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Prepper-"Polizeiruf" Apokalypse Brandenburg

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Kommissar Raczek (Lucas Gregorowicz) befriedet den Prepper Lennard Kohlmorgen (Jürgen Vogel).

(Foto: rbb/Oliver Feist)

Was kommt heraus, wenn man "Mad Max", "Fight Club" und "Blackout" zusammenrührt und eine ordentliche Prise öffentlich-rechtliches Fernsehen dazugibt? Auf jeden Fall kein 08/15-Sonntagskrimi. Die Frage nach dem Spaß steht auf einer anderen Karte.

38 Minuten. Solange dauert es, bis im neuen "Polizeiruf" die erste Leiche auftaucht. Das ist ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist aber, dass von da an keine 20 Minuten mehr bis zur drohenden Apokalypse vergehen. "Demokratie stirbt in Finsternis" fährt die ganz großen Geschütze auf und ist auch sonst alles andere als ein normaler ARD-Sonntagskrimi. Aber ist das nun gut oder schlecht?

Auf Kommissarin Lenski (Maria Simon) bezogen fällt die Antwort recht leicht: Die alleinerziehende Mutter ist nervlich am Ende, nachdem sie und ihre Tochter zuhause ausgeraubt und dabei auch noch im Schlaf gefilmt wurden. Lenski braucht einen Tapetenwechsel und sucht Zuflucht auf einem abgelegenen Brandenburger Hof. Ruhe sucht die Kommissarin dort allerdings vergebens: Hofbesitzer Lennard Kohlmorgen (Jürgen Vogel) glaubt als Prepper an die nahende Apokalypse und liegt obendrein noch im Clinch mit der örtlichen Dorfjugend und seiner eigenen Tochter Ulrike (Sofie Eifertinger), die ihrem Vater die Schuld daran gibt, dass Mutter Valeska (Patrycia Ziolkowska) die Familie verlassen hat.

Heimerziehung und Weltuntergangsszenarien

"Demokratie stirbt in Finsternis" spinnt gleich mehrere Handlungsfäden und scheut sich nicht davor, manche davon recht schnell wieder ins Leere laufen zu lassen: Der Einbruch bei Lenski entpuppt sich fix als 08/15-Verbrechen, obwohl alle Hinweise zunächst auf eine Rachetat hindeuten und Lenskis Kollege Raczek (Lucas Gregorowicz) auch intensiv in diese Richtung ermittelt. Dafür schlägt der Film immer wieder unerwartete Volten, die mit fortlaufender Dauer immer aberwitziger werden. Ein kleiner Auszug, ohne zu viel verraten zu wollen: eine völlig unerwartete Romanze, eine Weltuntergangs-Community irgendwo zwischen Reichsbürgern und "Fight Club", "Mad Max"-Jugendbanden mitten in Brandenburg und die drohende Apokalypse nach dem Vorbild von Marc Elsbergs Bestseller "Blackout".

Grimme-Preisträger Matthias Glasner wagt den Sprung weg vom Sonntagskrimi und rührt eine ziemlich irre Mischung an, die von der Prepper-Gemeinschaft über Heimerziehung bis hin zu gängigen Weltuntergangsszenarien ein ganzes Potpourri an Themen anschneidet - vereint unter dem Banner allgemeiner Konsumkritik. "Demokratie stirbt in Finsternis" ist in weiten Teilen stark überzeichnet, oft schablonenhaft, und dadurch wenig plausibel, während Charaktere wie Kommissarin Lenski und Aussteiger Kohlmorgen dagegen nachvollziehbar und sensibel auserzählt werden.

Was bleibt, ist ein merkwürdig verdrehter Gesamteindruck: Der Aberwitz mancher Szenen zerstört die eigentlich düstere Atmosphäre gründlich, ernst nehmen kann man den Film dadurch kaum. Langeweile kommt ob einer Eskalationsspirale auf Speed allerdings auch keine auf. Es ist wohl eine Frage der Einstellung, ob man nach dem Genuss dieses "Polizeirufs" von einem gelungenen Sonntagabend spricht - oder sich schon auf die kommende Woche freut. Dann sind nämlich wieder die "Tatort"-Kollegen aus Köln dran, und mit ihnen wohl klassische Krimikost.

Quelle: n-tv.de

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