Unterhaltung

Weimarer Kartoffel-"Tatort" Ein Hoch auf den Kloß

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Fahren auf dem Traktor eines Tatverdächtigen mit: Lessing (Christian Ulmen, l.) und Dorn (Nora Tschirner)

(Foto: MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebau)

Das Debüt des Thüringer "Tatorts" war eine tiefe Verbeugung vor einem kulinarischen Heiligtum des Landes: der Bratwurst. Fünf Jahre später müssen Christian Ulmen und Nora Tschirner den Mord am Hersteller einer ähnlich heiligen Speise aufklären.

"Thüringen ist ein ostdeutsches Bundesland, das vor allem für seine ausgedehnten Wälder mit Bergen und mittelalterlichen Dörfer bekannt ist", heißt es bei Wikipedia. Das stimmt natürlich so nicht, bekannt ist Thüringen schließlich vor allem für zwei Dinge: Bratwürste und Klöße. Der Weimarer "Tatort" hat sich auf die Fahnen geschrieben, diese und weitere Attraktionen der Region einer gesamtdeutschen Zuschauerschaft zugänglich zu machen - und weil das naturdarmumhüllte Grillgut bereits in der allerersten Folge vor knapp fünf Jahren thematisiert wurde, dürfen sich die Kommissare Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) diesmal 90 Minuten lang an stärkehaltigen Wortspielen versuchen.

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Werden fälschlicherweise für Einbrecher gehalten: Dorn (l.) und Lessing

(Foto: MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebau)

Serientypisch darf man nicht allzu viel Plausibilität vom Plot erwarten: Der umfasst einen phaetonfahrenden Klomann, eine Kartoffelkönigin mit Gedächtnisverlust, einen bankrotten Erdapfelbauern, eine intrigante Supermarktleiterin und eine genmanipulierte Superkartoffel, die keine ist. Einen Toten gibt es natürlich auch noch, es ist der Chef der größten Kloßfabrik am Platz, der in einer seiner eigenen Maschinen bei minus 196 Grad schockgefrostet und dann granuliert wurde. Wer wissen möchte, wie das alles zusammenhängt, stellt die falschen Fragen. Richtig wäre: Macht das Spaß?

Echte Charakterkartoffeln

Keine Angst, wir spannen Sie nicht lange auf die Folter: Ja, das tut es. Das liegt zum einen daran, dass die Autoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger gekonnt krimitechnische Ermittlungsphrasen auf die Schippe nehmen. Wenn Dorn konstatiert, sie habe am Tatort eine Brille gefunden, und Lessing bedeutungsschwanger fragt, was das zu bedeuten habe, lautet die lakonische Antwort: "Dass wir eine Brille gefunden haben." Und wenn die Ermittler vom überdimensionalen Familienbild im Büro des Kartoffelfabrikanten auf den Familiensinn desselbigen schließen, heißt es nur trocken: "Das sind bezahlte Schauspieler."

Überhaupt, der Weimarer "Tatort" lässt sich eigentlich immer schön zitieren: Küchenweisheiten à la "Erst wenn die Kartoffel geschält ist, zeigt sie ihren wahren Charakter" sind ähnlich griffig wie: "Wir haben zusammengehört wie Soß und Kloß." Sprachlich gesehen ist das freilich eher Hausmannskost als Haute Cuisine, aber gerade diese Bodenständigkeit macht "Die robuste Roswita" so sympathisch - zumal die Dialoge qualitativ immer noch meilenweit über dem Kalauerquatsch liegen, der sonst so von der direkten Konkurrenz aus dem Münsterland herüberweht.

Die skurrilen Situationen, in die Regisseur Richard Huber seine Ermittler wirft, tun ihr Übriges: Lessing und Dorn, die auf dem klapprigen Traktor eines Tatverdächtigen durch die neblige Thüringer Landschaft gondeln oder sich zu einer Besprechung in einen überlebensgroßen Kloß zurückziehen, das hat schon was. Klar, Humor ist immer eine Frage der Perspektive. In diesem Fall dürften sich aber wohl die meisten Zuschauer nach 90 Minuten mit einem zufriedenen Lächeln ins Bett verabschieden. Nur eine Frage bleibt ungeklärt: Was ist so schlimm an einem Kloß, der bereits mit Soß gefüllt ist?

Quelle: ntv.de