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Bodensee-"Tatort" Schwach im Abgang

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Auf den Barrikaden: Hecker, Levin und die badischen Revolutionäre.

(Foto: SWR/Peter Hollenbach)

Vier Folgen lang dürfen Blum und Perlmann sich selbst und ihrem Publikum noch beweisen, was sie als "Tatort"-Kommissare draufhaben, bevor der SWR den Konstanzern die Lizenz entzieht. Teure Weine und revolutionäre Rückblenden sollen den Ermittlern dabei helfen.

Konstanz, 1848: Eben erst hat Friedrich Hecker die Badische Republik ausgerufen, schon stehen seinen revolutionären Truppen die verhassten Schergen des Fürsten gegenüber und ballern aus ihren Vorderladern, was das Zeug hält. Schlecht synchronisierte Schmerzensschreie, ein Techniker mit Trockeneisfetisch und Kunstblut auf nigelnagelneuen Fantasieuniformen signalisieren dem Kenner: Hier hat sich mal wieder ein öffentlich-rechtlicher Regisseur an einem unschuldigen historischen Thema vergangen. Stimmt aber gar nicht, es ist die Eingangsszene des neuen "Tatorts" vom Bodensee.

Dass die badischen Radikaldemokraten nie in Konstanz gekämpft haben, sondern von dort aus nur zum legendären "Heckerzug" aufgebrochen sind: geschenkt. Aber es gibt einfach Genres, die Hollywood überlassen werden sollten, wenn man sie denn überhaupt in Bildern erzählen muss. Kostümfilme gehören definitiv dazu: Auch mit zweistelligen Millionenbudgets balancieren solche Historienschinken immer an der Grenze zur Peinlichkeit. Und dann kommen die Entscheider beim SWR und haben die glorreiche Idee, einen Gutteil des geschätzten 1,5-Millionen-Etats der Konstanzer Truppe in schlecht sitzende Uniformen und hölzern abgespulte Dialoge zum Fremdschämen zu stecken. Dass da für eine handwerklich sauber erzählte Episode rund um die ohnehin schon ausgezählten Ermittler Blum und Perlmann noch weniger abfällt, versteht sich von selbst.

Der Griff in die historische Klamottenkiste ist der enorm konstruierten Handlung geschuldet, die "Chateau Mort" zugrunde liegt: Es geht um die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (das Gesicht des 20-Mark-Scheins), ihren eingemauerten Lover Levin, jahrhundertealte Weine im sechsstelligen Preissegment, einen ermordeten Romantiker und - irgendwo müssen die Kollegen aus dem Nachbarland ja ins Spiel kommen - zwielichtige Anlagegeschäfte in Schweizer Auktionshäusern.  Das liest sich nicht nur seltsam, es guckt sich auch so.

Einer der wenigen Lichtblicke zwischen dem permanent grundlos schlecht gelaunten Konstanzer Kommissar Perlmann und seiner muttchenhaften Kollegin Blum ist der Schweizer Kollege Lüthi: Wie schon in der vorangegangenen Episode arbeitet sich der einzige halbwegs coole Cop vom Bodensee am Image der Schweiz als Rückzugsort für korrupte Geschäftsleute aus aller Welt ab - und entwickelt dabei so einen Drive, dass sich die Zuschauer automatisch fragen müssen, warum Lüthi das nicht hauptberuflich machen darf. Die deutschen Schnarchnasen dürften in der Zwischenzeit gerne am anderen Ufer versauern.

Quelle: n-tv.de

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