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Der ESC zeigt seine Gesichter Frauen mit Schleier, Männer im Kleid

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Genossen den Auftritt auf dem "orangenen" Teppich: S!sters.

(Foto: dpa)

Was ist, wenn Rollenklischees auf einmal nichts mehr gelten? Wenn BDSM auf den Bürgermeister von Tel Aviv trifft? Und wenn Schwestern, die gar keine sind, im Rampenlicht stehen? ESC natürlich. Mit einem Schaulaufen auf "orangenem Teppich" ist er offiziell eröffnet.

Wer dachte, der Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv würde alles an Sicherheit bei der Veranstaltung bisher Dagewesene in den Schatten stellen, sieht sich getäuscht. Im Gegenteil. Fuhren Länder wie Aserbaidschan oder die Ukraine sogar das Militär auf, um den störungsfreien Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten, scheint Israel die Herausforderung geradezu lax anzugehen. Omnipräsenz von Ordnungshütern, umfassende Leibesvisitationen, intensive Taschenkontrollen - all das scheint es beim ESC 2019 nicht zu geben.

Nicht anders ist es, als am Sonntagabend den Teilnehmern des diesjährigen Wettbewerbs der "orangene Teppich" vor dem Charles Bronfman Auditorium in Tel Aviv ausgerollt wird. Klar, der Platz ist weiträumig abgesperrt und ohne zumindest oberflächliche Einlasskontrolle kommt auch keiner der zahlreichen Pressevertreter oder geladenen Gäste auf das Gelände. Doch die offizielle Eröffnungsfeier des ESC ist weit davon entfernt, den Anschein einer Veranstaltung im Hochsicherheitstrakt zu erwecken.

Fühlt sich das allzu gefahrenerprobte Israel durch seine Sicherheitsmaßnahmen im Vorfeld des Events ausreichend gewappnet? Oder sieht man auf den ersten Blick einfach nur nicht alle Vorkehrungen, die im Hintergrund getroffen werden? Auf den Dächern der Gebäude rund um das Auditorium jedenfalls sind Einsatzkräfte postiert. So viel lässt sich vom Platz aus erkennen. Wie sie für den Fall der Fälle eines Zwischenfalls gerüstet sind, dagegen nicht.

Afroperücken und Puschel

Das ist sicher auch besser so, um den Spaß an der Freude im Trubel der Eröffnungsfeier nicht zu trüben. 41 Länder nehmen in diesem Jahr am ESC teil. Und ihre Abgesandten für den Kampf um die Gesangskrone genießen sichtlich ihren einen Wimpernschlag der Geschichte andauernden Ruhm beim Bad in der Menge.

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Kleider machen Leute - auch Männer: Conan Osiris (l.) aus Portugal.

(Foto: Imago)

Hier staksen Mädchen auf Stelzen über den Teppich, dort schwenkt einer eine übergroße Eurovisions-Fahne und da treibt eine mit leuchtenden Afroperücken sowie Puscheln an Brust und Po ausstaffierte Animationstruppe ihr Unwesen. Dazwischen hangeln sich die ESC-Hoffnungen aus Zypern, Australien oder Finnland am Rande des Teppichs von Interview zu Interview. Die Sängerinnen aus Polen stimmen immer wieder den Refrain ihres Kinderlieds an, bis man ihnen den Mund zuhalten möchte. Und Interpretinnen wie die aus Serbien oder Moldau präsentieren sich im Schleier, während ihre männlichen Kollegen aus Island oder Portugal demonstrieren, dass eine wallende Robe auch Männer gut kleiden kann. Mit anderen Worten: Der ESC zeigt gleich zu Beginn seine vielen Gesichter.

Tanz auf den Balkonen

Apropos Island. Die Gruppe Hatari brächte BDSM zum ESC, weiß die israelische Moderatorin zu verkünden. Das freut sicher auch den Bürgermeister von Tel Aviv, der sich mit seiner Frau ebenfalls ins Getümmel stürzt. Ganz zu schweigen von ESC-Ikonen wie Verka Serduchka oder die israelischen Künstlerinnen Dana International und Netta. Als das Lied "Toy" erklingt, mit dem Netta im vergangenen Jahr den Contest gewann und ihn so in ihre Heimat holte, tanzen auch die Schaulustigen auf den Balkonen der umliegenden Häuser. Ob wohl auch die Einsatzkräfte auf den Dächern darüber in Stimmung geraten sind?

An Stimmung dürfte es jedenfalls auch dem deutschen ESC-Duo nicht gemangelt haben. Die S!sters, die gar keine Schwestern sind, parlieren nach überstandener zweiter Generalprobe am Mittag ebenfalls nach bester Lust und Laune mit der Reporterschar am Teppich. Beide haben sich dabei für ein schlichtes schwarzes Outfit entschieden. Manchen Paradiesvögeln aus anderen Ländern können sie damit zwar nicht Paroli bieten. Es würde aber ja auch genügen, wenn ihnen das beim ESC-Finale am 18. Mai musikalisch gelingt.

Quelle: n-tv.de

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