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Simply the best In Hamburg singt Tina um ihr Leben

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Die Queen of Rock war skeptisch: Ihr Leben auf der Bühne? Doch Hauptdarstellerin Kristina Love fegt Tina Turners Zweifel beiseite.

(Foto: Foto: Manuel Harlan)

Fast zehn Jahre ist es her, dass Pop-Legende Tina Turner zuletzt auf Tournee ging. Nun bringt das Tina-Turner-Musical ihr abenteuerliches Leben auf die Bühne. Und wer erscheint zur Vorpremiere in Hamburg? Überraschung: Die Queen of Rock höchstpersönlich.

Ihren 29. Geburtstag wird Kristina Love so schnell nicht vergessen. "An dem Tag habe ich Tina Turner zum ersten Mal getroffen", erzählt die Musical-Darstellerin. "Ich besuchte Tina in ihrem Haus in Zürich und als ich zur Tür hereinkam, sang sie Happy Birthday für mich. Ich habe mich sofort wohl und willkommen gefühlt." Ein paar Monate später steht Love nun auf der Bühne des Stage Operettenhauses in Hamburg, bei der Vorpremiere von "Tina - Das Tina Turner Musical" - unter den wachsamen Augen der Pop-Ikone höchstpersönlich. Nebel umhüllt sie, als die ersten Töne von "Simply The Best" erklingen.

Mit 180 Millionen verkauften Tonträgern und zwölf Grammys gehört Tina Turner zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Musikgeschichte. Das Musical, das in enger Zusammenarbeit mit Turner entstand, erzählt in rund zweieinhalb Stunden ihre Lebensgeschichte, mit allen Höhen und Tiefen. Als Blaupause diente Drehbuchautorin Katori Hall der Film "What's Love Got To Do With It" aus dem Jahre 1993, Regie führte Phyllida Lloyd, die unter anderem den Film "Mamma Mia!" mit Oscar-Preisträgerin Meryl Streep drehte. Nach ausverkauften Vorstellungen und Standing Ovations in London ist das Stück ab sofort in Deutschland zu sehen - und schon jetzt ein Erfolg. Noch vor dem Start hat Stage Entertainment über 100.000 Tickets verkauft.

Die Geschichte beginnt in Nutbush, Tennessee, wo Tina Turner am 26. November 1939 als Anna Mae Bullock geboren wird. Schon im Kirchenchor singt sie stets am lautesten. Einfach nur entzückend: Die kleine Clarissa als junge Anna Mae. Tina Turners Kindheit und Jugend ist jedoch alles andere als harmonisch. Nach der Trennung ihrer Eltern lässt ihre Mutter sie zurück, und sie wächst bei ihrer Großmutter auf. Als sie 16 ist, zieht sie nach St. Louis und lernt dort den Musiker Ike Turner kennen, der sie in seine Band holt.

Keine abgehalfterte Soul-Oma

Um ihre gemeinsame Karriere voranzutreiben, willigt sie in eine Heirat ein. Doch Ike Turner schlägt und misshandelt sie. Es dauert 16 Jahre, bis sie ihn verlässt. Das Musical beschönigt nichts: Ike Turner wirkt von Anfang an aggressiv und unsympathisch. Während es in der ersten Hälfte vor allem um diese schwere Zeit in Tina Turners Leben geht, erzählt die zweite Hälfte davon, wie sie sich zurückkämpfte - von der "abgehalfterten Soul-Oma" auf die großen Bühnen. Es ist die Geschichte von einer starken Frau, die ihren Weg geht.

Das Tina Turner Musical (Nutbush) Foto Manuel Harlan.jpg

Schon immer die Lauteste: Die kleine Tina in Tennessee.

(Foto: Foto: Marnuel Harlan)

Das Bühnenbild erzeugt mit wenig Mitteln große Wirkung: Die Kulisse wechselt ständig. Vom Baumwollfeld im ländlichen Tennessee geht es durch die Flower-Power-Zeit der Sechziger und Siebziger ins verregnete London der Achtziger. Die Bühne wird zum Club, Aufnahmestudio oder Krankenhaus. Aber das ist nur Beiwerk. Star und Mittelpunkt des Musicals ist Kristina Love als Tina Turner.

Die Amerikanerin, die genau wie Tina Turner aus den Südstaaten kommt, stand schon in "Rocky", "Sister Act" und "Aladdin" auf der Bühne und lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Den Ausdruck und die Bewegungen von Tina Turner hat sie perfektioniert, ihre Energie ist so beeindruckend wie ihr Organ. Das Publikum quittiert das mit Begeisterung: Für ihre Performance des Ike & Tina Turner-Hits "River Deep, Mountain High" gibt es so lange Applaus, dass die Darsteller minutenlang mit der nächsten Szene warten müssen. Kristina Love spielt hier zweifellos die Rolle ihres Lebens.

Tina Turner auf Deutsch: Muss das sein?

Einziger Kritikpunkt: Weil das Musical nicht nur die größten Hits von Tina Turner aneinanderreihen, sondern ihre Geschichte erzählen soll, erklingen Songs, die die Handlung vorantreiben, ins Deutsche übersetzt. Aus "I'm your private dancer, a dancer for money, I'll do what you want me to do" wird "Ich werd' weiter tanzen, ich tanz' um mein Leben, so hart mich das Schicksal auch schlägt." Statt "I Can't Stand The Rain" heißt es "Regen fällt wie Blei an mein Fenster" und "We Don't Need Another Hero" wird zu "Wir wollen keine neuen Helden". Das wirkt oft holprig, manchmal sogar kitschig. Vielleicht hätten die Macher dem Publikum einfach die englischen Originale zutrauen sollen.

Zum Finale singt Kristina Love noch einmal um ihr Leben. Die Szene gibt den Karrierehöhepunkt von Tina Turner wieder, am 6. Januar 1988, vor 180.000 Menschen im Maracanã Stadion in Rio de Janeiro. Die Zuschauer im Operettenhaus blicken aus ihrer Perspektive durch die Auftrittsgasse, die LED-Leinwand zeigt ein Lichtermeer aus Feuerzeugen. Dann dreht sich das Bühnenbild. Von einer Live-Band begleitet singt Love "Simply The Best". Das Publikum hält es nicht mehr auf den Sitzen, Love hat Tränen in den Augen.

Der Vorhang fällt, geht noch einmal auf - und dann steht sie auf einmal da, Tina Turner, in Fleisch und Blut. "Ich hätte nicht gedacht, dass sie so nah ans Original kommen", grinst die 79-Jährige, die sich 2009 aus dem Showgeschäft zurückgezogen hat und in den letzten Jahren wiederholt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. Einem Musical über ihr Leben hatte sie zunächst kritisch gegenübergestanden - doch dann erkannte sie, dass es zu ihrem Vermächtnis beitragen würde. "Wissen Sie, was ich über diesen Teil meines Lebens sage?", fragt sie. "Es ist eine gute Art, Gift in Medizin zu verwandeln."

Quelle: n-tv.de

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