Leben
Auf der Stepberg-Alm kann man nicht nur den Ausblick auf das Wettersteingebirge genießen, sondern sich auch ausgezeichnete Speisen schmecken lassen.
Auf der Stepberg-Alm kann man nicht nur den Ausblick auf das Wettersteingebirge genießen, sondern sich auch ausgezeichnete Speisen schmecken lassen.(Foto: Katrin Müller)
Freitag, 06. Juli 2018

Fernab ausgetretener Pfade: Garmisch-Partenkirchen ist mehr als nur die Zugspitze

Von Julian Vetten, Garmisch-Partenkirchen

Deutschlands höchster Berg dominiert im wahrsten Sinne des Wortes Garmisch-Partenkirchen. Dabei gibt es für Besucher im Schatten der Zugspitze so viel mehr zu entdecken - sowohl mit den Füßen als auch mit dem Gaumen.

Seit Ende Dezember 2017 ist Garmisch-Partenkirchen um gleich drei Weltrekorde reicher: Die neue Seilbahn auf die Zugspitze überwindet den größten Höhenunterschied (1945 Meter), stellt die größte Distanz eines freischwebenden Stahlseils (3213 Meter) und verfügt obendrein auch noch über die höchste Stahlbaustütze im Seilbahnbusiness (127 Meter). Ziemlich viele Superlative, die seitdem 580 statt 300 Fahrgäste pro Stunde auf Deutschlands höchsten Berg (2962 Meter) locken. Und genau um die soll es in diesem Text ausnahmsweise mal nicht gehen. Stattdessen haben wir uns die mehr oder weniger versteckten Kleinode der Region zur Brust genommen - denn wer seinen Blick öffnet, kann in und um Garmisch-Partenkirchen so viel mehr entdecken als das übliche "höher, schneller, weiter".

Den Ausblick auf die Zugspitze muss man sich auf diesem Bild von der Spitze des Wank zwar vorstellen - aber wie die Bäume in den Wolken verschwinden, ist ja auch beeindruckend genug.
Den Ausblick auf die Zugspitze muss man sich auf diesem Bild von der Spitze des Wank zwar vorstellen - aber wie die Bäume in den Wolken verschwinden, ist ja auch beeindruckend genug.(Foto: Katrin Müller)

Zum Beispiel den schönsten Blick auf das Wettersteingebirge und die Zugspitze in dessen Zentrum: Den erhascht, wer genau auf der gegenüberliegenden Seite in die Höhe steigt und den Weg Richtung Kramerspitz einschlägt. Obwohl der Berg knapp an der 2000er-Grenze kratzt, wird er von den meisten Besuchern zunächst links liegengelassen - völlig zu Unrecht, wie sich bereits kurz nach Beginn des Aufstiegs vom Parkplatz Almhütte auf 800 Höhenmetern zeigt.

Frische Buttermilch von der Sennerin

Schon kurz nach dem Start am Wanderparkplatz verschluckt die sommerliche Alpenlandschaft die letzten Stadtgeräusche in der Ferne, stattdessen brummen dicke Hummeln durch die Luft. An diesem sonnigen Mittwoch Ende Juni setzt echtes Kaiserwetter die überall blühenden Wildblumen vor dem prächtigen Zugspitzpanorama perfekt in Szene und versüßt Bergwanderern den Aufstieg über schmale Pfade, die sich in Serpentinen den Berg hinaufschlängeln.

Auf halber Höhe zur Kramerspitz lädt diese Bank zum Verweilen ein.
Auf halber Höhe zur Kramerspitz lädt diese Bank zum Verweilen ein.(Foto: Katrin Müller)

Wer auf dem steilen Anstieg erst einmal das perfekte Tempo gefunden hat, kann im Anschluss die Naturschönheiten nahezu ungestört von anderen Wanderern genießen und wird sich nach etwas mehr als zwei Stunden bei der Ankunft an der Stepberg-Alm wundern, wie entspannt sich knapp 5000 Stufen (800 Höhenmeter) bewältigen lassen, wenn das Rundherum passt.

Trotzdem ist eine ausgedehnte Mittagspause auf der Alm eine mehr als willkommene Abwechslung: Das spektakuläre Panorama, das sich vor der Terrasse entfaltet, lässt sich mit einem kühlen Weißbier in der Hand und einem üppig belegten Speckbrot (natürlich mit Fleisch von Kühen aus der Region) oder einem frisch zubereiteten Kaiserschmarrn auf dem Teller perfekt genießen. Eine besondere Spezialität ist die Buttermilch, von der Sennerin täglich frisch zubereitet. Wer nach der Jause noch genug Zeit und Energie übrig hat, macht sich auf den zweistündigen Aufstieg zur Kramerspitz, alle anderen dürfen aber auch schon ohne schlechtes Gewissen über das eindrucksvolle Gelbe Gewänd absteigen.

Altbayrisch trifft Ayurveda

Bei Paraglidern wegen seiner Thermik beliebt, bei Wanderern an schlechten Tagen wegen seiner Sitzgelegenheiten: die steil abfallende Startrampe auf dem Gipfel des Wank
Bei Paraglidern wegen seiner Thermik beliebt, bei Wanderern an schlechten Tagen wegen seiner Sitzgelegenheiten: die steil abfallende Startrampe auf dem Gipfel des Wank(Foto: Katrin Müller)

Unten angekommen und in der Unterkunft vom Schweiß und Staub des Tages befreit, folgt die Qual der Wahl der Abendgestaltung: Gäste können in Garmisch-Partenkirchen aus über 200 Restaurants und Bars wählen - hier den Überblick zu behalten, ist alles andere als einfach. So richtig falsch kann man sich allerdings gar nicht entscheiden, schließlich hat die Stadt in den vergangenen Jahren kulinarisch nicht nur aufgeholt, sondern mit einer ganzen Batterie spannender Konzepte neue Akzente gesetzt. Vorbei sind die Zeiten, in denen Besucher lediglich die Wahl zwischen traditioneller bayrischer Küche und einem der vielen Italiener der Stadt hatten, heute schlagen Küchenchefs wie Sascha Horst vom altehrwürdigen Staudacherhof und Johannes Wäger aus dem frisch eröffneten Boutique-Hotel Werdenfelserei mit ihrer Crossover-Küche neue Wege ein.

Beide Chefs wollen der traditionellen bayerischen Küche ihre Schwere nehmen, ohne den reichhaltigen Geschmack zu verlieren - mit völlig unterschiedlichen Konzepten, die doch beide das gleiche Ziel haben: Während Horst die Harmonielehre des Ayurveda verinnerlicht hat und daraus stimmige "Bayurvida"-Menüs komponiert, interpretiert der erst 25 Jahre alte Wäger altbayrische Klassiker neu und setzt in seinem "Wurzelwerk" ganz bewusst auf Blüten, Beeren, Knollen und Wurzeln aus der Region. Gebratenes Forellenfilet mit Fenchelgemüse, Wacholderschaum und Gewürzreis auf der einen Seite, Werdenfelser Rehrücken an Knollensellerie, Heidelbeeren und Lorbeeröl auf der anderen - sowohl das Viergang-"Bayurvida"-Menü als auch das sechsgängige "Wurzelwerk" sind eine echte kulinarische Wucht - und das ganz ohne wuchtig daherzukommen.

So lässt sich das reichhaltige Freizeitangebot in Garmisch-Partenkirchen dann auch am nächsten Tag unbeschwert genießen: Der Panoramaberg der Region, der Wank, kann entweder zu Fuß oder per Seilbahn erobert werden und ist bei Paraglidern und Drachenfliegern als echtes Thermik-Wunder bekannt, während auf der Loisach angehende Wildwassersportler ihre ersten Rafting-Versuche in vergleichsweise zahmem Gewässer üben können - perfekt für Kinder. Das Sommer-Highlight des geschichtsträchtigen Erholungsortes sind und bleiben allerdings die opulenten Wander- und Kletterrouten, von denen es in und um Garmisch mehr als 300 Kilometer gibt - gefühlt noch deutlich mehr, wo es doch die meiste Zeit bergauf oder -ab geht. Aber was sind ewige Beschreibungen von Partnachklamm und Via Ferrata schon wert, wenn man sie doch selbst begehen kann? Also: Wanderstiefel eingepackt und los geht's.

Der Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

Quelle: n-tv.de