann Julien Ingrassia als Co-Pilot die Mission Titelverteidigung an und gibt auch hier die Parole aus: "Wir wollen natürlich wieder ganz oben stehen."

So mit Zuversicht gewappnet verlässt dann auch König Martin unter Applaus die Bühne, um, die Deutschlandfahne schwenkend, seine Rallye-Ritter ins Fürstentum Monaco zu entlassen. Eben dorthin, wo am 14. Januar die Weltmeisterschaft startet. Wenn dieses Jahr wieder zum Erfolg werden sollte, dann ist das auch ein Zeichen für die sportlichen Aktivitäten des Konzerns in den USA. Dort will man ab 2015, gemeinsam mit Andretti Motorsport, in die Rallye-Cross-Meisterschaften einsteigen. Und wer weiß, vielleicht wird Winterkorn ja dann dort zum Auftakt die US-Fahne schwenken.

Quelle: n-tv.de

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