Unterhaltung

"Promi Big Brother" - Auftakt "Hey, ich kenn dich doch von Insta!"

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"Emmy Russ möchte gerne berühmt werden." (Quelle: Sat1)

Neuer Tiefpunkt des deutschen Trash-TV: Vier Stunden lang sieht der Zuschauer Leutchen dabei zu, wie sie in einen Container einziehen. Nie zuvor war die Promi-Dichte so niedrig. Aber Hauptsache Brüste, Botox und "sexsüchtige" Tusneldas.

"Promi Big Brother" ist wieder da - die Show, "für die das deutsche Fernsehen erfunden wurde", wie Moderatorin "Marlenchen" behauptet. Wildfremde Menschlein, die man von nirgendwoher kennt, ziehen wieder - diesmal für drei Wochen - in den Container. Die "Alles" und "Nichts"-Bereiche aus den Vorjahren tragen in diesem Jahr die klangvollen Namen: "Märchenschloss" und "Märchenland".

In gefühlt dreihundertsechsundsechzigeinhalb Stunden schauen wir acht Leuten dabei zu, wie sie in den Märchenwald einziehen. Gutmütige Bratpfannenverkäufer, "asoziale Volltrottel", Damen, die sich über "ihre großen Hupen" definieren, und zerebral Minderbelüftete, die alles dafür tun würden, um endlich berühmt zu werden. Denn eins ist so klar wie die Klischees, die sich in diesem Märchenwald schon bald im verbalen Tiefflug aneinanderreihen: Promis sind so gut wie keine zu sehen.

Acht der zwölf Leutchen weilen bereits seit zwei Tagen im Wohn-Container. Einer von ihnen ist Ikke Hüftgold, ein Kumpeltyp im Trainingsanzug, der "wegen der vielen besoffenen Frauen am Ballermann singt". Seine klare Empfehlung an die Sternchen, bei denen die Sonne der Intelligenz im Dämmermodus steht: "Bildung statt Brüste". Fast vier Stunden lang gibt es sehr viel Phrasendrescherei und ermüdende Ankündigungen wie: "So etwas gab es noch nie." Es folgt ein Überblick.

Erster schlimmer Moment von vielen: der Einzug von einer jungen Dame namens Emmy Russ. (Kennt man von: nirgends!) Man weiß nicht, ob die 21 Jahre alte, hypersexualisierte Blondine nur vorgibt, den IQ eines Wäscheständers zu haben oder ob es tatsächlich so ist. Im deutschen Spaß-TV ist ja für alle Platz. So sagt sie etwa über sich selbst: "Ich habe ein sehr hübsches Barbie-Gesicht, aber mein Charakter ist ausbaufähig." Im Schlepptau hat die sprechende Schnabeltasse ihren Vibrator. Und natürlich Feuchttücher, weil sie "so viel kacken muss." Sie glauben, es wird nicht schlimmer? Na, dann lesen Sie mal weiter!

Zweiter schlimmer Moment von vielen: Emmy-Girl, die mit Karacho auf der Unbeliebtheitsskala gleich ein paar Stufen überspringt, fragt den sensiblen QVC-Verkäufer Sascha Heyna kurz nach dessen Einzug: "Bist Du schwul?" Der Moderator wirkt dadurch ziemlich in die Ecke gedrängt, später "outet" er sich. An alle intelligenzbefreiten Emmys da draußen: Die Sexualität eines Menschen geht niemanden außer ihn selbst etwas an, klar?

Das vordergründige Frauenbild: auf den ersten Blick ein Schlag ins Gesicht für den Feminismus. So stellt sich die "Dschungelkönigin" von 2018 - Jenny Frankhauser - erst einmal als die Frau mit den "super Hupen" vor und berichtet von ihren Brust-OPs. Die "Sexbombe" Adela Smajic (Schweizer Bachelorette) erzählt voller Stolz, dass sie "kein Höschen" trägt und was sie alles an sich machen lassen hat: Botox, Brüste, Botox, Brüste, Hyaluron. Sie ist erst 27 Jahre alt, aber ihr eingefrorenes Gesicht wirkt nach den vielen Eingriffen um Jahre älter. Es mag sein, dass hinter diesen Frauen ein Management steht, das versucht, seine Schäfchen ins Fahrwasser einer Verona Pooth oder Evelyn Burdecki zu lenken. Jedoch im Jahre 2020 berühmt werden zu wollen, in dem man sich als Frau immer noch enorm dumm, einfältig und niveaulos präsentiert, ist nicht nur traurig, sondern in erster Linie extrem armselig.

Dritter schlimmer Moment von vielen: Diese Emmy, die in einer Tour verbalen Schwachsinn erbricht, plaudert über ihr Konzept einer gut funktionierenden Beziehung: "Ich möchte, dass mein Freund neben mir pupst. Und auch Kacka geht. Ich liebe das!" Darauf Ikke Hüftgold: "Hab gedacht, mit mir wäre das unterste Niveau dieser Sendung erreicht. Und dann kommt die und guckt gerne ihrem Freund beim Kacken zu".

Vierter schlimmer Moment von vielen: Die blonde Provokateurin, die gern "angespritzt wird" und sich auch schon mal mit einer elektrischen Zahnbürste befriedigt, fasst so einem muskelbepackten Bonvivant, "bekannt" als "Love Island"-Knatterer vor allen Leuten an seine Lunte. Haha, voll cool, diese verdammte "Sexsucht!" Als unangenehmes Highlight stellt sich Fräulein Russ dann auch noch diametral jeder Form von Frauenbewegung gegenüber, als sie beginnt, über "baumelnde Schamlippen" zu philosophieren.

Top-Gag des Tages: "Love Island"-Star "Betonmischa" will ein Buch über den "Sinn des Lebens" schreiben.

Geheimtipp des Tages: "Wer geil aussehen will, muss Opfers bringen." (Drag-Queen Katy Bähm)

Fünfter schlimmer Moment des Tages: Die Soap-Darstellerin Elene Lucia Ameur, die "voll unnormal" den "mega Freigeist" von Jasmin Tawil (Ex-Frau von Adel Tawil) feiert, erzählt - ihr vollkommen fremden Menschen - direkt nach dem Einzug, sie habe "es geschafft, (…) eine starke Person zu sein". Nur manchmal plagen sie "brutale Alpträume". Dann "schreit sie nachts und rennt los". Die psychologisch angehauchte Elene hat übrigens einen Poltergeist bei sich zu Hause. Möglicherweise liest der ihr nachts im Bett alle Werke von C.G Jung und Freud vor. Einmal sei sogar ein Bild von der Wand gefallen, ein anderes Mal habe ihr jemand an den Haaren gezogen. Ihr weiser Rat an uns alle: "Wenn dir ein Verstorbener im Traum begegnet und dir die Hand reicht, darfst du sie niemals nehmen."

Drehbuch-Pitch für neuen Sat1-Gold-Thriller: Zwei Botox-Blondinen verlaufen sich in einem dunklen Märchenwald. Dort begegnen sie einem Ballermann-Sänger, den sie irrtümlich für einen Poltergeist halten und ihn mit einer Zahnbürste ermorden. In einem Knusperhäuschen Unterschlupf suchend, treffen sie auf einen Nachwuchs-Komiker, der kein bisschen lustig ist. Als selbst die Blondinen nicht lachen, beginnt ein schreckliches Katz-und-Maus-Spiel.

Zusammenfassung: Leute in diesem Märchenwald stellen sich einander vor mit: "Ich habe einen blauen Haken bei Insta" oder "Ich bin zu perfekt für viele Frauen". Man spielt ein erstes Spiel, Emmy geht bei Penny einkaufen und vier "Promis" ziehen live während der Sendung ins Märchenschloss. Irgendwann an diesem langen, langen Abend, an dem sich sehr viele Gehirnzellen in den Freitod gestürzt haben, stromert man zum Kühlschrank und lötet sich einen rein, in der Hoffnung nicht von Elenes Poltergeist heimgesucht zu werden.

Quelle: ntv.de

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