Praxistest

Versöhner mit sattem Sound Golf GTD - unkompliziert und wertbeständig

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Der Einstiegspreis des GTD ist knapp unter 30.000 Euro platziert.

(Foto: Axel F. Busse)

Genauso unauffällig, wie das Modell selbst ist, verstreicht auch der 30. Geburtstag dieser Variante: Volkswagen baut den "GTI unter den Dieseln" seit 1982. Der jüngste Spross der Familie hat 184 PS, eine Menge Kraft, wie der n-tv.de-Praxistest zeigt.

Aus einem Selbstzünder einen Sportwagen zu machen, klang vor mehr als 30 Jahren ebenso illusorisch wie die Idee, dass ein Auto mit Dieselmotor das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewinnen könnte. Umso mutiger erscheinen heute die Versuche von VW, einen Imagetransfer vom giftigen Kompaktsportler GTI zur betulichen Diesel-Limousine hinzubekommen. Sie sollte Sportlichkeit und Sparsamkeit miteinander versöhnen, hatte 70 PS und wog keine 800 Kilogramm.

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Sparsamer Sportsmann: Der GTD soll mit 4,2 Litern Diesel je 100 Kilometer auskommen.

(Foto: Axel F. Busse)

Heute ist es gut eine halbe Tonne mehr, was nicht allein den Komfortbedürfnissen der Insassen geschuldet ist, sondern auch den gestiegenen gesetzlichen Sicherheitsanforderungen. Und entgegen allen Bekundungen, Verbrauchsreduzierung durch Gewichtsersparnis hinzubekommen, wiegt der aktuelle GTD noch einen guten Zentner mehr als die Ausgabe auf der Basis des Golf VI. Mit Sechs-Gang-Handschaltung wie bei diesem Testwagen sind es exakt 1377 Kilogramm.

Die Leistung des Zweiliter-Motors wurde noch einmal um 14 Pferdestärken gesteigert, so dass jetzt 184 PS zur Verfügung stehen. Gleichzeitig wird ein Drehmoment von 380 Newtonmetern freigesetzt - eine Steigerung um 30 Newtonmeter. Das ist enorm, doch im Vergleich auch nicht gerade Spitze. Wer sich unter den deutschen Herstellern umschaut, stellt fest, dass zum Beispiel Mercedes oder BMW aus zwei Litern Hubraum bei etwa gleichem Verbrauchsmittelwert mehr als 200 PS holen und so dem Ideal aus Sportlichkeit und Sparsamkeit näher sind.

Sound wie ein "Großer"

Die Insignien des Draufgängertums sind jedoch vollständig versammelt. Das Wabengitter an den vorderen Lufteinlässen gehört ebenso dazu, wie der stilisierte Golfball auf dem Schaltknauf (auch bei der Automatik) und das Karomuster auf den Sitzpolstern. Der beim Golf GTI rot lackierte Streifen an der Frontpartie glänzt beim GTD in Chrom. Dieser Chromstreifen erstreckt sich bis in die Scheinwerfer und unterteilt sie in einen oberen Bereich mit LED-Tagfahrlicht sowie einen unteren mit dem Blinker. Darunter schließt sich der eigens für die GT-Modelle gestaltete Stoßfänger mit beiderseits integrierten, optionalen LED-Nebelscheinwerfern an.

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Die Insassen haben mehr vom Sound als die Passanten auf der Straße.

(Foto: Axel F. Busse)

Optik und Akustik sind beim GTD nicht nur gelungen aufeinander abgestimmt, sondern dass Klangbild trägt sowohl dem Ruhebedürfnis der Nachbarschaft als auch den Sehnsüchten der Insassen nach sportlicher Attitüde Rechnung: Das Motorgeräusch wird über den vorn im Motorraum integrierten Aktuator via Windschutzscheibe in den Innenraum geleitet und dort als reales von außen über die Abgasanlage erzeugtes Geräusch erlebt. In Abhängigkeit von der Motordrehzahl und dem gewählten Modus erzeugt das System einen Fahrsound, wie er von zwei Litern Hubraum und vier Zylindern so nicht zu erwarten gewesen wäre. Im eher komfortorientierten Fahrmodus "Normal" entsteht im Hintergrund ein dezent-eleganter Klang, beim Modus "Sport" wird es dann deutlicher kerniger und bassiger.

Vor Antritt der Fahrt wird ein Moment der Besinnung verlangt, fünf Sekunden dauert der Systemcheck, bevor nach Druck auf den Startknopf endlich etwas passiert. Wer im Winter schnell auf die Piste will, sollte daran denken, dass beim Golf die Enteisung der Spiegel nicht mit der Heizfunktion der Heckscheibe gekoppelt ist, sondern extra an der Spiegelverstellung aktiviert werden muss. Das Gepäckabteil ist gewohnt geräumig und fasst wie bei den anderen Golf-Modellen zwischen 380 und 1270 Litern.

Sparsamer als der Vorgänger

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Wohnlich und vertraut: Karomuster und dezente Chrom-Applikationen im Golf GTD.

(Foto: Axel F. Busse)

Volkswagen kann sich rühmen, trotz verbesserter Fahrleistungen gegenüber dem Vorgänger (230 km/h Top-Speed anstatt 222 km/h) die Effizienz noch einmal gesteigert zu haben. Auf dem Rollenprüfstand zum EU-Norm-Verbrauchstest erreicht der aktuelle GTD 4,2 Liter/100 km (4,5 Liter mit DSG-Getriebe) und liegt damit um einen satten Liter unter dem Wert des Vorgängers. Doch ebenso wie bei ihm ist auch heute eine Praxisgebühr als Aufschlag auf die Tankrechnung zu erwarten. In diesem Test zeigte der Bordcomputer am Ende 6,1 Liter, was zum Teil auf wintertypische Energieverbraucher (Scheiben- und Sitzheizung) als auch auf einen hohen Kurzstreckenanteil zurückzuführen ist.

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Die Rückfahrkamera ist gut gegen Verschmutzung geschützt.

(Foto: Axel F. Busse)

Unterwegs macht vor allem die bärenstarke Durchzugskraft des Motors Freude, die es erlaubt, einen typischen Überholvorgang zwischen 80 auf 120 km/h in sechs Sekunden im vierten Gang zu erledigen. Für das leichtgängige und fahraktive Gefühl ist die direkte und komfortable Progressivlenkung verantwortlich, die elektromechanisch unterstützt wird.

Serienmäßig ist die Fahrdynamikfunktion XDS+ an Bord. Diese aktive Differenzialsperre an der Vorderachse beugt Traktionsproblemen vor und hilft, dass das Sportfahrwerk und die 17-Zoll-Felgen mit 225er Reifen die Kraft verlustfrei auf die Straße bringen können.

Der Golf GTD erhellt seine Umgebung serienmäßig mit Bi-Xenonscheinwerfern, die ab Werk auch mit Abbiegelicht ausgestattet sind. Die für 285 Euro Aufpreis erhältliche Rückfahrkamera ist verschmutzungssicher unter dem VW-Emblem an der Heckklappe verborgen. Weitere 200 Euro können sinnvoll investiert werden, indem man die automatische Einparkhilfe ordert, die Parklücken scannt und das Fahrzeug dort abstellt. Besonders bequem ist das natürlich in Zusammenarbeit mit einem automatischen Getriebe, denn dann muss der Fahrer während des Parkvorgangs praktisch nur noch die Bremse betätigen. Zu den eher fragwürdigen Erscheinungen zählt, dass selbst Kunden, die für immerhin 2315 Euro ein Navigationssystem "Discover Pro" bestellen, die ebenfalls verfügbare Verkehrszeichen-Erkennung noch nicht bekommen. Dafür werden noch einmal 320 Euro fällig.

Die Frontsitze sind generell höhenverstellbar sowie mit einer manuell einstellbaren Lordosenstütze ausgestattet. Sie bieten einen so angenehmen Sitzkomfort und Seitenhalt, dass sich der sparsame Sportler auch für längere Distanzen eignet.

Fazit: Der Golf GTD ist ein unkompliziertes und praktisches Fahrzeug für Menschen, die begriffen haben, dass der Unterschied zwischen 230 km/h und 250 km/h (wie der GTI sie erreicht) für 98 Prozent der Verkehrssituationen keine Bedeutung hat. 29.700 Euro sind für einen Kompakten zwar eine enorme Summe, dafür ist der Langstrecken-Sportler aber auch wertbeständig wie kein zweiter im Segment. Optik und Akustik sind in guter Balance und auch vor dem einen oder anderen "echten" Sportwagen braucht man sich nicht zu verstecken.
 

DATENBLATTVW Golf GTD
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,27 / 1,80 / 1,44 m
Leergewicht (DIN)1377 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen380 - 1270 Liter
Motor4-Zylinder-Turbo-Dieselmotor mit 1968 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang Handschaltung
Leistung135 kW/184 PS bei 3500 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit230 km/h
max. Drehmoment380 Nm bei 1750 - 3250 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h7,5 Sek
Tankinhalt50 Liter
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)3,7 / 5,1 / 4,2 l
Testverbrauch6,1 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
109 g/km
Maximale Zuladung560 kg
Grundpreis29.700 Euro
Preis des Testwagens38.827 Euro

 

Quelle: ntv.de

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