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"The Daily Show" Jon Stewart hört auf

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Jon Stewart hat noch keine genauen Pläne für seine Zukunft.

(Foto: AP)

Jon Stewart ist eine Talk-Größe in den USA. Seine "Daily Show" gehört zu den besten Formaten des Fernsehens und wurde auch in Deutschland adaptiert. Nun wirft Stewart nach 16 Jahren das Handtuch. Ausgerechnet kurz vor einem Wahljahr.

Barack Obama war auch schon da. Wohlgemerkt nach seiner Wahl zum Präsidenten. Undenkbar wäre es in Deutschland, dass Kanzlerin Angela Merkel oder Bundespräsident Joachim Gauck einer Comedy-Show ein Interview geben würden. Doch es spricht für die Bedeutung der "Daily Show", dass selbst das Staatsoberhaupt kommt.

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Jon Stewart ist eng mit der "Daily Show" verbunden. Seit 16 Jahren moderiert er sie - nun macht er Schluss. Der ausstrahlende Sender Comedy Central gab bekannt, dass der 52-Jährige noch bis "später in diesem Jahr" die Sendung leiten werde. Dann trete er ab. Auf Twitter bedankte sich der Sender bei dem Moderator.

Auf der Twitterseite der Sendung wurde kurz darauf ein Video gepostet, in dem Stewart seinen Abgang bestätigt. Er hätte keinen Job länger durchgehalten als diesen, witzelte er und fügte an: "Ich bin ein furchtbarer Angestellter." Gleichzeitig sagte er, dass es an der Zeit wäre, dass ein anderer die Möglichkeit erhalte, die er vor 17 Jahren bekam.

"Ich habe viele Ideen im Kopf"

Wann genau er abtritt, ist allerdings noch unklar. Es könnte im September sein oder im Juli, sagte Stewart. Auch über seine Zukunft äußerte er sich nur vage. "Ich habe keine genauen Pläne. Ich habe viele Ideen im Kopf", sagte er. Allerdings klang an, dass er sich mehr um seine Familie kümmern werde. "Ich habe gehört, sie sind sehr nette Menschen", sagte er.

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Auch Präsident Obama kam in die Show.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die "Daily Show", die montags bis donnerstags am späten Abend läuft, ist ungewohnt politisch. Sie greift das aktuelle Tagesgeschehen auf und kommentiert es satirisch. Stewart, der die Sendung 1999 übernahm, profitierte dabei ungemein von der Amtszeit von Präsident George W. Bush. So nahm er etwa immer wieder überaus kritisch Stellung zum Irak-Krieg und gewann so viele Zuschauer.

Nicht selten musste das politische Geschehen allerdings gar nicht humorvoll überhöht werden - es entlarvte sich selbst als Realsatire. So waren auch häufig konservative Kommentatoren und Nachrichtensprecher etwa des Senders Fox News Ziel von Stewarts Humor. Stewarts Humor wandte sich gegen die Verdummung der Zuschauer und den immer bunter werdenden Politbetrieb, aber auch gegen die Hysterie in den Medien.

Ein besonders beliebtes Element sind die humorvollen Korrespondentenberichte, die eingespielt werden. Mitarbeiter wie Steve Carell, Stephen Colbert oder John Oliver starteten hier ihre Karrieren. Colbert etwa moderiert bis vor Kurzem mit dem "Colbert Report" einen Ableger der "Daily Show". Ende des Jahres übernimmt er die Nachfolge von David Letterman bei der "Late Show" von CBS. Carell wurde zum Schauspieler, ist derzeit in dem Kinofilm "Foxcatcher" zu sehen.

Der nächste Wahlkampf ohne Stewart

Neben den politischen Kommentaren prunkte die "Daily Show" aber auch durch seine hochkarätigen Gäste. Neben Obama kamen etwa Ex-Präsident Bill Clinton und seine Frau Hillary. Jimmy Carter war ebenso zu Gast wie John McCain, Donald Rumsfeld und Henry Kissinger oder der bolivianische Präsident Evo Morales.

In den 16 Jahren von Stewarts Moderation wurde die Show zu einer der beliebtesten Sendungen des US-Fernsehens und fand etwa mit der "heute Show" auch einen Nachahmer in Deutschland. Zehnmal in Folge erhielt die Sendung den Emmy für die beste Comedy-Sendung, hinzu kommen etliche weitere Preise. Die Clips, die nach der Sendung im Internet gezeigt wurden, waren ebenfalls äußerst beliebt.

Bereits 2013 hatte Stewart jedoch eine Auszeit genommen, um den Film "Rosewater" zu drehen, als Regisseur und Drehbuchautor. Er war damals von John Oliver vertreten worden.

Dass der kommende Wahlkampf für die US-Präsidentschaftswahl 2016 nun ebenfalls ohne Stewart auskommen muss, bedauern bereits viele Kommentatoren. Schließlich hatte er bereits mit sehr viel Erfolg die zurückliegenden Wahlgänge begleitet - gewohnt satirisch. Aber vielleicht bleibt der Moderator den Zuschauern ja auf anderem Wege erhalten.

Quelle: n-tv.de, mli

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