Unterhaltung

Beifall für die bösen Deutschen NXT setzt Wrestling-Gesetze außer Kraft

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Das Imperium formiert sich im Ring - gefeiert von den Fans in Houston. Im Hintergrund warten die eigentlichen Publikumslieblinge von "Undisputed Era".

Gut und böse spielen im Wrestling eine große Rolle. Je nach Image verteilen sich auch die Sympathien der Fans. Bei NXT sieht das anders aus. Dort steht beim Publikum das Talent im Vordergrund. Davon profitieren zurzeit fünf Wrestler aus dem deutschsprachigen Raum.

In der Wrestlingwelt gibt es einen Hang zum Schwarz-Weiß-Denken. Zumindest, wenn es um die Charaktere geht. Die Konstellation der Matches soll dann im Bestfall so aussehen: Ein Bösewicht (Heel) trifft auf einen Publikumsliebling (Face), die Fans bejubeln ihren Liebling, der Böse wird ausgebuht. In der von der WWE (World Wrestling Entertainment) als Sprungbrett angedachten Liga NXT funktioniert die Masche jedoch nicht - die Fans bejubeln vor allem das Talent im Ring. Das Image - egal ob gut oder böse - ist nur Nebensache.

Eine Gruppe aus deutschsprachigen Wrestlern wird in NXT als "Imperium" präsentiert. Dazu zählen Alexander Wolfe, Marcel Barthel (beide aus Deutschland), Fabian Aichner (aus Südtirol, Italien) und Walter (Österreich). Beim ihrem Einlauf ertönt orchestrale Musik, die an den "Weißen Hai" und die Dunkle Seite in "Star Wars"-Filmen erinnert. Die Amis grölen frenetisch mit - bei der 9. Symphonie von Antonin Dvořák.

Und das, obwohl das Quartett militärisch organisiert auftritt, im Ring deutsch spricht und das Motto hat: "Die Matte ist heilig". Bei der jüngsten Großveranstaltung in Houston feiern die Fans vor allem "Ringgeneral" Walter mit Sprechchören. Das Heel-Image der bösen Deutschen funktioniert einfach nicht.

Ihnen gegenüber stehen mit Adam Cole, Roderick Strong, Bobby Fish und Kyle O'Reilly vier der beliebtesten Wrestler des Rosters, die sich als "Undisputed Era" formiert haben. Und selbst die vier "Good Guys" schätzen am Publikum, dass vor allem das Gezeigte im Ring mit Beifall honoriert wird. "Das ist schon zur Routine geworden. Das sind die leidenschaftlichsten Hardcore-Fans überhaupt", erklärt NXT-Champion Cole im Interview mit ntv.de. Ein wichtiger Faktor sei auch die Einstellung der Fans, stets das Unerwartete zu erwarten, betont Fish. "Das bringt uns auch zur Bestleistung. Das bedeutet auch Druck, aber den wollen wir in gewisser Weise auch", sagt der 43-Jährige.

Ähnlich ergeht es auch Ilja Dragunov. Der in Deutschland lebende Wrestler mit russischen Wurzeln tritt ebenfalls für NXT an und traf in Houston auf Publikumsliebling Finn Balor. Eine Drucksituation, weil es sein erster Auftritt bei einer Großveranstaltung in den Vereinigten Staaten ist. Unter russischer Folklore-Musik und mit dem Spitznamen "Unbesiegbar-Zar" verkörpert er auch im Ring den volksnahen Russen.

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Ilja Dragunov (links) fordert Finn Balor heraus.

(Foto: WWE)

Pfiffe gibt es in Houston nur vereinzelt. "Im Endeffekt entscheiden die Leute, wen sie ausbuhen", sagt Dragunov ntv.de. Nach wenigen Minuten im Match sind sich die Tausenden Fans in Houston jedoch einig: Der Junge kann was. Und den Stempel der Ausbildungsliga kann man NXT nach Ansicht des 26-Jährigen nicht mehr aufdrücken: "Was wir bieten ist Unterhaltung und Wrestlingqualität auf höchstem Niveau."

Eigentlich sollte die Liga talentierten Wrestlern den Sprung in die größeren WWE-Sendungen RAW und Smackdown sowie Erfahrungen vor großem Publikum ermöglichen. Einmal pro Woche strahlt die WWE über ihren eigenen Streamingdienst und den TV-Sender USA Network eine zweistündige Episode der "Nachwuchs"-Talente aus.

Den Nachwuchscharakter hat NXT aber schon lange abgelegt, die Talente sind einfach zu gut und begeistern Woche für Woche. Allerdings gibt es mit All Elite Wrestling (AEW) seit Anfang 2019 eine unabhängige Wrestlingliga, die der WWE den Kampf angesagt hat und ihre wöchentliche TV-Ausgabe fast zeitgleich zu NXT ausstrahlt.

Nach einem Dämpfer durch den AEW-Hype fährt NXT mittlerweile wieder stabile Einschaltquoten ein. Qualität halten die Wrestlingfans schließlich die Treue - ob in der Arena oder vorm Fernseher.

Quelle: ntv.de

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