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"Reckless" macht auf Erotik-Thriller Korrupte Polizisten filmen Gruppensex

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Ständige Zooms auf Brüste, Po und Bein lassen den feministischen Subtext von "Reckless" zur Farce verkommen.

(Foto: Twitter)

Das Kleid ist kurz, die Frau ist schön. Sie will wohl Sex. Irgendwo zwischen Klischee-Chauvinismus und Hobby-Feminismus bemüht sich die Fernsehserie "Reckless", ein Sexualverbrechen aufzuklären.

Lee Anne Marcus (Georgina Haig) war Tanzen. Im Auto ist sie auf dem Weg nach Hause, als ein Polizist sie anhält. Die junge Frau will keinen Ärger: "Können Sie mich nicht dieses eine Mal gehen lassen? Ich würde alles dafür tun." Wäre die Szene mit einer Handkamera gefilmt, würde der Dialog auch als solider Einstieg in eine billige Pornoproduktion durchgehen. Der Polizist bittet die Frau auszusteigen, kettet sie an einen Maschendrahtzaun. "Ganz klares Vergewaltigungsszenario", soll der Zuschauer denken, doch weit gefehlt. "Mir gefallen die Handschellen, Terry", haucht Lee Anne. Terry McCandless (Shawn Hatosy) ist ihr Kollege, der Sex ein Spiel.

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Anwältin auf verlorenem Posten: Anna Wood spielt Jamie.

(Foto: Twitter)

Doch was passiert, wenn aus dem Spiel Ernst wird? Ein Video von Lee Anne taucht auf, das sie mit mehreren Polizisten auf einem Polizeiauto kopulierend zeigt. Lee Anne kann sich an den Vorfall nicht erinnern. Trotzdem verliert sie ihren Job, die Männer kommen ungeschoren davon - zunächst. In der vergangenen Nacht lief beim US-Sender CBS das Finale der ersten Staffel von "Reckless".

Gerechtigkeit im roten Rock

Zur Hilfe eilt Lee Anne Jamie Sawyer (Anna Wood). In knapper, gerne grell-roter Kleidung mischt die Prozessanwältin aus Chicago die Südstaatenstadt Charleston auf. Inmitten der Patriarchen-Parade vor Ort braucht es schon die Kombination aus sexy und klug, um zu begreifen, dass die Vorliebe für ausgefallenen Sex eine Frau nicht zum Selbstbedienungscafé macht. Jamies Kontrahent in diesem - und eigentlich nahezu jedem anderen Prozess - ist Roy Rayder ("Twilights" Bösewicht Cam Gigandet), Charlestons Emporkömmling der Stunde und Anwalt der Stadt. Dass Jamie und Roy sich total anziehend finden, ist selbstverständlich - auch wenn bei den Schauspielern der Funke leider nicht so richtig überspringen will.

"Reckless" hat viele Fehler. Kurze Schnitte ersticken jede noch so kleine Charakterentwicklung im Kern, nicht Mimik, sondern Musik transportiert Emotionen und der feministische Subtext der Show verkommt in Anbetracht der Kameravorliebe für Zooms auf Beine und Brüste zur Farce. Immer wieder schwingt das Format sich zu temporärer Relevanz auf, doch verpufft diese schnell in Plattitüden.

In der finalen Doppelfolge der Show gelingt es den Machern dann doch, die Handlung in eine unerwartete Richtung zu lenken. Ohne zuviel verraten zu wollen: Lee Ann ist nicht nur Opfer. Eigentlich ist sie überhaupt kein Opfer. Das ist nun natürlich alles etwas ärgerlich, denn am Ende ist die schöne Frau doch das garstige Ding, das eine ganze Männerhorde in die Verdammnis jagt.

Die Macher der Show haben den moralischen Zeigefinger dem spannenderen Plot geopfert - wer kann es ihnen verübeln. "Reckless" ist die Urlaubslektüre unter den Fernsehformaten. Die Schauspieler sind mittelmäßig, die Handlung vorhersehbar und an Klischees wird nicht gespart. Aber das ist in Ordnung. Solange die Sonne noch scheint, muss es auch mal ein Schundroman sein dürfen.

Quelle: n-tv.de

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