Leben

"Weil wir es uns wert sind" Natalia Wörner steht für andere auf - und ein

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Die Schauspielerin Natalia Wörner wurde mit dem Bundesverdienstkreuz für ihr soziales Engagement ausgezeichnet .

(Foto: L'Oréal)

"Weil wir es uns wert sind" ist ein Werbespruch, aber trotzdem nicht nur so dahingesagt. ntv.de hat mit Natalia Wörner gesprochen, die als Botschafterin der Initiative "Stand Up" und mit einer Kosmetikmarke gegen Belästigung in der Öffentlichkeit kämpft.

Ein Mädchen und ein Junge wachsen in einer Stadt auf, sie sind Freunde. Gemeinsam werden sie älter, gehen durch dieselben Straßen, fahren mit derselben Bahn, gehen zur Schule, zur Uni, zur Arbeit. Eines Tages erzählt die Frau in einem größeren Kreis von ihrer Kindheit. Ihrer Jugend, ihrer Stadt. Der Mann wundert sich: "Wir waren doch immer zusammen, ich habe genau dieselbe Bahn benutzt, wir sind gemeinsam zur Schule gegangen, was erzählt sie da?" Später nimmt er sie zur Seite und fragt: "Was du da erzählt hast, stimmt das? Wurdest du auf der Straße wirklich von Männern angemacht, als du elf warst? Bist du in der Bahn bedrängt worden? Hat ein Professor dich tatsächlich vor allen anderen runtergemacht, bloß weil du nicht mit ihm ausgehen wolltest? Hattest du Angst auf dem Heimweg?" Der Mann war sprachlos. Klang das, was seine alte Kinderfreundin da erzählte, doch so, als wäre sie in einer anderen Stadt, gar auf einem anderen Planeten aufgewachsen.

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Nicht wegschauen - überlegt handeln ist die Devise!

(Foto: L'Oréal)

So geht es vielen Frauen. So ging es auch Emily May, Mitbegründerin und Geschäftsführerin von "Hollaback!", einer Organisation, die sich dafür einsetzt, gegen Belästigung in der Öffentlichkeit vorzugehen: "Viele von uns schauen weg, weil sie einfach nicht wissen, wie sie helfen können. So kann es nicht weitergehen, deswegen arbeiten wir mit L'Oréal Paris und dem Trainingsprogramm 'Stand Up' zusammen, um Menschen auf der ganzen Welt - Männer, Frauen jeder Herkunft und aus allen Generationen - mit einfachen Methoden zu bestärken, zu unterstützen und auszubilden."

Wo Übergriffigkeit anfängt

Das Ziel ist, bis Ende 2021 weltweit eine Million Teilnehmer und Teilnehmerinnen für das Trainingsprogramm präventiv zu schulen, um Belästigung in der Öffentlichkeit zu bekämpfen. Eine internationale Umfrage, die L'Oréal mit dem Marktforschungsunternehmen Ipsos und Forschern der renommierten US-amerikanischen Cornell-Universität durchgeführt hat, kam nämlich zu folgenden Ergebnissen: 78 Prozent aller Frauen haben schon einmal Belästigung in der Öffentlichkeit erlebt. Nur 25 Prozent der Opfer sagen, dass ihnen in der Situation jemand geholfen hat. 75 Prozent der Befragten gab an, aus Angst vor Belästigung bestimmte Orte zu meiden. Und über die Hälfte der Frauen erklärte, dass sie sich aus Vorsicht nicht mehr so schminken und anziehen, wie sie es eigentlich gerne tun würden. Diese Ergebnisse bestärkten das Kosmetikunternehmen, sich noch bewusster für das Selbstwertgefühl von Frauen einzusetzen und ganz konkret die tägliche Belästigung in der Öffentlichkeit zu bekämpfen.

Natalia Wörner, Schauspielerin und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet für ihr soziales Engagement, hat eine ganz klare Meinung: "Für mich fängt die Übergriffigkeit bereits im Verbalen an." Für sie steht fest, dass sie sich immer wehren würde, sei es lautstark oder anders. "Das muss natürlich der Situation angepasst sein", gibt sie zu bedenken. "Es ist etwas anderes, ob ich in einer halbleeren S-Bahn sitze und ein Mann eine Frau anmacht, auch körperlich, oder ob in einem Meeting ein Vorgesetzter zu einer Kollegin etwas Beleidigendes oder Herabwürdigendes sagt." Übrigens sind natürlich nicht nur Frauen Opfer von Übergriffigkeiten und Anmachen - dasselbe gilt für Männer und für alle anderen Geschlechtsidentitäten.

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Wörner: "Ich versuche, meine Privatsphäre zu schützen."

(Foto: L'Oréal)

Wörner ist es als Schauspielerin gewohnt, sich klar zu positionieren und würde bei Aggressionen eher deeskalieren. Sie sagt ntv.de: "Ich versuche, meine Privatsphäre zu schützen. Aber bei Übergriffigkeit gehe ich dagegen an, vor allem, wenn es meine Familie betrifft. Ich will mich da allerdings nicht als Maßstab nehmen. Ich weiß, dass andere es schwerer haben, sich zur Wehr zu setzen."

Die "5-D-Methode"

Wenn also eine unangenehme Situation beispielsweise in der S-Bahn auftritt - dann ist es vielleicht angebracht, nicht selbst als Einzelner direkt dazwischenzugehen, sondern einen Film von der Situation mit dem Handy aufzunehmen. "Hier zeigt die '5-D-Methode' sehr anschaulich und alltagstauglich, wie man unkompliziert nach Hilfe Ausschau halten und die Polizei informieren kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen", sagt Wörner. "Die Schulungen können momentan natürlich nur online stattfinden, aber das ist auch eine sehr gute Methode, die "5 Ds" (ins Deutsche übersetzt die "5 As") zu vermitteln", findet Wörner: Direct - Ansprechen, Distract - Ablenken, Delegate - Andere hinzuziehen, Document - Aufnehmen und Delay - Aufschieben.

79 Prozent der Opfer sagen, dass bei Hilfe - also wenn jemand während einer Belästigung aktiv einschreitet - sich ihre Situation verbessert hat, eben weil jemand etwas für einen anderen unternommen hat. "Das ist für mich der Beweis, dass diese Initiative so unglaublich hilfreich ist", ergänzt die 53-Jährige. Noch einmal Gründerin Emily May: "Oft wissen wir ja gar nicht einzuordnen, was eine Belästigung ausmacht, und erst hinterher fragen wir uns: Warum habe ich nicht anders, besser, reagiert?" Dieses Problem kennt auch Natalia Wörner: "Die Aufmerksamkeit dafür zu schaffen, wann eine Übergriffigkeit passiert, ist wichtig. Wie oft hat es mich schon geärgert, dass man nicht eingegriffen hat oder selbst nicht reagiert hat, weil man sich so überrumpelt gefühlt hat? Und wenn man es im Moment selbst nicht schafft, sich zu wehren, wie gut wäre es dann gewesen, wenn ein anderer einem zur Seite gestanden hätte!"

Gemeinsam agieren

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Strahlender Mittelpunkt, kluger Kopf: Iris Berben.

(Foto: imago images/Eibner)

Auch eine andere, großartige Schauspielerin ist dabei - Iris Berben. Sie sagt: "Ich habe bereits an einer solchen Schulung teilgenommen. Sie ist für jeden leicht umzusetzen. Ich war besonders beeindruckt davon, wie prägnant und klug diese fünf schritte, die fünf Ds, umzusetzen und anzuwenden sind." Und Berben betont etwas, das den Initiatoren sehr am Herzen liegt: dass "Stand Up" nicht nur für Mädchen und Frauen ist, sondern für jeden, "das ist ein ganz starker Impuls, der nach außen gesendet wird".

Iris Berben wäre nicht die, die sie ist und das, wofür sie so überaus geschätzt wird, wenn sie nicht noch einen weiteren "Hinweis" hätte: "Wir brauchen die Justiz und die Politik an unserer Seite. Wir brauchen Solidarität und Zusammenhalt, über alle Grenzen und Geschlechter hinweg." Natürlich, die Gleichstellung der Geschlechter wäre die Basis, aber so weit sind wir eben doch noch nicht. Natalia Wörner ergänzt hierzu: "Gerade in der jetzigen Zeit wissen wir es doch zu schätzen, wenn wir gemeinsam agieren. Frauen und Männer zu ermutigen, sich gegen Belästigung in der Öffentlichkeit zu wehren, anderen zu helfen und sicher reagieren zu können, ist etwas Großartiges. Ich finde, das macht Mut!"

Jeder kann helfen, den kulturellen Wandel vorantreiben. Auf der Webseite von "Stand Up" können Interessierte beim kostenlosen Trainingsprogramm mitmachen. Dort werden unter anderem die "5 Ds" in kurzen Videos und Situationen im Alltag erklärt, um Belästiger abzuschrecken, Opfer zu unterstützen und Zeugen zu ermutigen, einzugreifen.

Quelle: ntv.de

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