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Die singende Amsel Mit Sabah stirbt der alte Libanon

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Die blonden Haare wurden zu ihrem Markenzeichen: Sabah, die singende Amsel.

(Foto: AP)

Die libanesische Sängerin Sabah ist tot. Berühmt geworden in einer Zeit vor Bürgerkriegen und Islamismus, steht sie für die "gute alte Zeit". Und mit einem besonderen Rekord brachte es die Diva bis zuletzt in die Schlagzeilen.

Junge Libanesen kennen Sabah vor allem als die Frau, "die so oft geheiratet hat". Sie war nicht nur eine der kulturellen Ikonen der arabischen Welt, sondern schaffte es auch regelmäßig in die Klatschspalten. Fast zehn Mal soll sie verheiratet gewesen sein – so oft, dass die eine oder andere Ehe wohl noch hinzugedichtet wurde. Im hohen Alter von 76 Jahren ging die Diva angeblich noch eine Verlobung mit dem Jahrzehnte jüngeren damaligen Mister Lebanon ein. Später wurde sogar behauptet, sie sei mit ihrem Hairstylisten verheiratet.

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Doch der Klatsch war Nebensache, was an ihrem Todestag schlagartig wieder ins kollektive arabische Bewusstsein rückt. In der Nacht zum Mittwoch ist die Sängerin im Alter von 87 Jahren in Beirut gestorben.

Mit Sabah ist einer der letzten großen Stars der arabischen Welt gegangen. Sie steht für eine Zeit vor Bürgerkriegen, IS-Dschihadisten und einer von politischem und kulturellem Zerfall bedrohten Region, die ihre Identität verloren hat. Sabah war eine der großen Musik-Diven, die jeder Araber kennt, in einer Reihe mit Fairuz (die kürzlich 80 geworden ist) und Umm Kulthum, der Mutter aller arabischen Diven (die bereits 1975 starb).

Geboren 1927 als Jeanette Gergi al-Feghal, wuchs Sabah in einem kleinen Bergstädtchen im Libanon auf. Mit 13 Jahren verdiente sie 1940 erstmals Geld als Sängerin, zunächst noch unter der strengen Herrschaft ihres Vaters, der ihre Gagen einbehielt. Von ihrem Bruder heißt es, er habe die Mutter umgebracht, weil er sie des Fremdgehens bezichtigte. Sabah flüchtete sich in eine frühe Ehe, um dieser familiären Hölle zu entkommen.

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1943 ging sie mit 16 Jahren nach Kairo, wo sie in ihrem ersten Film mitspielte. Ihr frühester Förderer wurde der berühmte ägyptische Regisseur Henri Barakat, der bis in die 1990er Jahre hinein fast hundert Kinofilme drehte. Auch Sabah brachte es auf 98 Filme und weit mehr als 3000 Songs. Obwohl sie die wichtigsten Jahre ihrer Karriere auf Ägypten ausgerichtet war und später sogar die Staatsbürgerschaft erhielt (ebenso die von Jordanien und der USA), wurde sie in ihrer Heimat ein nationaler Star. Die Hälfte ihrer Ehemänner waren Ägypter, die andere Hälfte Libanesen. Mit dem ersten bekam sie einen Sohn, mit dem dritten eine Tochter.

Die 1940er bis 1970er Jahre waren eine Phase des Aufbruchs und der Erneuerung. Die Filmindustrie boomte, vor allem in Ägypten wurden neue Genres entwickelt und Stars geboren. Die Übergänge zwischen Musik- und Filmgeschäft verliefen fließend, und die Kassenschlager jener Zeit prägten eine ganze Generation von Marokko bis Syrien. Damals war der Libanon noch die "Schweiz" und Kairo das "Hollywood" des Nahen Ostens; die panarabische Idee und der Arabische Sozialismus waren auf ihrem Höhepunkt.

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Sabah war mittendrin und erhielt bald den Spitznamen "Schahrura" – die singende Amsel. Ihre Stimme war nicht so tief und dunkel wie die von Umm Kulthum oder Fairuz, doch auch sie beherrschte die Kunst des klassischen arabischen Gesangs perfekt. Sabah – bis auf ihre frühen Jahre sah man sie fast ausschließlich mit blondgefärbter Fönmähne – galt außerdem als Schönheitsikone. Im Jahr 2011 wurde Sabahs Leben unter dem Titel "Schahrura" verfilmt.

Sabah moderierte bis in ihr 82. Lebensjahr diverse Musikshows im Libanon. 2009 nahm sie mit dem libanesischen Popstar Rola Saad ihr berühmtes Lied "Yana Yana" neu auf. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch ihre Auftritte im Olympia-Musikhaus in Paris, in der Carnegie Hall in New York, am Piccadilly Theatre in London sowie in der Oper von Sydney – in all diesen berühmten Konzerthäusern war sie die erste arabische Künstlerin überhaupt, die dort auftrat.

Heute bringen vor allem ältere Menschen Sabah mit der "guten alten Zeit" in Verbindung. Der 65 Jahre alte Walid Dschumblatt – drusischer Politiker, Chef der libanesischen Progressiv-Sozialistischen Partei und seit kurzem ein Twitter-Shootingstar im Libanon – twitterte am Morgen wehmütig: "Mit ihrem Tod geht die ganze schöne Vergangenheit des Libanon, sie wird niemals wiederkehren. Sie war die Sängerin eines Libanon, den meine Generation noch kannte und den es nicht mehr gibt."

Quelle: n-tv.de