Infografik

Schwindelerregende Fallzahlen Omikron-Kurve gleicht einer Wand

Omikron stellt frühere Infektionswellen mit anderen Corona-Varianten in den Schatten. Buchstäblich. US-Immunologe Fauci spricht von einem "fast vertikalen" Anstieg der Fallzahlen. Dieses Phänomen lässt sich nicht nur in den USA beobachten. Ein Überblick in Grafiken.

Ende November vergangenen Jahres verkündet Südafrika die Entdeckung einer neuen Coronavirus-Mutante: B.1.1.529, genannt Omikron. In dem Land schnellen die Fallzahlen binnen kürzester Zeit in ungeahnte Höhen. Die Virusvariante ist weitaus ansteckender als ihre Vorgängerinnen und sorgt dafür, dass sich innerhalb weniger Tage Zehntausende infizieren. Die Situation im Süden des afrikanischen Kontinents lässt erahnen, wie es bald anderen Weltregionen ergehen wird. Die globale Verbreitung von Omikron ist nicht mehr aufzuhalten, in Südafrika ebbt die Ansteckungswelle schnell wieder ab.

Mit einigen Wochen Verzögerung, kurz nach dem Jahreswechsel, spricht der US-Immunologe und Präsidentenberater Anthony Fauci in einem Interview von einem "fast vertikalen Anstieg" der Neuinfektionen in den Vereinigten Staaten. Die Kurve sei "wirklich beispiellos". Wenig später melden die USA das erste Mal seit Beginn der Pandemie mehr als eine Million neue Fälle binnen 24 Stunden. Bei einem Blick auf die die Liniendiagramme zur Entwicklung der Infektionslage sieht es so aus, als türme sich eine Wand auf - die vorherige Wellen schnell winzig klein erscheinen lässt.

Am gestrigen Mittwoch verkündeten die amerikanischen Behörden laut Zählung der "New York Times" 704.369 neue Infektionen binnen eines Tages. Im Durchschnitt werden mehr als 585.000 Fälle pro Tag gemeldet. Im Zwei-Wochen-Vergleich ist das ein Anstieg um 247 Prozent. Die Zahl der täglichen Toten bleibt dagegen derzeit noch auf einem relativ stabilen Niveau. Zuletzt wurden 2113 weitere Todesopfer im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet. Durchschnittlich sterben in den USA 1329 Erkrankte pro Tag. Das ist ein leichter Rückgang um drei Prozent im Vergleich zum Schnitt von vor 14 Tagen.

Auf der südlichen Erdhalbkugel galt Australien lange Zeit als sicherster Hafen. Mithilfe einer strengen Zero-Covid-Strategie hatte das 25-Millionen-Einwohner-Land die Pandemie im Griff. Dann kam Omikron. Jetzt steigt die Zahl der täglichen Ansteckungen mit Sars-CoV-2 beinahe senkrecht in die Höhe. Zuletzt registrierten die Behörden 72.508 neue Fälle. Das ist ein neuer Negativrekord. Insgesamt sind im Verlauf der vergangenen zwei Jahre 612.106 Infektionen nachgewiesen worden. 2289 Menschen starben im Zusammenhang mit Covid-19.

Auch in Deutschland werden die Kurven steiler

In Europa lässt sich zunächst in Großbritannien das Potenzial von Omikron unschwer erkennen. Seit Mitte Dezember erleben die Briten beinahe täglich neue Höchstwerte bei den Neuinfektionen. Schlagzeilen macht im Vereinigten Königreich aber auch die Überlastung des Gesundheitswesens. Das liegt nicht an einer ungewohnt hohen Zahl schwerer Covid-19-Verläufe, sondern vor allem an dem schieren Ausmaß der Ansteckungen und damit verbundenen Erkrankungen. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken haben sich infiziert oder befinden sich in Quarantäne. Die Personalknappheit sorgt vielerorts für erhebliche Engpässe.

Inzwischen sind auch andere europäische Staaten schwer von der Omikron-Ausbreitung betroffen. Etwa Griechenland, Italien, Spanien und Portugal. Bei der Höhe der Impf- und Genesenenquote scheint die Mutante dabei keinen Unterschied zu machen. So sind etwa in Portugal nahezu 90 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, 29 Prozent sind geboostert. Dennoch explodieren die Fallzahlen.

Noch haben die betroffenen Länder gemein, dass bei der Entwicklung der Todeszahlen und der Intensivfälle in den Kliniken kein nennenswerter Unterschied zu erkennen ist. Dies könnte sich zwar noch im Verlauf der Ansteckungs-Welle verändern. Erfahrungen aus Südafrika und Großbritannien zeigen, dass die Krankheitsverläufe nach einer Infektion mit Omikron dank der Schutzimpfung milder sind als bei der zuletzt noch dominierenden Delta-Variante. Das bedeutet, weniger Infizierte müssen intensivmedizinisch behandelt werden. Für Ungeimpfte besteht ein weitgehend unverändert hohes Risiko.

Und Deutschland? In den Meldedaten für die gesamte Bundesrepublik lässt sich das Phänomen "Omikron-Wand" noch nicht erkennen. Doch in einzelnen Bundesländern, in denen die Variante bereits das Infektionsgeschehen dominiert, zeigt sich ein ähnliches Muster: Ein steil anziehendes Fallaufkommen melden Schleswig-Holstein, Hamburg und vor allem Bremen.

In Südafrika hat sich die Lage in der Zwischenzeit entspannt. Seit Mitte Dezember sinkt die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen fast so schnell, wie sie einst gestiegen ist. Über die Gründe für das rasche Abebben dort wird viel spekuliert: Die Bevölkerung Südafrikas ist tendenziell jünger, die Zahl der unerkannten Infektionen war bereits vor der Omikron-Welle hoch. Vollkommen offen ist, wie sich die Ausbreitung von Omikron auf ältere und ungeimpfte Bevölkerungsschichten auswirkt - und inwiefern auch in anderen betroffenen Ländern ein derart schneller Rückgang zu beobachten sein wird.

Quelle: ntv.de, mmo/fzö

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