Leben
Wild (l.) 2004 nach dem Pokalsieg mit Köln.
Wild (l.) 2004 nach dem Pokalsieg mit Köln.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)
Sonntag, 02. September 2018

Hardi Wild und sein Alpenkaffee: Der Kaffeeröster, der mal Eishockeystar war

Von Julian Vetten, Garmisch-Partenkirchen

An Eishockey führt im Wintersportort Garmisch-Partenkirchen kein Weg vorbei. Auch Hardi Wild verfiel der Jagd nach dem Puck - und wurde als Profi mit Köln Pokalsieger. Seine wahre Erfüllung fand Wild aber erst später - in Form einer kleinen braunen Bohne.

Wenn Leonhard "Hardi" Wild etwas macht, dann macht er es mit vollem Körpereinsatz. Das war schon so, als der bullige Garmisch-Partenkirchener noch für Eishockey-Bundesliga-Vereine wie die Kölner Haie, die Augsburger Panther oder den EHC München im Tor stand. Und das ist auch heute so, bei Wilds zweitem Job, der genau wie der erste eher Berufung als Beruf ist. Als wäre es nichts, wuchtet Wild einen 60 Kilogramm schweren Sack mit Rohkaffee hoch und füllt einen Teil der Bohnen in die imposante Maschine, die in der Showrösterei der Wilds in der Garmischer Bahnhofsstraße steht.

Wildkaffee röstet seit 2010 in Garmisch-Partenkirchen.
Wildkaffee röstet seit 2010 in Garmisch-Partenkirchen.(Foto: Katrin Müller)

"Kaffee habe ich eigentlich erst während meiner Zeit als aktiver Spieler so richtig zu lieben gelernt", sagt Wild, während er mit einer Hand die gewünschten Röstparameter in den Computer eingibt und die mehr als mannshohe Maschine langsam aufheizt. 2004, da wurde er mit den Kölner Haien im Hauptberuf gerade Pokalsieger, belegte Wild zusammen mit seiner Frau Stefanie seinen ersten Barista-Kurs - spätestens ab da war klar, wo die Reise hingehen würde: Die Wilds wollten die erste Kaffeerösterei in Garmisch-Partenkirchen gründen und das bayerische Biermonopol mit etwas Koffein unterfüttern.

2010, nachdem Wild wegen einer schweren Verletzung auf dem Eis pausieren musste, war es dann endlich soweit, erinnert sich der 38-Jährige: "Die Leute haben schon ein bisschen kritisch geschaut, als wir unsere Rösterei aufgemacht haben." In Berlin, Hamburg oder München wäre die Startphase vielleicht einfacher gewesen, mittlerweile ist Wildkaffee in Garmisch-Partenkirchen aber eine Institution - mehrere Hotels in dem Wintersportort beziehen Wilds Mischungen. Und auch in den vorgenannten großen Städten sind die Alpenröstungen mittlerweile zu einem Geheimtipp geworden.

"Mit Fairtrade kann keine Farm überleben"

Zwischen 6,10 Euro und 11,90 Euro kosten 250 Gramm Wildkaffee im Onlineshop - je nachdem, für welche der 16 Röstmischungen man sich entscheidet. Im Supermarkt kommt man natürlich deutlich günstiger weg, den Qualitätsunterschied schmeckt man aber auch - gerade und vor allem Laien, die sonst eher Kantinenplörre oder die Kapselkatastrophen gewöhnt sind, die in so vielen deutschen Büros Usus sind. Was besonders auffällt: Den Wildkaffees fehlt jeglicher Säuregeschmack, den man bei anderen Kaffeesorten schon für gegeben hält. Das liegt daran, dass die Wilds ihre Bohnen nicht wie Großröstereien in Tonnenröstern bei 400 bis 600 Grad Celsius für zwei bis vier Minuten rösten, sondern dem Prozess zwölf bis 20 Minuten bei geringerer Temperatur schenken. Im Anschluss an die Röstung werden die Bohnen nicht mit Wasser, sondern schonend an der Luft gekühlt.

Wer hätte gedacht, dass Kaffee so vielfältig schmecken kann?
Wer hätte gedacht, dass Kaffee so vielfältig schmecken kann?(Foto: Katrin Müller)

Ziemlich genau 18 Minuten nach Beginn der Röstung ist es diesmal soweit: Wild öffnet eine Klappe und der frisch geröstete Kaffee rutscht mit einem befriedigenden Geräusch auf das darunterliegende Sieb, wo er mit einer Art rotierendem Rechen gleichmäßig verteilt wird. Während die Bohnen langsam abkühlen, erklärt Wild, was neben der schonenderen und damit deutlich zeitaufwändigeren Röstung für den höheren Preis verantwortlich ist: "Mit Fairtrade-Preisen kann keine Farm überleben. Wir zahlen das zwei- bis Dreifache des Fairtrade-Preises." Aber nicht an irgendjemanden: "Unsere Kaffeebohnen beziehen wir ausschließlich von Bauern, die wir persönlich kennenlernen durften und zu denen wir in ständigen Kontakt stehen", sagt Wild.

Einen Mitleidsbonus wollen die Wilds aber trotzdem nicht haben: "Die Leute sollen unseren Kaffee kaufen, weil er schmeckt, nicht, um die Welt zu retten", stellt der Chefröster klar. Und das scheint zu funktionieren: Bis zu acht Tonnen Kaffee werden von Wildkaffee mittlerweile pro Monat geröstet, Tendenz steigend. Der Großteil davon allerdings am zweiten Standort in Farchant, wo zwei weitere Maschinen ihren Dienst verrichten. Und dahin verabschiedet sich Wild am Ende der Showröstung dann auch ziemlich schnell - schließlich lässt sich noch so viel feinjustieren auf der Suche nach dem perfekten Kaffee. So, wie Leonhard "Hardi" Wild es schon immer gemacht hat: mit vollem Körpereinsatz.

Quelle: n-tv.de