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Gebraucht nicht risikofrei Ford Ka hat tückische Fiat-Gene

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Optisch wirkt der Ford Ka auch aus dem heutigen Blickwinkel noch frisch.

Die erste Generation des Ford Ka war eine Katastrophe. Die zweite macht einiges besser, hat aber dennoch ihre Schwächen. Das könnte daran liegen, dass sehr viel Fiat in dem Kleinstwagen steckt. Deshalb heißt es beim Gebrauchtwagenkauf: Augen auf!

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Der Ford Ka der zweiten Generation ist eigentlich ein Fiat Cinquecento.

Für einen 12 Jahre dauernden Produktzyklus, wie beim ersten Ford Ka, hat es für die von 2009 bis April 2016 gebaute zweite Ka-Generation nicht gereicht. Zwar machte der Ka II vieles besser als sein Vorgänger, doch das Ford-Modell mit italienischen Wurzeln hat auch seine Tücken. Italienisch? Jawoll, der Ka ist der Technik-Bruder des im polnischen Fiat-Werk Tychy produzierten Cinquecento.

Ka II – ein Fiat aus Polen?

Nach dem Fiat 500 sieht der Ka II gar nicht aus. Die zweite Generation der kleinsten Ford-Baureihe ist vielmehr erfreulich eigenständig. Zudem wirkt sie im Vergleich zum eigenwilligen Vorgänger selbst heute noch frisch und selbstbewusst. Fast wundert man sich, dass der Ka nur 3,62 Meter kurz ist. Wie schon beim ersten Ka ist auch der Fiat-Ka allein als Dreitürer zu haben. Wer also mit Kindern unterwegs ist, die sich noch nicht selbst anschnallen, sollte nach anderen Minis mit vier Türen Ausschau halten.

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Für eine ansprechende Ausstattung sollten Interessenten auf die Ausstattungslinie achten.

Vorne ist das Platzangebot für einen Kleinstwagen in jedem Fall gut, der Arbeitsplatz funktional und zudem ordentlich verarbeitet. Und für einen Ford präsentiert er sich erfrischend anders, denn hier kommen ja nur Teile aus dem Fiat-Regal zum Einsatz. Hinten sind die Platzverhältnisse segmenttypisch bescheiden, weshalb sich Erwachsene eingeengt fühlen. Der Kofferraum fasst normal 224 Liter, bei umgeklappter Rückbank werden daraus rund 700 Liter.

Motorenauswahl ist überschaubar

Bei den Motoren ist die Auswahl überschaubar. Immerhin zählt der Ka zu den wenigen Kleinstwagen, die zeitweilig auch mit Diesel angeboten wurden. Dieser 1,3-Liter-Selbstzünder von Fiat, der 75 PS und 145 Newtonmeter Drehmoment leistet, ist der schwungvollere und mit rund vier Litern Verbrauch auch der sparsamere Antrieb. Sehr viel häufiger auf dem Gebrauchtmarkt findet man den 1,2-Liter-Vierzylinderbenziner mit 69 PS. Dieser ist mit einem angegebenen Durchschnittsverbrauch von 5,0 Litern weder besonders temperamentvoll noch besonders durstig. Ob Diesel oder Benziner: Beide Antriebe sind ausschließlich in Kombination mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe zu haben. Minimal effizienter sind übrigens die ab Ende 2010 produzierten Exemplare mit Start-Stopp-Automatik. Statt nur Euro 4 kann der Diesel seither Euro 5, der Benziner sogar Euro 6.

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Vor allem in der Stadt macht sich die Größe eines Ford Ka bezahlt.

Anders als die Motoren bietet das Fahrwerk eine recht gute Basis für zumindest etwas Fahrspaß. Im Stadtverkehr und auf Landstraßen kommt man trotz einer etwas zu leichtgängigen Lenkung angenehm schwungvoll ums Eck. Außerdem bügelt der durchaus schluckfreudige Unterbau Unebenheiten ordentlich weg.

Überdurchschnittlich anfällig

Wer Wert auf etwas mehr Ausstattungskomfort legt, sollte am besten zur Titanium-Version greifen. Diese verfügt über eine Klimaanlage, ein CD-Radio und ein Lederlenkrad. Alternativ gibt es die mittlere Ausstattung Trend, die unter anderem ESP und vier Airbags bietet. Seit Ende 2010 umfasst das Trend-Paket außerdem elektrische Außenspiegel und Fensterheber. Dank der ordentlichen Sicherheitsausstattung gab es 2008 für den Ka II vier Sterne beim EuroNCAP-Crashtest. Sehr spartanisch ausgestattet ist die Version Ambiente, bei der unter anderem die Anzahl der Airbags auf zwei reduziert wurde.

Der erste Ford Ka hat als Mängelriese einen recht zweifelhaften Ruf. Sein Nachfolger eifert ihm mit seiner Fiat-Technik leider in einigen Punkten nach. Der TÜV-Report 2016 bescheinigt dem Pseudo-Ford nämlich eine überdurchschnittlich hohe Anfälligkeit für Mängel über alle Baujahre hinweg. Neben einer Tendenz zu Rostflecken sind es Federbrüche sowie schadhafte Stoßdämpfer und Lenkungen, die nerven können. Auch die Bremsen werden laut TÜV überdurchschnittlich zum Problemfall. Laut ADAC-Pannenstatistik sorgen zudem Störungen im Motormanagement und der Wegfahrsperre für Verdruss. Verstopfte Kurbelwellenentlüftungen, gammelige Auspuffanlagen und Ölverluste bei den Motoren wurden dem Ka II ebenfalls häufiger attestiert.

Trotz seiner durchwachsenen TÜV-Bilanz muss man nicht gleich vor dem Kauf zurückschrecken. Im Gegenzug lockt der Ford Ka II nämlich mit günstigen Gebrauchtpreisen. Bereits für rund 2000 Euro kann man einige Exemplare mit gehobener Laufleistung ergattern. Angesichts des Alters scheint das günstig, allerdings könnte der nächste TÜV-Termin teurer als bei anderen gleichaltrigen Autos werden.

Fazit: Der Ford Ka der zweiten Generation bietet typische Kleinwageneigenschaften für kleines Geld. Laut TÜV weist er allerdings häufiger als andere Mängel auf. Wer etwas mehr investieren kann, sollte sich daher für jüngere Exemplare entscheiden, die vorerst weniger Probleme bereiten dürften. Am besten, man sucht nach Fahrzeugen ab dem Modelljahr 2011, die unter anderem dank Start-Stopp-Automatik nach Euro 5 (Diesel/selten) beziehungsweise Euro 6 (Benziner/häufig) zertifiziert wurden. Wer Wert auf etwas mehr Komfort legt, sollte zudem nach der Ausstattung Titanium Ausschau halten.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x

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