Leben

Männergesundheit im Fokus "Männer betreiben Reparaturmedizin"

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Männer lassen Vorsorgeuntersuchungen häufig ausfallen.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Das sogenannte starke Geschlecht stirbt im Schnitt fünf Jahre früher. Das liegt vor allem daran, dass Männer ihre eigene Gesundheit viel zu oft auf die leichte Schulter nehmen. Am ehesten wird der Gang zum Arzt bei Erektionsstörungen in Betracht gezogen. Das beste Stück muss schließlich funktionieren.

Viele Männer kümmern sich besser um ihr Auto als um ihren eigenen Körper. Sie essen zu viel Fleisch, bewegen sich zu wenig, trinken regelmäßig größere Mengen Alkohol oder rauchen. Weiterhin geht die Mehrheit erst dann zum Arzt, wenn sich enorm belastende Symptome zeigen. Häufig ist es dann bereits zu spät. So ist es kein Wunder, dass fast ein Drittel aller Herren vor dem 70. Lebensjahr stirbt. Am ehesten reagieren Männer, wenn ihr gutes Stück schlappmacht.

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Das mangelnde Gesundheitsbewusstsein von Männern beobachtet auch Urologe, Androloge und Sportmediziner Prof. Dr. Frank Sommer, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema Männergesundheit beschäftigt und unter anderem das "Men's Health Penis-Buch" geschrieben hat: "Frauen betreiben Vorsorgemedizin, Männer Reparaturmedizin", sagt er im Gespräch mit ntv.de.

Lediglich zehn Prozent der Männer würden sich mit einer ausgewogenen Ernährung, viel Bewegung und regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen aktiv um ihre Gesundheit kümmern. Schon der Besuch einer Arztpraxis wird von vielen Herren als Schwäche und Unmännlichkeit angesehen.

Wenn das beste Stück schlappmacht

Allerdings ist ein funktionierender Penis für das Männlichkeitsempfinden von enormer Bedeutung. Wiederkehrende Potenzstörungen sind daher für die Betroffenen ein enorm belastendes Problem. Auch die Beziehung leidet häufig darunter. Bei einer Erektionsstörung (erektile Dysfunktion) wird der Penis nicht mehr (ausreichend) oder lange genug steif, um den Geschlechtsakt auf eine befriedigende Art und Weise ausführen zu können. Mit höherem Alter steigt die Häufigkeit der Erektionsstörung. Eine von Sommer geleitete Umfrage von 10.000 Männern zeigt, dass jeder Fünfte im Alter zwischen 50 und 59 Jahren an Potenzstörungen leidet. Bei den 60- bis 69-Jährigen klagte bereits jeder Dritte über gravierende Erektionsprobleme.

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Prof. Dr. Sommer ist Experte für Männergesundheit. Zu seinen Schwerpunkten gehören Erektionsstörungen, Kinderwunsch und genitalchirurgische Eingriffe am Penis.

Die Ursachen für Erektionsstörungen sind vielfältig, allerdings spielt die Psyche in den wenigsten Fällen eine Rolle: "Man weiß heute, dass fast 90 Prozent der Fälle organisch bedingt sind", sagt Sommer. Neben psychischen Problemen können beispielsweise Testosteronmangel, eine schwache Potenzmuskulatur, Erkrankungen (unter anderem Diabetes), bestimmte Medikamente (zum Beispiel Antihistaminika oder Psychopharmaka), Übergewicht, hohe Cholesterinwerte, Rauchen sowie Alkoholmissbrauch ursächlich für Erektionsstörungen sein. Dazu gehört auch eine schlechte Penisdurchblutung, die nicht unbedingt ungefährlich ist: "Es kann langfristig zu Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen", warnt Sommer. Treten die Potenzprobleme wiederholt auf, kommen häufig auch psychische Probleme hinzu. Laut Sommer entsteht dann ein Teufelskreis: "Der Mann bekommt Panik, wenn Geschlechtsverkehr angesagt ist. Er ist beschämt und fragt sich, ob es diesmal mit der Erektion klappt."

Die Therapie von Potenzstörungen richtet sich nach der entsprechenden Ursache. Sommer macht den betroffenen Männern Hoffnung: "In der heutigen Zeit muss kein Mann mehr unter Erektionsstörungen leiden." Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Betroffene sich auch in ärztliche Behandlung begibt. "Männer, die sich nicht therapieren lassen deswegen, haben eine dreimal höhere Depressionsrate", warnt der Experte. Mittlerweile gibt es sogar Selbsthilfegruppen wie die Online-Plattform "Impotenz Selbsthilfe", in denen sich Männer anonym untereinander und mit Experten über ihre Erektionsstörungen austauschen können.

Wer vorbeugend agiert, bleibt länger gesund

Gerade im Bereich Vorsorge ist noch viel Luft nach oben, denn während 60 Prozent der Frauen zum regelmäßigen Gesundheits-Check gehen, sind es bei den Männern nur 21,6 Prozent. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrebs und Prostatakrebs gehören zu den häufigsten vorzeitigen Todesursachen bei Männern. Ab einem Alter von 35 Jahren sollte daher alle zwei Jahre eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt erfolgen. Männern über 45 Jahren wird zusätzlich eine jährliche Kontrolle der Prostata und äußeren Genitalien empfohlen. Wer über 50 Jahre alt ist, kann sich jährlich auf Darmkrebs testen lassen. Die Untersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Um das Vorsorgebewusstsein zu steigern, bieten viele gesetzliche Krankenkassen Bonusprogramme an. Wer durchgeführte Untersuchungen nachweisen kann, wird mit finanziellen Zuschüssen oder anderen Bonusvarianten belohnt. Auch die positive Darstellung eines gesundheitsbewussten Mannes in den Medien hat laut Sommer dazu beigetragen, dass die Zahl der Männer, die zur Vorsorgeuntersuchung gehen, in den letzten 20 Jahren um 9,8 Prozent angestiegen ist.

Dabei können Männer mit einem gesunden Lebensstil sowohl einer erektilen Dysfunktion effektiv vorbeugen als auch ihre Fruchtbarkeit verbessern. Wer nicht raucht, wenig Alkohol trinkt, sich gesund ernährt und regelmäßig bewegt, ist weniger häufig von der Potenzstörung betroffen und hat eine bessere Spermienqualität. Bei nur leichten Potenzproblemen oder zur Vorbeugung von Erektionsstörungen empfiehlt Sommer Haferflocken zum Frühstück, da diese die Produktion von Testosteron ankurbeln. Weiterhin sollten Kreuzblütler wie Brokkoli, Blumenkohl oder Grünkohl drei- bis viermal wöchentlich auf dem Speiseplan stehen. Ebenso enthalten beispielsweise die Kerne von roten Wassermelonen erektionsfördernde Eiweiße wie L-Arginin und L- Citrullin. Auch spezielle Übungen können zur Stärkung der Potenzmuskulatur sowie zur besseren Durchblutung des Penis durchgeführt werden.

Quelle: ntv.de