Unterhaltung

Galionsfigur einer Generation Der unbeugsame "Blacky"

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Blacky - irgendwo zwischen Cary Grant und George Clooney. Oder?

(Foto: dpa)

Joachim Fuchsberger hat vielen gefallen, weil er so ein Multitalent war. Einige hat er genervt, weil er auch immer sagte, was ihm nicht passte, zum Beispiel: "Das ist ein indiskutables Rollenangebot". Dass er fehlen wird, ist unbestritten.

Für viele ist er "der größte Showmaster ever" gewesen, für andere ein wunderschöner Mann, die meisten liebten seinen feinsinnigen Humor, einige Frauen wurden schwach, wenn sie nur seine Stimme hörten: Joachim "Blacky" Fuchsberger. Mein Vater fand ihn immer etwas suspekt, keine Ahnung warum. Vielleicht, weil er zu vieles konnte? Vielleicht, weil seine grauen Haare noch schöner grau waren als seine? Joachim Fuchsberger ist nun jedenfalls gestorben und die Fernsehwelt ist deshalb wieder ein Stück ärmer, denn solche Typen wie ihn gibt es nicht so oft.

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Lebensliebe: Joachim und Gundula Fuchsberger.

(Foto: dpa)

Stolze 87 Jahre wurde er, und trotz einiger Schicksalsschläge wirkte dieser große Mann nie so, als ließe er sich beugen. Jedes Mal, wenn etwas ihn umstieß, stand er auf und ließ seine Fans wissen, dass er nicht kleinzukriegen sei. War er im Krankenhaus wie dieses Jahr im Juli, ließ er über seine Frau Gundel zum Beispiel mitteilen, dass er sich schon wieder viel besser fühle, weil "wir" Weltmeister geworden sind. Und jeder, wirklich jeder hätte verstanden, dass er sich komplett aus dem Leben - gesellschaftlich, öffentlich, privat - zurückgezogen hätte, als sein Sohn 2010 ertrunken im Mühlbach von Kulmbach aufgefunden wurde. Vater und Sohn hatten bei vielen Produktionen zusammengearbeitet, vor allem die TV-Serie "Terra Australis" war eine Herzensangelegenheit beider Männer. Aber Joachim Fuchsberger und seine Frau - die beiden gab’s eigentlich nur im Duo, auch so eine Seltenheit im Showgewerbe - gaben sich selbst dann, nach einer Zeit der Trauer, wieder einen Ruck und erzählten, auch wenn es ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen hatte, wie es ihnen erging, um anderen Mut zu machen.

Auch dieses Mal hätte es so sein sollen: "Er dachte, es klappt", so Gundel Fuchsberger gegenüber den Nachrichtenagenturen in der Mitteilung zum Tode ihres Mannes, mit dem sie seit 1954 verheiratet war. "Die Organe haben nicht mehr mitgemacht", ließ sie wissen. Blacky hatte bereits mehrere Operationen am Herzen und zwei Schlaganfälle hinter sich.

Bitte keine Blackies mehr vorm Auftritt

Wo soll man anfangen bei einem Mann, der so vieles erlebt, getan und bewegt hat? Bei seiner Leidenschaft fürs Reisen vielleicht? Australien war eine große Liebe des Entertainers, der neben der deutschen auch die australische Staatsangehörigkeit besaß (er hatte einen zweiten Wohnsitz in Hobart) und zum tasmanischen "Ehrenbotschafter für Tourismus" ernannt wurde. "Blacky" hatte viele große Lieben, könnte man sagen, aber nicht, weil er sich verzettelt hat, sondern weil sein Herz einfach für viele Themen schlug, sein Geist offen war und er immer neugierig blieb.

Angefangen hatte alles beim Radio - keine Selbstverständlichkeit für einen Jungen, der bei der Hitlerjugend, Fallschirmjäger und Nahkampfausbilder war. Einen Schulabschluss machte Blacky nie und wer sich fragt, warum ein Joachim zum Blacky und nicht zum Jacky wurde, der kann sich eine der beiden Versionen aussuchen: Eine besagt, dass eine französische Freundin (ohlàlà!!) den Jacky falsch aussprach, die andere, dass sein Programmdirektor beim Bayrischen Rundfunk ihn nach einer Sendung ermahnte, doch bitte nicht mehr in betrunkenem Zustand zu moderieren und dementsprechend vorher bitte keine "Blackies" (Black&White Whisky) zu konsumieren.

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Zwei Männer und ein Reh. Mit Michael Douglas 1976 bei der Bambi-Verleihung.

(Foto: dpa)

Was ihn so authentisch machte, war vielleicht die Tatsache, dass er schon alles gesehen hatte: Er kam aus der Kriegsgefangenschaft, arbeitete danach unter Tage, er war Monteur und irgendwann auch Werbeleiter. Der Weg zum Hörfunksprecher war dann nicht mehr so weit, schließlich landete er beim Film. Das war 1954, da heiratet er auch seine zweite Frau, die Schauspielerin Gundula Korte, und bekommt die Hauptrolle im Dreiteiler "08/15". Seine Darstellung des Gefreiten Asch macht ihn über Nacht zum Star.

"Ich war kein Peter Alexander"

Er gab noch ein paar Mal den Mann in Uniform, aber ein schneidiger Typ wie er war auch gern als Liebhaber und in Heimatfilmen gesehen. Als er in den 1960er Jahren den Inspektor in mehreren Edgar-Wallace-Filmen spielte, wurde er zum unverzichtbaren Inventar der deutschen Fernsehkultur. Da man nicht alle Rollen aufzählen kann, seien nur einige wichtige genannt: "Die toten Augen von London", "Die seltsame Gräfin" oder "Der Hexer". 2007 brachte ihm seine Edgar-Wallace-Affinität eine Rolle in der Parodie "Neues vom Wixxer" ein, wo er noch einmal beweisen konnte, dass er sich selbst nicht so ernst nahm. "Ich war nie ein Peter Alexander oder ein Rudi Carrell. Die singen, die tanzen, die sind heiter. Ich war nüchterner, klarer - eigentlich mehr ein Journalist", räumte er 2007 der "Berliner Zeitung" gegenüber ein.

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Fernseh-Unterhaltung à la 1983 ...

(Foto: dpa)

1972, als er Stadionsprecher der Olympischen Spiele in München war, musste er Herr über Leben und Tod spielen: Bei der Schlussfeier am 11. September 1972, einige Tage nach dem Olympia-Attentat auf die israelische Mannschaft, meldete man ihm, dass ein Passagierflugzeug auf das Olympiastadion zufliegen würde und ein Terroranschlag möglich sei. Die Organisatoren überließen ihm die Entscheidung über die Evakuierung des Olympiastadions. Fuchsberger entschied sich gegen eine Räumung und verhinderte so eine Massenpanik. Wieder ein 11. September: der Tag, an dem er nun, 42 Jahre später, starb und der durch die Terroranschläge am 11. September 2001 für immer ins Gedächtnis der Menschheit eingebrannt ist.

Nachdem er durch einen Affenbiss in einer Fernsehshow mit Hepatitis B infiziert wurde und eine schwere Zeit hinter sich gebracht hatte, ging es endlich los mit der Moderatoren-Karriere: "Auf los geht’s los", "Heut' Abend" und "Ja oder Nein" sind für immer mit seinem Namen verbunden. Schauspielrollen nahm er nicht mehr viele an, der Qualitätsverlust machte ihm zu schaffen. Dafür, dass er auch Kritik übte, wurde er oft angegriffen. Sein vorübergehender Rückzug nach Australien ist eine Folge davon.

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Tss tss tss, rauchen und die Kinder sind im Raum!

(Foto: dpa)

Dass er auch Schlagertexte schrieb, ist kaum bekannt. Dass er einmal in seinem Leben richtig pleite war, Schulden hatte, Prozesse führen und sich eine neue Existenz aufbauen musste, dafür um mehr. Das ist sehr menschlich, auch mal zu scheitern, und so, wie er sich danach sein Leben wiedergeholt hat, hätte ich ihm alles abgekauft. Und auch einen Lehrer wie "Justus" - Dr. Johannes Bökh - in "Das fliegende Klassenzimmer" hätte wohl jedes Kind gerne gehabt.

Fuchsberger war Unicef-Botschafter und saß im Kuratorium der Fifa für die Fußball-WM 2011. Natürlich für die Frauen-WM, denn die sind es, die zeitlebens leise "Blacky" hauchen, auch wenn sein Herz über sechs Jahrzehnte nur einer gehört: Gundula. Als er sie gesehen habe, sei er auf der Stelle paralysiert gewesen, schwärmte er in einem Interview. Er ließ sich von Ehefrau Nummer eins, Gitte, scheiden, bekam mit Gundula den geliebten Sohn, ging mit ihr buchstäblich durch dick und dünn, resümierte treffsicher in seinen Büchern über den Ist-Zustand ("Altwerden ist nichts für Feiglinge") und legte mit der TV-Komödie "Die Spätzünder" und dem letzten Buch "Zielgerade" noch ein Alterswerk hin, das genug Humor, Weisheit und Reflektion hat, um sich über den Tod des Grünwalder Tausendsassas ein wenig hinwegzutrösten. Ein wenig ... 

Quelle: ntv.de

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