Praxistest

Crossover im eigenen Format Nissan Juke - alles, nur nicht langweilig

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Die Neuauflage des Nissan Juke polarisiert lange nicht so wie sein Vorgänger.

(Foto: Holger Preiss)

Zehn Jahre fuhr der Nissan Juke gegen alle Anfeindungen an, war anders und hielt sich wacker, bis sein Nachfolger kam. Der ist geschliffen, hat aber immer noch etwas Rebellisches. Zudem gefällt er im ntv.de-Praxistest durch sein Gesamtauftreten.

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Die Rücklichter des Nissan Juke könnten eingebettet in die scharfen Kanten auch Raketentriebwerke sein.

(Foto: Holger Preiss)

Es gibt nicht viele Autos, die so polarisiert haben wie der Nissan Juke. Als er vor zehn Jahren an den Start ging, musste sich der in England gebaute Japaner viel Häme gefallen lassen und von den Attributen, mit denen er bedacht wurde, war schrullig noch das harmloseste.

Und dennoch: Allen Anfeindungen zum Trotz fand der Juke weltweit seine Fans. Eine Million Einheiten konnte Nissan von dem kleinen Crossover verkaufen. Am Ende machte das wohl so viel Mut, dass nun auch ein Nachfolger angetreten ist, in die extravaganten Fußstapfen seines Vorgängers zu treten.

Länger, höher, weiter

Schon beim ersten Blick auf den neuen Juke stellt man fest, dass er lange nicht mehr so polarisiert wie sein Vorgänger. Klar, die eigenwillige Scheinwerfergeometrie an der Front ist geblieben, fügt sich jetzt aber viel gefälliger in das Gesamtdesign ein. Kurz, der Juke schaut nicht mehr drein wie ein Frosch auf Speed, sondern gibt jetzt eher den knuffigen Kumpel, dem man auch die Vorzüge eines Crossovers viel eher abkauft. Lange Motorhaube, coupéhafte Dachlinie und Heckleuchten, die ein Raketentriebwerk simulieren könnten. Dazu alles etwas größer, eben länger, höher, weiter.

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In der Shilouette hat sich der Nissan Juke seine Eigenwilligkeit erhalten.

(Foto: Holger Preiss)

Um das mal in Zahlen zu packen: Der neue Juke ist 4,21 Meter lang, streckt sich also 7,5 Zentimeter mehr, gewinnt mit 1,80 Meter knapp 3,5 Zentimeter in der Breite und bei 1,60 Meter Höhe gibts hier 1,5 Zentimeter dazu. Wer dem Mini SUV noch 19-Zoll-Räder anschnallt, steht noch etwas wuchtiger auf dem Asphalt. Mit diesen Maßen ist der Japaner tatsächlich sowohl in der Stadt zu Hause als auch auf der Strecke. Denn im Innenraum muss man nicht über Platzmangel klagen. Auch die zweite Reihe, die im Vorgänger doch eher etwas für Asketen war, bietet nunmehr gut Platz vor allem für Knie und Kopf der Reisenden.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass Nissan auch die Sitzposition des Fahrers und die Übersichtlichkeit deutlich verbessert hat. Saß man im Vorgänger gefühlt wie der berühmte Affe auf dem Schleifstein, kann man jetzt über den Arbeitsplatz des Piloten nicht mehr meckern. Einzig der synthetische Teil der Sitzbezüge in der Ausstattungslinie Tekna macht nicht den besten Eindruck. Bereits nach wenigen Testfahrten machten sich hier unschöne Schuffelflecken auf den Polstern bemerkbar, die ansonsten einen wirklich guten Sitzkomfort bieten. Mit einem anderen Innenraumpaket kann dem aber abgeholfen werden. "Chic" heißt es und bietet Bezüge in der Kombination Alcantara und Leder.

Quirliger Dreizylinder

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Der Dreizylinder liegt im Nissan Juke frei, erfreut aber mit seiner quirligen Art.

(Foto: Holger Preiss)

Nun gehören solche Features aber zu den optionalen Beigaben eines Fahrzeuges und die kosten in der Regel zusätzlich. Was uns an diesem Punkt dazu bringt, mal auf den Preis des Nissan Juke zu gucken. Einsteigen kann man schon ab 18.990 Euro. Da gibt es dann, wie in allen Varianten, einen quirligen Dreizylinder-Benziner unter der Haube, der aus 999 Kubikzentimetern Hubraum 117 PS herausholt und ein maximales Drehmoment von 180 Newtonmeter an die Vorderräder weiterreicht. Das macht den Juke nicht zur Sportskanone, erlaubt aber auch dank der fluffig durch die Gassen zu führenden manuellen Sechsgangschaltung eine sportliche Fahrweise.

Zwar war im Test zu beobachten, dass der kleine Treibsatz einen Moment braucht, bis er zur Höchstform aufläuft, aber wenn er erstmal Betriebstemperatur hat, dann hört das etwas bockige Anreißen auf und der Juke schnurrt nur so dahin. Das macht er sogar recht sparsam. Im Bestfall wies der Bordcomputer 5,3 Liter über 100 Kilometer aus, im Gesamtdurchschnitt waren es dann 6,8 Liter. Dabei wurde aber auch ausprobiert, ob die 180 km/h in der Spitze zu erreichen sind und ob die 100-km/h-Marke tatsächlich nach 10,4 Sekunden fällt.

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Das Cockpit bietet bei einem entsprechenden Aufpreis einiges. Die Rundinstrumente bleiben aber analog.

(Foto: Holger Preiss)

Beides kann an dieser Stelle bestätigt werden, wenn denn abseits der Fahrmodi Normal und Eco die Sport-Einstellung gewählt wurde. Obgleich es auch hier einen Moment Zeit braucht, bis die Tempo-Spitze erklommen ist. Allerdings hat man, wenn auf den Geschwindigkeitsrausch zufährt, bereits ab Tempo 160 nicht mehr das Gefühl, dass hier noch große Reserven sind. Die gibt es auch beim Fahrwerk nicht. Das ist ausgewogen, reagiert erstaunlich entspannt auf etwaige Gemeinheiten im Asphalt und reicht aus, um den Juke flott ums Eck zu bringen. Schnelle Lastwechsel sind dann aber nicht so sein Ding. Hier wird der Crossover dann doch etwas unruhig und verlangt eine führende Hand am Lenkrad.

Mit den Beigaben wird's teuer

Aber wie schon erwähnt, der Juke ist in der getesteten Variante kein Sportwagen. Er taugt aber ganz hervorragend mit seinem zweietagigen Kofferraum, der klassenuntypische 422 bis 1088 Liter Stauraum bei umgelegter Rückbanklehne bietet, auch für lange Urlaubsfahrten mit reichlich Gepäck. Noch besser lassen sich solche Touren natürlich bewältigen, wenn der Juke mit dem aus Leaf und Qashqai bekannten "ProPilot" bestückt ist. Der hält nämlich den Wagen in der Spur und wahrt den Abstand zum Vordermann. Hinzu kommen ein Querverkehrs- und Totwinkelassistent oder der Geschwindigkeitsassistent und die Verkehrszeichenerkennung. Die war allerdings zu Teilen ein Totalausfall, wenn die im Stadtverkehr eine Richtgeschwindigkeit von 120 km/h anzeigte oder den Juke auf der Autobahn einbremste, weil sie an einer vorbeiziehenden Ausfahrt die Begrenzung auf Tempo 60 als verbindlich ansah.

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Mit 422 Liter Kofferraumvolumen übertrifft der Nissan Juke manch Konkurrenten.

(Foto: Holger Preiss)

Ansonsten kann man über die Arbeit nicht klagen. Allerdings hätte das wahrscheinlich noch mehr Spaß gemacht, wenn das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an Bord gewesen wäre und die Schaltarbeit übernommen hätte. Das kostet aber 2000 Euro extra und natürlich sind auch die Assistenzsysteme nicht umsonst. Hier kommt aber erschwerend hinzu, dass sie für das oben erwähnte Einstiegsmodell gar nicht zu bekommen sind, erst ab der Ausstattung N-Connecta für 22.900 Euro. Das kostet dann aber in Summe 1980 Euro zusätzlich, was den Gesamtpreis auf 24.880 Euro hebt.

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Die Sitze im Nissan Juke sind sportlich bequem, allerdings sollte man bei den Bezügen die richtige Wahl treffen.

(Foto: Holger Preiss)

An einem japanischen Design-Schnäppchen ist man mit dem Nissan Juke also spätestens hier sauber vorbeigeschrammt. Der Testwagen in der Ausstattungslinie Tekna setzt mit einem Grundpreis von 25.790 Euro dann noch einen drauf. Allerdings sind hier die Assistenzsysteme inklusive. Wer jetzt noch aufstocken will, ordert ein TomTom-Navi mit Echtzeitnavigation für 390 Euro und das Bose-Soundsystem, mit in den Kopfstützen integrierten Lautsprechern für 600 Euro. Auch das Winterpaket mit zweistufiger Sitzheizung für die erste Reihe und Frontscheibenheizung ist für 350 Euro noch im Angebot. Ist das alles gebucht, möchte Nissan für den Juke 27.730 Euro haben, was dann schon ein stolzes Sümmchen für den knuffigen Japaner ist.

Klar kann man auch ein wenig sparen, denn auch Nissan bietet für den Juke über den USB-Anschluss die Einbindung des Smartphones per Apple CarPlay oder Android Auto. Das TomTom Navi ist also schon mal obsolet. Was es für den Juke übrigens nicht gibt, ist ein induktives Ladefeld, auf dem man entsprechende Smartphones laden kann. Am Ende wird dieser Umstand nicht kaufentscheidend sein. Allerdings könnte das preissensible Publikum dann doch die Blicke schweifen lassen, denn das Angebot an Crossovern wächst auch im Segment der Kleinen immer mehr. Skoda ist mit dem Kamiq unterwegs, Opel steht kurz davor, den neuen Mokka an den Start zu bringen und VW hat mit dem T-Roc auch keine schlechte Alternative am Start. Preislich jedenfalls dürfte man hier auf Augenhöhe oder darunter fahren.

DATENBLATTNissan Juke DIG-T 117
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,21m/ 1,84 m/ 1,59m
Radstand2,63 m
Leergewicht (DIN)1182 kg
Sitzplätze5
EmissionsklasseEU 6d-Temp
Motor/HubraumR3 Turbobenziner und 999 Kubikzentimetern Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschlatung
Leistung117 PS (86 kW) bei 5250 U/min
KraftstoffartBenzin
Tankinhalt46 Liter
Kofferraum422 - 1088 Liter
Höchstgeschwindigkeit223 km/h
max. Drehmoment180 Nm bei 1750 - 4500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,4 s
Normverbrauch (kombiniert) WLTP5,9 - 6,2 l
Testverbrauch6,8 l
CO2-Emissionen nach WLTP
135 - 142 g/km
Grundpreis25.790 Euro
Preis des Testwagens27.730 Euro

Fazit: Der Nissan Juke ist nach wie vor optisch ein außergewöhnliches SUV, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht und ein wenig polarisiert. Wer auffallen und dabei ein Fahrzeug steuern will, das keine Wünsche offen lässt, der findet im Juke einen Partner. Allerdings sollte er bei Vollausstattung nicht mit einem Schnäppchen rechnen.

Quelle: ntv.de